neue Gesellschaft
für bildende Kunst

In diesem Jahr, in dem der Verein 50 Jahre alt wird, lohnt sich ein Blick zurück auf das Jahr 1969. Vergegenwärtigen wir uns das politische Klima: Sowohl die DDR als auch die BRD werden 20 Jahre alt. Die Zeit des Nationalsozialismus ist noch nicht lange her. Jene, die danach geboren und aufgewachsen sind, sind volljährig geworden und dürfen das erste Mal wählen. Ihre Stimmen werden in diesem Jahr dazu beitragen, dass sich in der BRD ein Regierungswechsel vollzieht, der später als »Epochenereignis« bezeichnet werden wird. Willy Brandt wird Bundeskanzler und in seiner Regierungserklärung wird er zwanzigmal den Begriff »Gesellschaft« verwenden.
Der Wahlkampf im Sommer 69 wird getragen von dem Slogan »Mehr Demokratie wagen«. Auch in der Aula der Berliner Hochschule für bildende Künste geht es um Demokratie. Genauer gesagt, geht es darum, wie einzelne Bürger_innen eine Gesellschaft gestalten können - eine neue Gesellschaft - und in diesem besonderen Fall ist ihr Betätigungsfeld die bildende Kunst.

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Und noch etwas verdeutlicht der Blick zurück: Die Zeit, in der Kunst als entartet diffamiert und Kultur vielerorts zu Propagandazwecken missbraucht wurde, ist noch klar im Bewusstsein. Hierin wurzelt die Notwendigkeit, Entscheidungen rund um Kunst- und Kulturproduktion, Ausstellungskonzeption und Vermittlung nicht einem staatlichen Organ zu überlassen, sondern transparent und partizipativ zu gestalten.
Die Gründungsmitglieder der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK; heute: nGbK) sind zum großen Teil jünger als 25 Jahre. Wir haben es hier aber keineswegs mit einer Jugendsünde zu tun. Für sie, deren Eltern von Faschismus und Krieg geprägt sind, wird es zum dringlichen Bedürfnis, ihre demokratische Verantwortung anzunehmen.

Der Blick zurück lohnt sich, denn gegenwärtig steht die Demokratie ein weiteres Mal auf dem Prüfstand. Für uns ist klar: Im Jahr 2019 wollen wir auch in der nGbK sichtbaren Widerstand leisten, gegen einen erneuten Rechtsruck im Land und in Europa. Auch die Akteur_innen von Kunst und Kultur müssen Position beziehen, müssen die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung nutzen und sich entschieden für eine offene und vielfältige Gesellschaft einsetzen. Die nGbK ist seit ihrer Gründung ein Ort, dessen Antriebsrad die Kritik ist - immer verbunden mit der Suche nach Visionen. Die Mitglieder setzen Themen, die herausfordern, hinterfragen und Lust machen weiterzudenken.
In 50 Jahren werden wir wieder zurückblicken.