Oranienstraße 25
10999 Berlin

Ausstellungsraum:
Täglich 12–19 Uhr
Mi–Fr bis 20 Uhr

REALITY CHECK: WILD CUBE AND GROUND CONTROL

Lois Weinberger – KONJUNKTIONEN mit Heath Bunting und Ladislav Zajac
14. Oktober – 19. November 2017
Ausstellung, Interventionen im Stadtraum, Publikation

Lois Weinberger, Spur, Ruderal Society, 2015, Länge 60m, Spontanvegetation, Köln Skulptur #8, Foto: Axel Schneider
Lois Weinberger, Spur, Ruderal Society, 2015, Länge 60m, Spontanvegetation, Köln Skulptur #8, Foto: Axel Schneider


In der Tradition diskursiver RealismusStudio-Ausstellungen steht mit Lois Weinberger ein Wegbereiter und Grenzgänger im Zentrum, der seit Ende der 1980er Jahre die Debatten über Kunst und ihre Beschäftigung mit Natur beeinflusst. Seitdem dominieren ruderale Spontanvegetationen seine Auseinandersetzung mit Natur- und Zivilisationsräumen und dem Phänomen einer überkontrollierten Gesellschaft. Seine Metapher für die Migrationsbewegungen der heutigen Zeit, die willkürliche Grenzziehungen und Hierarchien infrage stellt, entpuppt sich als radikaler Gegenentwurf zur kapitalistischen Verwertungsindustrie. In der nGbK werden erstmals Arbeiten, die 1994/95 während seines Stipendiums im Künstlerhaus Bethanien in Berlin entstanden sind oder darauf Bezug nehmen, in einem größeren Zusammenhang gezeigt.

Im kuratorischen Experiment KONJUNKTIONEN wird das komplexe Werk Weinbergers mithilfe der künstlerischen Positionen von Heath Bunting und Ladislav Zajac – in den Rollen eines Satelliten und eines Reflektors – aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet und diskursiv erweitert. Heath Bunting, der sich selbst als ›Artivist‹ bezeichnet, zählte in den 1990er Jahren zu den Mitbegründer_innen der »net.art«- und »sport-art«-Bewegungen und war einer der ersten Flashmobber sowie Gründer der bis heute existierenden Internetplattform irational.org. Der Künstler stellt radikal Hierarchien und Herrschaftsverhältnisse infrage, legt vorhandene Machtstrukturen und kapitalistische Aneignungsprozesse offen. Ladislav Zajac, der in meist minimalistischen Interventionen Eigenheiten spezifischer Orte und Situationen aufzeigt, reflektiert die raum-zeitlichen Dimensionen der Ausstellung und stellt Verknüpfungen her.

Plakate im Stadtraum während der Ausstellung: v.l.n.r.: Heath Bunting "evolution of men subverted by fear", 2003 /Lois Weinberger "Brandenburger Tor", 1994  /Ladislav Zajac "Space Extends To Infinity", 2016 /Heath Bunting "it costs more to be poor", 2004 /Lois Weinberger ohne Titel, 2010 /Ladislav Zajac "Ground Control", 2014
Plakate im Stadtraum während der Ausstellung: v.l.n.r.: Heath Bunting "evolution of men subverted by fear", 2003 /Lois Weinberger "Brandenburger Tor", 1994 /Ladislav Zajac "Space Extends To Infinity", 2016 /Heath Bunting "it costs more to be poor", 2004 /Lois Weinberger ohne Titel, 2010 /Ladislav Zajac "Ground Control", 2014




Freitag 13 Oktober 2017, 19 Uhr,
Eröffnung der Ausstellung

Samstag 14 Oktober 2017, 11-17 Uhr,
Workshop »Indoor Survival Workshop« with Heath Bunting (en)

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Max. 12 Teilnehmer_innen
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Ob du vom Staat/Imperium inhaftiert wurdest, externe kontaminierte Substanzen vermeiden willst oder ein verzweifelter Elternteil von mehreren Babys bist, du solltest dir Überlebenstechniken für Innenräume aneignen. Dieser Workshop kann dich auf Notfallsituationen vorbereiten oder einfach nur deine Fähigkeiten erweitern, um dich längere Zeit in einem Innenraum aufhalten zu können. Dies umfasst gewöhnliche Überlebensthemen wie Gruppendynamiken und psychische Gesundheit ebenso wie Schlafen, Essen, Trinken und persönliche Hygiene. Dein Lehrer für diesen Workshop hat nicht nur zusammen mit einem weiteren Erwachsenen und Zwillingsbabies drei Jahre lang 23 Stunden pro Tag in einem Schlafzimmer verbracht, sondern in der Vergangenheit auch monatelang im Freien gelebt.


Samstag 14 Oktober 2017, 19 Uhr,
Lecture & Artist Talk »About The Status Project« von Heath Bunting (en)
Im Veranstaltungsraum, 1. OG

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Heath Bunting berichtet über sein langjähriges The Status Project (seit 2004), in dem sich der Künstler mit Wirkungsweisen immaterieller Ausgrenzungsmechanismen befasst. Jede unserer Bewegungen und Aktivitäten generiert eine Vielzahl von Datenspuren, die mit Methoden des Data-Mining zu umfassenden Persönlichkeitsprofilen ausgewertet werden. Die daraus konstruierten Identitäten determinieren maßgeblich unseren gesellschaftlichen Status und die damit verbundenen Bewegungsfreiheiten oder Handlungsoptionen. In komplexen Diagrammen legt Bunting wechselseitige Beziehungsmuster und deren Einflüsse auf unsere Bewegungsfreiheit offen und erforscht Möglichkeiten, neue offizielle Identitäten zu konstruieren, um deren Status innerhalb unserer Gesellschaft zu beeinflussen.


Sonntag 15 Oktober 2017, 14 Uhr,
Meet the Artist: Lois Weinberger, Heath Bunting und Ladislav Zajac (dt/en)

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Mit einer Einführung von Christin Lahr und Isabelle Meiffert.

Im Anschluss an den Hidden Talk gibt es die Möglichkeit, die Künstler in der Ausstellung zu treffen und in einen Dialog über ihre Arbeiten zu treten.


Sonntag 15 Oktober 2017, 12 Uhr,
Hidden Talk »Ausstellen – zwischen Zeigen und Verbergen« (dt/en)
Ausstellungsraum und verborgener Ort

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RealismusStudio im Gespräch mit Lois Weinberger, Heath Bunting, Ladislav Zajac und Gästen.
Moderation: Christin Lahr und Isabelle Meiffert

Hidden Talk ist ein experimentelles Gesprächsformat, in welchem gemeinsam mit den beteiligten Künstlern die Frage diskutiert wird, was Ausstellen in einer Zeit des medialen Exhibitionismus bedeutet. Während das künstlerische Handeln von Lois Weinberger und Heath Bunting oftmals im Verborgenen stattfindet, reflektiert Ladislav Zajac Aspekte der Wahrnehmung und fördert zugrunde liegenden Strukturen zutage. Ausgehend von konkreten Arbeiten der beteiligten Künstler wird dem Verhältnis von Zeigen und Verbergen sowie den Grenzen des Mediums Ausstellung nachgespürt.


Sonntag 22 Oktober 2017, 16 Uhr,
Lichtbilder und Lesung: »Inmitten von Dingen, die nur sich selbst bedeuten. Die Präsenz des Abwesenden in Texten von Roland Barthes, Marlen Haushofer, Alesandro Baricco, Richard Brautigan, Italo Calvino u. a.« (dt/en)
Im Veranstaltungsraum, 1. OG

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Mit Ladislav Zajac, Paul Valikowski und Felicitas Madl.

"Aus dem stummen Haufen der Dinge muss etwas kommen: ein Zeichen, ein Anruf, ein Wink. Ein Ding tritt aus der Masse der anderen Dinge hervor, um etwas zu bedeuten … Aber was? Sich selbst. Ein Ding genießt die Betrachtung durch andere Dinge nur, wenn es überzeugt ist, sich selbst und nichts anderes zu bedeuten, inmitten von Dingen, die nur sich selbst bedeuten, nichts anderes. Dergleichen Gelegenheiten sind freilich selten, doch früher oder später müssen sie sich ergeben. Es genügt zu warten, bis eine jener glücklichen Konstellationen eintritt, in denen die Welt im gleichen Moment betrachten und betrachtet werden will und Herr Palomar sich gerade dazwischen befindet. Oder besser: Herr Palomar muß nicht einmal darauf warten, denn solche Dinge geschehen nur, wenn man sie am wenigsten erwartet."
(aus Italo Calvino: "Palomar“, 2000)


Sonntag 22 Oktober 2017, 14 Uhr,
Kuratorinnenführung

Sonntag 29 Oktober 2017, 14 Uhr,
Kuratorinnenführung

Sonntag 05 November 2017, 15 Uhr,
Vortrag und Publikationsvorstellung: »Dem Internet beim Wachsen zugeschaut oder: Über ›Own, Be Owned Or Remain Invisible‹ Heath Buntings Selbstporträt mit 32« (dt)
Im Veranstaltungsraum, 1. OG

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Mit Wolfgang Schröder, Software-Unternehmer und Herausgeber der gleichnamigen Publikation, Buchholz in der Nordheide.

Ausgehend von der Internetarbeit „Own, Be Owned Or Remain Invisible.“ , in der Heath Bunting bereits 1998 die Kommerzialisierung des Internets, die Privatisierung des öffentlichen Raumes, territoriale Aneignungen sowie damit zusammenhängende undemokratische Herrschaftsstrukturen thematisiert, stellt Wolfgang Schröder anhand seiner Publikation weitere Arbeiten und subversive Strategien des britischen Künstlers vor.


Sonntag 05 November 2017, 14 Uhr,
Kuratorinnenführung

Sonntag 12 November 2017, 14 Uhr,
Kuratorinnenführung

Sonntag 19 November 2017, 17 Uhr,
Finissage

Sonntag 19 November 2017, 16 Uhr,
Kuratorinnenführung




Projektgruppe RealismusStudio:
Jan Ketz, Christin Lahr, Isabelle Meiffert, Ulrike Riebel, Susanne Weiß

Unterstützt von
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