Oranienstraße 25
10999 Berlin

Ausstellungsraum:
Täglich 12–19 Uhr
Mi–Fr bis 20 Uhr

Reframing Worlds - Mobilität und Gender aus postkolonial, feministischer Perspektive

Galerie im Körnerpark: 4. November 2017 - 21. Januar 2018
nGbK: 2. Dezember 2017 –  21. Januar 2018
Geschlossen am: 24. 25. und 31. Dez sowie am 1. Jan
Ausstellung, Broschüre, Begleitprogramm

Ausstellungsansicht "Reframing Worlds", nGbK 2017, Foto Nihad Nino Pusija
Ausstellungsansicht "Reframing Worlds", nGbK 2017, Foto Nihad Nino Pusija

Akinbode Akinbiyi, Maria Thereza Alves, Hasan Aksaygın & Aykan Safoğlu, Nathalie Anguezomo Mba Bikoro & Anaïs Héraud-Louisadat, Pauline Boudry & Renate Lorenz, Antye Greie aka AGF, Rajkamal Kahlon, Susanne Kriemann, Marisa Maza, Judith Raum, Mathilde ter Heijne, Katrin Winkler, Moira Zoitl

Die Ausstellung versammelt Arbeiten Berliner Künstler*innen, die sich mit dem Leben und Werk so unterschiedlicher Frauen wie Gertrude Bell, Agatha Christie, Maria Mandessi Bell Diop, Mia May, Sayyida Salme Prinzessin von Oman und Sansibar alias Emily Ruete oder Ida Pfeiffer auseinandersetzen.
Ausgangspunkte sind bis heute wirksame kolonialistisch geprägte Denkweisen, Bildwelten und Wissenskategorien, deren geschichtliche Konstruktionen offengelegt und reflektiert werden. In ihren Recherchen, die sich mit Reiseberichten, Lebensgeschichten, Pflanzenwelten, Fotografien und anderen Objekten befassen, gehen die Künstler*innen den Erfahrungen von Unterdrückung, Widerstand und Migration nach. Sie untersuchen, wo und wie Spuren davon noch sichtbar sind. Gleichzeitig setzen sie sich kritisch damit auseinander, wie mit Archiven und Archivmaterial heute umgegangen werden kann und welche Rolle sie selbst als Wissensproduzent*innen einnehmen.

Die Ausstellung macht nicht nur Leerstellen der Geschichtsschreibung sichtbar, sondern fragt nach der Art des Wissens, das im Kontext der kolonialen Unternehmungen produziert und in Europa verbreitet worden ist. Wie und von wem wird Wissen über die Welt erzeugt? Wie wirken die komplexen Verflechtungen von Rassismus und Sexismus bis heute nach und wie kann Feminismus transkulturell und solidarisch gedacht und praktiziert werden?

Laden Sie das Hörstück "Unlistening White Feminism" von Antye Greie aka AGF hier [...]


Freitag 03 November 2017, 18 Uhr,
Eröffung der Ausstellung: Galerie im Körnerpark

Sonntag 05 November 2017, 17 Uhr,
Performance: Unlistening White Feminism – Ida Pfeiffer’s Travel Diaries Revisited (en)
Galerie im Körnerpark

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Eine Sound-Performance von Antye Greie aka AGF


Freitag 24 November 2017, 15 Uhr,
Führung: On the Ruins of Paradise (en)
Galerie im Körnerpark

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Führung mit Nathalie Anguezomo Mba Bikoro und Anaïs Héraud-Louisadat durch ihre Installation


Freitag 01 Dezember 2017, 19 Uhr,
Eröffnung der Ausstellung

Sonntag 03 Dezember 2017, 14 Uhr,
Führung durch die Ausstellung an beiden Orten (de/en)
Treffpunkt: Galerie im Körnerpark

Sonntag 03 Dezember 2017, 12 Uhr,
Gespräch: How to Buy a Castle & a Farm (en)
Galerie im Körnerpark

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Ein Gespräch zwischen Maria Thereza Alves und Nathalie Anguezomo Mba Bikoro


Samstag 09 Dezember 2017, 17 Uhr,
Führung durch die Ausstellung an beiden Orten (de/en)
Treffpunkt: Galerie im Körnerpark

Samstag 09 Dezember 2017, 19 Uhr,
Gespräch zwischen Aïcha Diallo und Maria Do Mar Castro Varela "Koloniale Begegnungen Postkoloniale Reflexionen" (de)
nGbK

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Anhand der Exponate in der Ausstellung reflektieren Maria do Mar und Aicha Diallo in einem offenen Gespräch mit den Besucher*innen, wie mittels Kunst beispielsweise die Themen "Kontaktzonen als Felder des Verlernens", Trauma und Re-Traumatisierung, Weiblichkeit und Sexualität multiperspektivisch und neu interpretiert werden können.

María do Mar Castro Varela ist eine spanische Politikwissenschaftlerin und Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Queer und Gender Studies an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin.
Aïcha Diallo arbeitet an der Schnittstelle von Kunst/Kultur und Bildung mit den Schwerpunkten Migration, Empowerment und Kommunikation. Sie machte ihren Bachelor-Abschluss in European Studies am Queen Mary, University of London und ihren Master-Abschluss in Intercultural Education an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitete u.a. für die Kulturplattform Chimurenga in Kapstadt, das Ausstellungsprojekt prêt-à-partager bei der ifa – Institut für Auslandsbeziehungen, war Herausgeberin der Onlinepublikation des Schwerpunkts Kulturelle Produktionen und Räume der Heinrich Böll Stiftung und Mitbegründerin und Schauspielerin der Performance Plattform Label Noir. Diallo arbeitet als Co-Projektleitung der KontextSchule - angesiedelt am Institut für Kunst im Kontext an der Universität der Künste, Berlin. Außerdem ist Diallo Redaktionsmitglied beim Kunstmagazin Contemporary And (C&) – Plattform für internationale Kunst aus afrika- nischen Perspektiven.


Samstag 13 Januar 2018, 19 Uhr,
Filmvorführung "Audre Lorde – Die Berliner Jahre 1984 bis 1992" von Dagmar Schultz (de)
nGbK, Veranstaltungsraum, 1. OG

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Audre Lordes Texte und Vorträge definierten und inspirierten in den 1970er und 1980er Jahren feministische, lesbische, afroamerikanische und “women of color“ Bewegungen in den USA, sowie weltweit. Der Film „Audre Lorde - the Berlin Years 1984 to 1992“ dokumentiert ihren Einfluss auf die politische und kulturelle Szene in Deutschland und vermittelt ihre Beiträge zu dem deutschen Diskurs über Rassismus, Xenophobie, Antisemitismus, Klassenunterdrückung und Homophobie. Er berichtet darüber, wie Lorde sowohl afrodeutsche Frauen darin bestärkte zu schreiben und zu publizieren, als auch weiße deutsche Frauen dazu herausforderte, die Bedeutung ihrer weißen Privilegien zu erkennen und mit Unterschiedlichkeiten auf konstruktive Weise umzugehen. Der Film beleuchtet die Entstehung einer afrodeutschen Bewegung und die Ursprünge der antirassistischen Bewegung vor und nach der deutschen Wiedervereinigung und ermöglicht so eine historische Analyse und trägt zum Verständnis gegenwärtiger Debatten zum Thema Identität und Rassismus in Deutschland bei.


Samstag 13 Januar 2018, 20.30 Uhr,
Gespräch mit Dagmar Schultz und Ika Hügel-Marshall, Moderation: Diana McCarty
nGbK, Veranstaltungsraum, 1. OG

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Samstag 13 Januar 2018, 17 Uhr,
Führung durch die Ausstellung an beiden Orten (de/en)
Treffpunkt: Galerie im Körnerpark

Sonntag 14 Januar 2018, 18 Uhr,
Lecture Performance "On Feminotopias" von Riikka Tauriainen (en)
nGbK, Veranstaltungsraum, 1. OG

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In ihrer Lecture Performance gibt die Künstlerin Riikka Tauriainen einen Einblick in ihre Recherche zu Feminotopien und zu Flora Tristan, einer französischen Schriftstellerin, (Früh-)Sozialistin und Frauenrechtlerin des 19. Jahrhunderts, die selten Erwähnung in konventionellen Geschichtsbüchern findet. Tauriainen geht der Frage nach, wie privilegierte Frauen in der Kolonialzeit gereist sind und untersucht die Beziehungen von Kolonialismus und Kapitalismus in der patriarchalischen Gesellschaft.


Sonntag 14 Januar 2018, 17 Uhr,
Führung durch die Ausstellung (de/en)
nGbK

Sonntag 14 Januar 2018, 19 Uhr,
Filmvorführung "Die Reise nach Lyon" von Claudia von Alemann (de)
nGbK, Veranstaltungsraum, 1. OG

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Elisabeth, die Protagonistin in Claudia von Alemanns Film Die Reise nach Lyon (1980) ist Historikerin und erforscht das Leben von Flora Tristan. Auf ihrer Suche nach einer Möglichkeit sich aktiv zu erinnern und die Vergangenheit zu verstehen, entscheidet sich die Historikerin dazu, die traditionelle, schreibtischgebundene Forschung und ihre Familie zurückzulassen. Sie reist auf den Spuren Flora Tristans nach Lyon, um deren Leben und Erfahrungen in der sinnlichen Realität der Gegenwart zu rekonstruieren.


Sonntag 14 Januar 2018, 21.30 Uhr,
Gespräch mit Riikka Tauriainen und Claudia von Alemann, Moderation: Kerstin Schroedinger
nGbK, Veranstaltungsraum, 1. OG

Sonntag 21 Januar 2018, 16 Uhr,
Führung "On the Ruins of Paradise" mit der Künstlerin Nathalie Anguezomo Mba Bikoro (EN)
Galerie im Körnerpark

Sonntag 21 Januar 2018, 18 Uhr,
Künstleringespräch "Ashes of Broken Brickwork of a Logical Theory" mit Susanne Kriemann (DE)
nGbK-Veranstaltungsraum, 1.OG

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Susanne Kriemann spricht über ihre Arbeit, in der sie Aufnahmen aus dem fotografischen Archiv der Schriftstellerin Agatha Christie (1890-1976), Luftaufnahmen der Syrischen Wüste und Ausgrabungsstätten in Mesopotamien eigenen Fotografien gegenüber. 1928 und 1930 nahm Christie als Fotografin für das British Museum an archäologischen Exkursionen im heutigen Nordirak und Syrien teil – Reisen, die sie auch zu Romanen wie Mord im Orient-Express (1934) inspirierten. In dieser Zeit ging es den Archäologen nicht mehr nur darum, spektakuläre Funde zu machen, sondern die kleinteiligen Ausgrabungsstücke zu klassifizieren und zu einem schlüssigen Bild der Vergangenheit zusammenzufügen. Gleichzeitig sahen sie sich in ihrer Realität vor Ort mit anti-kolonialen Auseinandersetzung,  teils mit blutigen Folgen, konfrontiert.
Durch die Gegenüberstellung mit eigenen Aufnahmen bringt Kriemann die historischen Dokumente in ein neues Ordnungssystem und reflektiert somit auch die Konstruktion von Geschichte unter dem Aspekt der kolonialen Herrschaft über die Geschichtsschreibung.


Sonntag 21 Januar 2018, 17 Uhr,
Kurator*innenführung durch die Ausstellung an beiden Orten (DE/EN)
Treffpunkt: Galerie im Körnerpark

Sonntag 21 Januar 2018, 17 Uhr,
Performance "Talking Ewoun" von Mathilde ter Heijne featuring Birgitte Semekonawo und Thomas Tossou
nGbK

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Für 'Reframing Worlds' hat Mathilde ter Heijne ihrer Arbeit "Woman To Go" neue Postkarten hinzugefügt. Diese neuen Postkarten erzählen die Geschichten von Frauen, die im 19. Jahrhundert in Afrika lebten und in sogenannte Mischehen hineingeboren wurden. Die Performance greift die Biografien einiger dieser Frauen auf. Ida Maria Getzen Leinhos (1864-1926) und Matilde Kleinschmidt (1857-19?) lebten in Kapstadt und waren beide mit einem weißen Siedler verheiratet. Frances Abigail Olufunmilayo Thomas (1900-1978), Seh-Dong-Hong-Beh (18? - 18?) und Johanna Vitringa Coupon lebten in der damals als Goldküste bezeichneten Region (heute Ghana, Togo, Benin und Nigeria).
Birgitte Semekonawo und ihr Bruder Thomas Tossou werden den Text der oben erwähnten Biographien auf einer Ewoun trommeln. La Negra Carlota (? -1844), eine in Kuba lebende, versklavten Yoruba-Frau, nutze dieses Trommeln, eine Klangsprache, die den Kolonisatoren unbekannt war, um damit eine Rebellion auszulösen.


Sonntag 21 Januar 2018, 19 Uhr,
Lecture Performance "Rock and Clay Improvisation" von Judith Raum (DE)
nGbK- Veranstaltungsraum, 1. OG

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In ihrer Lecture Performance beschäftigt sich die Künstlerin Judith Raum mit der fotografischen Arbeit von Gertrude Bell (1884-1926), die als Forschungsreisende, Archäologin, Schriftstellerin und Agentin bekannt geworden ist und auf ihren Reisen das Medium der Fotografie intensiv einsetzte. In den Jahren zwischen 1905 und 1920 bereiste sie mehrmals auf eigene Initiative archäologische Orte in der heutigen Türkei, Syrien und dem Irak. Im Zentrum der Lecture Performance stehen zwei dieser Reisen: der Ritt durch Syrien, den Bell 1905 unternahm, und eine dreimonatige Reise von Aleppo entlang des Euphrats bis Bagdad und zurück auf abweichender Route nach Konia im Jahr 1909. Über beide Reisen veröffentlichte Bell Bücher, aus denen die Künstlerin Ausschnitte in die Lecture Performance einfließen lässt.

Bells Bewegungen als Europäerin und auch als Archäologin im mittleren Osten sind Teil eines problematischen Zusammenhangs kolonialer Machtgefüge- und interessen. Dennoch weist ihr Umgang mit der Kamera wie auch die Sprache, die sie für ihre Beobachtungen wählt, eine Bereitschaft auf, in Nahsicht der Details zu gehen und sich berühren zu lassen, also die mit dem Beherrschen verbundene Position der Distanz und des Überblicks aufzugeben. Viele von Gertrude Bells Feld-Fotografien zeigen einen Sinn für Improvisation, nehmen Unschärfen in Kauf und legen Entscheidungen über die Positionierung des archäologischen Objekts, der Kamera und der Autorin hinter der Kamera offen. Indirekt stellen sie so Blickregime und Wissenschaftskonformismen der Zeit in Frage.



Weiterer Ausstellungsort:
Galerie im Körnerpark
Schierker Straße 8
12051 Berlin
Täglich 10-20 Uhr


nGbK-Projektgruppe: Oliver Baurhenn, Dorothee Bienert, Marisa Maza, Antje Weitzel, Jole Wilcke, Moira Zoitl

Eine Kooperation zwischen der Galerie im Körnerpark und der
neuen Geselschaft für bildende Kunst

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Finanziert aus Mitteln des
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Unterstützt von
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