Dissident Paths: Traces
Was bleibt von kollektiven Bewegungen?
TRACES versteht sich als Sammlung von Wegen, Erinnerungen und Praktiken von Dissident Paths. Über drei Tage werden Fragmente und Prozesse der gemeinsamen Spaziergänge sowie des kollaborativen Arbeitens durch Künstler_innen des Programms zusammengetragen und vor Ort weiterentwickelt. Im Rahmen dieses Zusammenkommens werden verschiedene künstlerische Spuren in Workshops, Performances, Präsentationen und gemeinsamen Mahlzeiten miteinander verwoben. Neben zahlreichen vor Ort stattfindenden Beiträgen wird dabei auch die Publikation Walk Notations vorgestellt.
TRACES markiert damit den öffentlichen Abschluss von Dissident Paths: Walking Together as a Method, einem einjährigen kuratorischen Projekt, das sich über künstlerische dérive-Praktiken in den Stadtraum Berlins eingeschrieben hat. Zwischen Mai und Oktober 2025 wurden unterschiedliche Teile der Stadt durch insgesamt 23 Spaziergänge aktiviert, angeleitet von Künstler_innen, Stadtforscher_innen, Kollektiven, Dichter_innen und Kulturtheoretiker_innen. Diese Formate luden unterschiedliche Öffentlichkeiten dazu ein, sich gemeinsam entlang gewohnter, kartierter, imaginierter und noch zu entdeckender Pfade zu bewegen. Gehen fungierte dabei zugleich als Notwendigkeit und als disruptive Geste: Es machte Barrieren sichtbar, verschob etablierte Infrastrukturen und eröffnete Räume für alternative Formen von Zugehörigkeit sowie kollektiver Handlungsfähigkeit.
Statt Gehen lediglich als Mittel der Fortbewegung zu verstehen, untersuchte das Projekt, welches Wissen durch gemeinsames Bewegen, veränderte Tempi und eine aufmerksame Hinwendung zu den Geschichten der Stadt entsteht. Jeder Spaziergang reagierte auf spezifische gesellschaftspolitische Diskurse und erprobte erweiterte Formen des Gehens – Performances, Lesungen, Open-Air-Filmvorführungen, Klanginterventionen, Foraging, Workshops für Kinder und Erwachsene, Brettspielen oder After-Partys. Diese Begegnungen im öffentlichen Raum wurden im ersten Projektteil unter dem Titel PATHS zusammengefasst. TRACES versteht sich nun als Möglichkeit, die gegangenen Wege zu erinnern, zu reflektieren, weiterzudenken und fortzuschreiben.
Die Publikation Walk Notations setzt die unterschiedlichen Praktiken zueinander in Beziehung. Einige der beteiligten Künstler_innen und Kurator_innen haben Beiträge in Form von Essays oder Interludien verfasst (darunter Zeichnungen, Skizzen, Partituren, Gedichte, Performanceskripte und Notizen) und schreiben das Projekt damit über seine ursprünglichen Formate hinaus fort.
Ob dokumentarisch, als materielle Artefakte, textliche Reflexionen, in Klang, Bild oder noch nicht definierten Ausdrucksweisen, diese vielschichtigen Arbeiten werden im Rahmen des öffentlichen Programms TRACES in der nGbK geteilt.
Mitwirkende: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach, Sarnt Utamachote
Grafikdesign: Paula Buškevica
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds
Informationen in Leichter Sprache und DGS