Oranienstraße 25
10999 Berlin

Ausstellungsraum:
Täglich 12–19 Uhr
Mi–Fr bis 20 Uhr

Left Performance Histories

3. Februar – 25. März 2018
Ausstellung, Veranstaltungen, Publikation

Tamás Király, Modeperformance, Budapest 1989, Foto: Jonathan Csaba Almási
Tamás Király, Modeperformance, Budapest 1989, Foto: Jonathan Csaba Almási

Freitag, 2. Februar 2018, 19 Uhr
Eröffnung der Ausstellung mit einer Begrüßung von Dr. Torsten Wöhlert, Staatssekretär für Kultur und Prof. Dr. Kathrin Busch, Präsidium der nGbK
Fortlaufend: Performance "Der rote Kuss der Geschichte" von Bálint Szombathy

Ausstellung mit: Vlasta Delimar, Orshi Drozdik, Tomislav Gotovac, Ion Grigorescu, Jürgen Hohmuth (chic, charmant & dauerhaft / ccd), Sanja Ivekovic, El Kazovszkij, Judit Kele, Tamás Király, Katalin Ladik, László Lakner, Zbigniew Libera, Marijan Molnar, Sven Marquardt, Ewa Partum, Zygmunt Piotrowski, Christine Schlegel, Hans-Joachim Schulze & Peter Oehlmann (Gruppe 37,2), Irmgard Senf (Exterra XX), Mladen Stilinovic, Sven Stilinovic, Gabriele Stötzer, Tamás Szentjóby, Bálint Szombathy, Raša Todosijevic, Branka Stipancic, Želimir Žilnik

Wo fängt eine Performance an und wo hört sie auf? Wie verändert sich diese Kunstform im Kontext späterer Ausstellungen? Was erzählen Performances aus dem sozialistischen Osteuropa über künstlerische Ausdrucksweisen, politische Kritik oder gesellschaftlich unangepasstes Verhalten? Die Ausstellung Left Performance Histories zeigt osteuropäische Aktionskunst ab den 1970er Jahren und reflektiert ihre fortwährende Bedeutung in der Gegenwart. Einige der über 25 vorgestellten Künstler_innen dürften Kenner_innen der alternativen Kulturszenen des ehemaligen Ostblocks vertraut, andere selbst für sie eine Neuentdeckung sein.

Statt einer umfassenden Retrospektive nähert sich die Ausstellung einer Auswahl von Themen, die in kritischen Debatten häufig ausgeklammert werden. Die inoffizielle Kunst des staatssozialistischen Osteuropas wird oft als Sammelbecken subversiver Gesten gegen ein gesellschaftlich, kulturell und politisch repressives Umfeld verhandelt. Die Ausstellung betrachtet Performancekunst hingegen als Ort des Vergnügens, an dem gängige Selbstdarstellungen und gesellschaftliche Normen von Geschlechtsidentität, Sexualität und Schönheit umgangen werden. Sie fragt darüber hinaus nach politisierten künstlerischen Positionen, um zu zeigen, dass der sozialistische Staatsapparat nicht nur von antikommunistischer Seite aus angefochten wurde. Vielmehr meldeten sich auch kritische Stimmen zu Wort, die auf demokratisch-sozialistischen Prinzipien beharrten oder auf den erbitterten ideologischen Wettkampf des Kalten Krieges verwiesen.

Durch eine Vielfalt kuratorischer Herangehensweisen (einschließlich dokumentarischer Präsentationen, Gesprächsveranstaltungen und Neuaufführungen von Performances) untersucht das Projekt, wie Performancekunst im Kontext späterer Ausstellungen gezeigt werden kann. Relikte, Dokumentationen und Erinnerungen an Aufführungen werden als Teil der erweiterten Materialität künstlerischer Aktionen begriffen. Die Ausstellung schlägt vor, Performance als veränderliches und sich kontinuierlich neu konstituierendes Archiv zu verstehen, das bei jeder öffentlichen Präsentation aufs Neue gestaltet werden muss. Mit diesem Ansatz erkundet sie, wie die Geschichte/n der Performancekunst im Laufe der Zeit hervorgebracht, reguliert und interpretiert werden. Left Performance Histories fragt, was diese Kunst ausmacht und wer ihre Archivar_innen sind.

Begleitendes Programm:

Freitag, 16. Februar 2018

> Ganztägig
"Right to an orgasm at over 60", Performance von Vlasta Delimar
> 15 Uhr
Begrüßung
> 15.30 Uhr (EN)
"Performance als Ort unangepassten Verhaltens (Teil 1): Mode und Genderentgrenzung", Podiumsdiskussion mit Kata Benedek, Gyula Muskovics, Andi Soós und Gabriele Stötzer; Moderation: David Crowley
> 17.30 Uhr (EN)
"Frauen, die Ehe ist gegen Euch!", Künstlerinnengespräch mit Ewa Partum und Karolina Majewska-Güde
> 19 Uhr
"KONTRAKTUS – célébration sologame", Performance von Judit Kele

Samstag, 17. Februar 2018

> 14 Uhr (EN)
"Performances und ihre Archive", Podiumsdiskussion mit Roddy Hunter, Heike Roms, Branka Stipancic und Andrej Mircev; Moderation: Judit Bodor
> 16 Uhr (DE)
„'EIN BUNTER BLUMENSTRAUSS FÜR UNSERE REPUBLIK'. Mit Spaß, Kunst und Mode Konventionen brechen in der DDR", Künstlergespräch mit Jürgen Hohmuth
> 17 Uhr (EN)
"Vocabulary of Revolutionary Gestures", Lecture Performance von Elske Rosenfeld
> 18 Uhr (EN)
"Performance als Ort unangepassten Verhaltens (Teil 2): Linke Kritik", Podiumsdiskussion mit Anna Artwinska, Constanze Fritzsch, Bojana Matejic und Judit Bodor; Moderation: Beáta Hock
> 20h
"Alice in Codeland", Performance von Katalin Ladik


Im Juni erscheint eine Publikation zur Ausstellung. (ISBN: 978-3-938515-73-0)


nGbK-Projektgruppe: Judit Bodor, Adam Czirak, Astrid Hackel, Beata Hock, Andrej Mircev, Angelika Richter