neue Gesellschaft
für bildende Kunst


Seit 2018 werden jährlich zwei Stipendien an in Istanbul lebende Künstler_innen vergeben. Das bestehende Istanbul-Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde zu einem echten Austausch erweitert, indem jährlich zwei Künstler_innen aus Istanbul von einer Jury ausgewählt und nach Berlin entsandt werden und umgekehrt. Damit sollen die Beziehungen zwischen den Partnerstädten Berlin und Istanbul  und die Verbindung zur türkischen Kunstszene weiter gestärkt werden. Dies folgt der Überzeugung, dass internationaler Austausch und unmittelbare Kommunikation kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebbar werden lassen und zum Perspektivenwechsel einladen.


Kerem Ozan Bayraktar
Juli - Dezember 2019


Ausgangspunkt für die Computersimulationen, Grafiken, Videos, Texte und Objekte von Kerem Ozan Bayraktar ist sein Interesse an ökologischen, astronomischen und ökonomischen Systemen, aber auch an fiktiven Welten aus Literatur und Populärkultur. In seiner Auseinandersetzung mit der Natur von Systemen legt er immer wiederkehrende Muster in industriellen Prozessen frei – wie z.B. in der Massenproduktion, in der Infrastruktur von Gebäuden, aber auch in den Mythen um (un)bewohnbare Planeten. Dabei geht er grundlegenden Fragen von Leben und Tod und deren Verflechtung mit materiellen und kulturellen Schichten nach und behandelt sie mit einer ganzheitlichen Perspektive, ohne zwischen Mensch und dem Nichtmenschlichen, Leben und Nicht-Leben oder Virtuell und Real zu unterscheiden.
In Berlin möchte Bayraktar seine künstlerischen Forschungen zu Ruderalpflanzen, die spontan in der Stadt wachsen, fortsetzen. Diese Pflanzen können sich schnell an ihren urbanen Lebensraum anpassen und wachsen an Orten, an denen es ›Störungen‹ im ökologischen Sinne gibt. Auf seiner Webseite www.sokakotlari.com und seinem Instagram-Account(@sokak_otlari) teilt Bayraktar seine Notizen über Unkraut, Stadtökologie und Botanik.
Kerem Ozan Bayraktar (*1984) studierte Malerei an der Marmara Universität in Istanbul sowie an der Newcastle University (GB). Seine Arbeiten waren in Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen, zuletzt in Sanatorium Istanbul (2018), Schwules Museum Berlin (2017) und Istanbul Modern (2016). 2016 war Bayraktar Stipendiat der Trélex Art Residency in Trélex, Schweiz (2016).
http://keremozanbayraktar.com/

22. August 2019, OPENHAUS PLUS SPEISEKINO im ZK/U, Berlin

 

Nermin Er
Januar-Juli 2020


In ihren skulpturalen Arbeiten und Animationsfilmen beschäftigt sich die Künstlerin Nermin Er insbesondere mit der Natur und ihrem sich verändernden Zustand sowie mit der Stadt und ihrem Verhältnis zu ihren Bewohner_innen - ob tierisch oder menschlich. Es geht ihr um die Beziehung des Einzelnen zur Stadt, den Begriff des Wohnens und darum, wie Architektur den Alltag beeinflusst.  Zentrales Element im künstlerischen Schaffen von Nermin Er ist die Verwendung von Licht und Schatten. Seit 2017 beschäftigt sie sich zunehmend mit Kunst im öffentlichen Raum sowie mit Soundarbeiten und Klanginstallationen.
Für ihren Berlin-Aufenthalt plant Er eine intensive Auseinandersetzung mit Zugvögeln, die über die Türkei in den Süden fliegen, um dort zu überwintern. Die Vögel dienen ihr als Metapher für den Zustand der erzwungenen Migration aus der vertrauten Umgebung aufgrund von Veränderungen in der Umwelt, wie sie für viele Menschen tagtägliche Wirklichkeit ist.
Nermin Er wurde 1972 in Istanbul geboren. 1995 schloss sie ihr Studium der Bildhauerei an der Mimar Sinan Universität ab. Nermin Ers Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter Galeri Nev (Istanbul, 2004, 2009, 2011), mental:KLİNİK (Istanbul, 2002), Aksanat (Istanbul, 2004), K2 (Izmir, 2005), Siemens Sanat Galerisi (Istanbul, 2005), Helene Nyborg Contemporary (Kopenhagen 2006), Istanbul Modern (Istanbul, 2013) Cappadox (Kappadokien, 2017), Yanköşe (Istanbul, 2017) und Müze Evliyagil (Ankara, 2018) gezeigt.
http://nerminer.net

 

 

Das Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Europa wird im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Kunstverein neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und dem ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik  in Berlin sowie dem DEPO in Istanbul ermöglicht.