Oranienstraße 25
10999 Berlin

Ausstellungsraum:
Täglich 12–19 Uhr
Mi–Fr bis 20 Uhr

Redemption Jokes

Ausstellung, Publikation
16. September – 15. November 2015

Oreet Ashery, Bad Company, at The Bureau for Paradoxical Relations, Installation by Sol Calero, nGbK, 2015
Oreet Ashery, Bad Company, at The Bureau for Paradoxical Relations, Installation by Sol Calero, nGbK, 2015

 

Oreet Ashery, Young-Hae Chang Heavy Industries, Dolanbay, Amit Epstein, Grit Hachmeister & Claudia Gülzow, Wilhelm Klotzek, Donna Kukama, Bjørn Melhus, Falke Pisano, Studio Spektral und Liam O’Callaghan in einer im Gespräch mit Fotini Lazaridou-Hatzigoga eigens entwickelten Architektur

Es gibt ein großes Missverständnis. Wir denken gerne, dass eine tiefgründige Analyse großen Ernst erfordert. Humor gilt als das genaue Gegenteil, er berührt vermeintlich nur die Oberfläche der Dinge. Besonders Humor, der Menschen zum Lachen bringt, jenem sichtbarsten Ausdruck von Glück, steht im Ruf, jede Wichtigkeit zu zerstören…
[An Paenhuysen Berlin Art Week Magazin, 2015].

REDEMPTION JOKES untersucht die Verbindung von Humor und Kritik in der zeitgenössischen Kunst. Mit Blick auf ihre ästhetischen Grammatiken und gesellschaftlichen Kontexte präsentiert das Projekt künstlerische Formen des subversiven Witzes. Wider den patriarchalen Ernst geht es hier um den Einsatz von Humor - auch um kulturellen Phobien die Stirn zu bieten. Inspiriert von queerfeministischen und antikolonialen Praktiken, stellt das Projekt künstlerische Ansätze vor, die das zwiespältige Lachen über soziale und politische Verhältnisse erproben und Stotterzustände in Deutungs- und Machtverhältnissen erzeugen.

Die Ausstellungsgestaltung führt die Besucher_innen in eine Büroteppichlandschaft unter deren Ausläufern sich der Schutt vorhergehender Bauten rechten Winkeln widersetzt. In diesem „Bauch des Biests“ - dieser neoliberalen Gegenwart - in dem nach Santiago Lopez Petit unser Streben nach (politischem) Wandel gefangen ist, liegt das Befreiende der als Redemption Jokes (Erlösende Witze) gezeigten Werke in ihrer bewussten Absurdität:  Im Brechen mit der Norm, in der dysfunktionalen Handlung, im Entgleisen der Kommunikation entfaltet der Witz sein Potential die Beziehung unter den Anwesenden zu verändern.

Im März 2015 präsentierte sich die Recherche- und Erprobungsphase des Projektes im Büro für widersprüchliche Beziehungen im Ausstellungsraum der nGbK.
Im September erscheint zur Ausstellung die zweisprachige Publikation JOKEBOOK mit den Ergebnissen der Begegnungen, Performances und Forschungen. [ISBN: 978-3-938515-60-0, Verlag: nGbK. Mit Bild- und Textbeiträgen von: Oreet Ashery, Paola Bonino, Preciosa De Joya, Jonas Engelmann, Amit Epstein, Elisabeth Fritz, Christopher Kline, Wilhelm Klotzek, Eve Massacre, Monika Rinck, Gin Müller, Isabel de Sena, Oxana Timofeeva, sowie des Büroteams; Anna Bromley, Michael Fesca, Suza Husse, Teena Lange und Jana Sotzko]


Dienstag 15 September 2015, 18 Uhr,
Eröffnung der Ausstellung & Performances: Dolanbay, Studio Spektral...

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18–22 Uhr "Negating Blank Part 2" von Dolanbay
21 Uhr "Process of Disappearing" von Studio Spektral
Ab 21.30 Uhr DJ Set: Studio Spektral & special guest Kurt Ernst
Im Innenhof


Samstag 19 September 2015, 12 Uhr,
Kurator_innenführung
Anmeldung unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Die Teilnahme ist kostenlos

Ein Kneipenabend, an dem eine ganze Nacht Bob Marley läuft, bietet nach Grada Kilomba eine ganz großartige Lektion über antikolonialistisches Denken, Fühlen und Handeln. Am nächsten Morgen verfolgt uns der 1980er Ohrwurm Redemption Songs, dessen Text eine Marcus-Garvey-Rede von 1937 zitiert, die für die radikale (Selbst-)Befreiung aus mentalen Manipulationen plädiert. 

Die Ausstellung und ihr Begleitbuch befragen den meist als Ventil gesehenen Witz nach Potenzialen für eine selbstbefreiende Radikalität. Lässt sich das vielbeschworene passivere comic relief  in ein proaktives redemption joking umwandeln? Lässt sich auf diese Weise eine widerständige Praxis erlachen?

Das Kurator_innenteam gibt Einblicke in das zweiteilige Ausstellungskonzept und stellt die künstlerischen Positionen vor.


Sonntag 27 September 2015, 15 Uhr,
Buchpräsentation: Jokebook
Lesung mit Buchbeitragenden und dem Büro für widersprüchliche Beziehungen

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Im September erscheint zur Ausstellung die zweisprachige Publikation JOKEBOOK (dt./engl.) mit den Ergebnissen der Begegnungen, Performances und Forschungen.

ISBN: 978-3-938515-60-0
Verlag: nGbK
Mit Bild- und Textbeiträgen von: Oreet Ashery, Paola Bonino, Preciosa De Joya, Jonas Engelmann, Amit Epstein, Elisabeth Fritz, Christopher Kline, Wilhelm Klotzek, Eve Massacre, Gin Müller, Monika Rinck, Isabel de Sena, Oxana Timofeeva sowie des Büroteams; Anna Bromley, Michael Fesca, Suza Husse, Teena Lange und Jana Sotzko und Kommentaren von u.a. Jonathan Garnham, Thembinkosi Goniwe, Yacouba Konaté und Nana Orofiatta-Ayim.


Samstag 10 Oktober 2015, 15 Uhr,
Führung mit Wilhelm Klotzek

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Wilhelm Klotzek verarbeitet die Hinterlassenschaften der DDR und die Rezeption der Nachwendegeschichte. In Skulpturen, Videos, Hörstücken, Künstlerbüchern und Installationen spielt er mit semantischen Ambivalenzen, die sich in dysfunktionalen Objekten und widersinnigen, brachial poetischen Zusammenkünften zeigen. Für REDEMPTION JOKES entwickelte er ein installatives Vexierbild, das sich um zwei Protagonist_innen entspinnt: Eine Katze, die lautstark eine Konstellation von Eingemachtem anruft und ein erschöpftes Einkaufstüte-Strichmännchen, das knittrig an einer Wand voller Werbeaufkleber aus den 90er Jahren lehnt. Verbunden sind die Szenarien durch eine Gruppe von Fliegen, die auf der Stelle um das Alltagsmausoleum surren.


Samstag 31 Oktober 2015, + 1 Nov. 2015,
Textworkshop mit Anna Bromley
Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Lachen(d) anstecken
nGbK Veranstaltungsraum, 1. Etage

Ein feministisches und provokantes Lachen ist es, das Hélène Cixous 1975 mit ihrem Essay Le Rire de la Méduse (dt.: Das Lachen der Medusa, Wien, 2014) vorschlägt; ein Lachen, das scheinbar keinen Witz braucht. Aus voller Kehle penetrant,  ansteckend und sich jeglicher Viktimisierung verweigernd, überfliegt es das Erwartete. Im zweitägigen Textworkshop werden Cixous Bilder des Lachens, des Fliegens und des (Sich Davon-)Stehlens mit aktuellen psycholinguistischen Forschungen von Helga Kotthoff gegengelesen. Die Texte werden bereitgestellt.


Sonntag 15 November 2015, Ab 15 Uhr,
Performances

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15 Uhr Führung mit Wilhelm Klotzek
Wilhelm Klotzek verarbeitet die Hinterlassenschaften der DDR und die Rezeption der Nachwendegeschichte. In Skulpturen, Videos, Hörstücken, Künstlerbüchern und Installationen spielt er mit semantischen Ambivalenzen, die sich in dysfunktionalen Objekten und widersinnigen, brachial poetischen Zusammenkünften zeigen. Für REDEMPTION JOKES entwickelte er ein installatives Vexierbild, das sich um zwei Protagonist_innen entspinnt: Eine Katze, die lautstark eine Konstellation von Eingemachtem anruft und ein erschöpftes Einkaufstüte-Strichmännchen, das knittrig an einer Wand voller Werbeaufkleber aus den 90er Jahren lehnt. Verbunden sind die Szenarien durch eine Gruppe von Fliegen, die auf der Stelle um das Alltagsmausoleum surren.


17 Uhr To Be Announced von Donna Kukuma
Nach ihrer Praxis befragt, nennt Donna Kukama häufig den Begriff der poetic disturbances, mit dem Robert Duncan in den 1970er Jahren seine doppelsinnigen Sprachspiele betitelte. Den Aberwitz, der diesen Gedichten im Wörtlich-Nehmen von Redewendungen gelingt, evoziert auch Kukama, indem sie die Teilnehmer_innen ihrer Performances als Kompliz_innen, Co-Protagonist_innen und Bezeugende in phantastische “Was-Wäre-Wenn”-Spiele einbezieht, die Alternativen zur Fabrikation aktueller und historischer Normative erproben. So gründete sie mit The Air-State Urgency ein Maklerbüro, das (realen) Wolken für (reale) Geldsummen (neue) Besitzer_innen vermittelt. Die Performance, die sie für REDEMPTION JOKES realisiert, trägt den enigmatischen Titel To Be Announced. Das in Kunstinstitutionen so beliebte Kürzel tba kann hier in unterschiedliche Richtungen (miss)verstanden werden: nämlich so, dass der Titel später angekündigt wird; oder so, dass Kukamas Teilnahme noch bekanntgegeben wird, oder aber, dass in der Performance selbst Ankündigungen gemacht werden.


18.30 Uhr Kehraus





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nGbK-Projektgruppe: Büro für widersprüchliche Beziehungen: Anna Bromley, Teena Lange, Michael Fesca, Suza Husse, Jana Sotzko