Palästina zwischen Augen

Sa, 17.10.26 – So, 3.1.27 Typ: Ausstellung Sprachen: Deutsch, Englisch Ort: nGbK Adresse: Karl-Liebknecht-Str. 11/13, 10178 Berlin Öffnungszeiten: Di–So 12–18 Uhr, Fr 12–20 Uhr Eintritt: frei
Bild © Mohamed Abusal

Palästina zwischen Augen ist eine Ausstellung mit Begleitprogramm und versammelt Film und Video, Installation, Sound, Fotografie und Zeichnung. Sie lädt dazu ein, eingeübte Sehgewohnheiten zu hinterfragen und zu erweitern, und damit auch die Geschichten neu zu denken, die wir über uns selbst erzählen.

Die Kurator:innen beschreiben die Ausstellung folgendermaßen: „Palästina zwischen Augen untersucht die sozialen Strukturen, die unsere Wahrnehmung prägen – und damit, wie diese Strukturen bestimmen, wessen Menschlichkeit sichtbar, erkennbar und empathiewürdig wird.
Trotz der überwältigenden Fülle an visuellen Belegen, Zeug:innenaussagen und live übertragenen Aufnahmen aus Gaza und der weiteren Region wird im vorherrschenden deutschen Diskurs die Anerkennung, dass diese einen Genozid dokumentieren, weitgehend ausgeblendet. Diese Verweigerung kann sich aufgrund einer normalisierten Verleugnung palästinensischer Subjektivität durchsetzen. Palästina zwischen Augen fragt danach, wie dies möglich ist.
Die Ausstellung interveniert in den Bereich des Ästhetischen. Sie versammelt künstlerische Praktiken, die sich rassifizierten Hierarchien und der Kriminalisierung der Solidarität mit Palästina entgegenstellen. Sie nutzen öffentliche und Familienarchive, um die Kontinuitäten von Kolonialität in der Gegenwart zu verdeutlichen; aus ausgelöschten Lebenswelten erobern sie sich Narrative der Zerstörung zurück. Sie schöpfen Hoffnung aus kollektiver Beharrlichkeit und bekräftigen die emanzipatorische Wirkung eines antikolonialen Internationalismus.
Palästina zwischen Augen besteht auf der Notwendigkeit eines öffentlichen Raums, in dem wir die Grenzen hinterfragen können, die unserem Blick auferlegt sind – und in dem wir erneut zu einem Sensorium kollektiver Wahrnehmung werden.”

Künstler:innen: Mohamed Abusal, Shiva Addanki, Basma al-Sharif, Sophie Ataya, Yuval Carasso, Pary El-Qalqili, Natascha Sadr Haghighian, Dirar Kalash, Talya Lubinsky, Jumana Manna, Stellar Meris, Joshua Schwebel

Kurator:innen: Hannah Beilharz (bis Juli 2026), Yuval Carasso, Talya Lubinsky, Joshua Schwebel, Gabriela Manda Seith

FAQs

Wie kam die Ausstellung zustande?
Seit 1969 ist die nGbK ein Ort, an dem Künstler:innen und Kurator:innen regelmäßig Perspektiven auf die Berliner Stadtgesellschaft zur Diskussion stellen. In Berlin lebt die größte palästinensische Community Europas. Ihre Familiengeschichten und Biografien sind Teil dieser Stadt und werden dennoch selten erzählt. 2025 wurde Palästina zwischen Augen in das Programm der nGbK gewählt, um diese Wahrnehmungslücke zum Gegenstand einer Ausstellung zu machen. Die Auswahl des Projekts spiegelt somit den Bedarf wider, über Fragen zu Palästina zu sprechen.

Gab es innerhalb des Vereins Debatten über die Ausstellungsinhalte?
Debatten über Ausstellungsinhalte sind ein selbstverständlicher Teil des Vereinslebens der nGbK. So gab es auch zu Palästina zwischen Augen interne Diskussionen, die die Vielstimmigkeit des Vereins abbilden. Seine Mitglieder vereint dabei die seit nunmehr fast 60 Jahren eingeübte Praxis, gesellschaftliche Fragen mit künstlerischen Mitteln zu bearbeiten.

Entsprechen die Positionen der Künstler:innen und Kurator:innen der Position der nGbK?
Bei keiner Ausstellung, die in der nGbK zu sehen ist, entsprechen die Ausstellungsinhalte und ihre Diskurse den Ansichten aller Mitglieder des Vereins. Die nGbK versteht sich als Ort der Begegnung und Aushandlung, in dem Fragen unserer Zeit auch kontrovers verhandelt werden. Den Rahmen hierfür gibt der Code of Conduct vor, den die nGbK als Präambel in ihrer Satzung festgeschrieben hat.

Warum zeigt die nGbK diese Ausstellung?
Die gewachsene Struktur der nGbK gibt immer wieder Strömungen einen Raum, die andernorts nicht gehört werden. Sie stärkt freies kuratorisches Arbeiten, durch das aktuelle gesellschaftliche Konflikte mit Kunst und Kultur öffentlich vermittelt werden. Mit ihren über 1.000 Mitgliedern bildet die nGbK wie keine andere Institution die freie Kunstszene Berlins ab. Die Wahl von Palästina zwischen Augen ist daher auch Ausdruck eines Bestrebens innerhalb der postmigrantischen Stadtgesellschaft Berlins, ein Forum zu ermöglichen, in dem palästinensische, jüdische und andere diasporische Stimmen für sich selbst sprechen.

Was kann eine Kunstausstellung zu Debatten um Israel und Palästina beitragen?
Durch ihre Fähigkeit zu Abstraktion und Differenzierung kann zeitgenössische Kunst gelebte Biografie ästhetisch erfahrbar und gesellschaftliche Gestaltung möglich machen. Gerade durch Subjektivität trägt sie zu einem erweiterten Verständnis für ein vielstimmiges Miteinander bei. Der Ausstellung geht es weniger um Palästina selbst, sondern vielmehr um die Wahrnehmung Palästinas in Deutschland. Sie fragt, wie bestimmte Wahrnehmungen eingeübt werden, was dabei unsichtbar bleibt und nicht anerkannt wird.

Was ist mit dem „Nicht-Sehen“ Palästinas gemeint?
Das kuratorische Konzept der Ausstellung und des Veranstaltungsprogramms geht von der Annahme aus, dass die Art, wie wir Bilder lesen, von Vorannahmen und Sehgewohnheiten geprägt ist. Dies führt dazu, dass Palästina und die Erfahrung von Palästinenser:innen in Deutschland häufig nicht oder nur verzerrt wahrgenommen werden. Dem möchte die Ausstellung entgegenwirken.

Ich würde gerne mehr über die Hintergründe der Ausstellung erfahren. Gibt es eine Möglichkeit, mit den Kurator:innen ins Gespräch zu kommen?
Während der Ausstellungslaufzeit bieten die Kurator:innen monatlich Gesprächsformate an, um einen Austausch mit den Besuchenden zu ermöglichen.

Termine:
Samstag, 17. Oktober, 17 Uhr
Mittwoch, 18. November, 17 Uhr
Samstag, 5. Dezember, 17 Uhr

Heute

Fr, 16.10.26, 18:00–22:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Opening

Typ: Opening Ort: nGbK

Vorschau

Sa, 17.10.26, 17:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Before the spark, after the fire: the revolutionary potential of the image

Typ: Symposium Ort: nGbK

Mi, 21.10.26, 17:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Führung mit den Kurator:innen

Typ: Führung Ort: nGbK

So, 25.10.26, 14:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Geteilte Welten

Typ: Spaziergang

Sa, 31.10.26, 17:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Between Solidarity and Silence: What remains? Palestinian voices in the GDR and now

Typ: Gespräch Ort: nGbK

Sa, 31.10.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: The Return of the Palestinian Question and the End of the Human Rights Discourse

Typ: Vortrag Ort: nGbK

Mi, 4.11.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Ich sehe was, was Du nicht siehst (Teil 1)

Typ: Film screening Ort: nGbK

Sa, 14.11.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: An Unnamed Score – Archiving in Situ, Berlin, 2026

Typ: Performance Ort: nGbK

Mi, 18.11.26

Palästina zwischen Augen: Ich sehe was, was Du nicht siehst (Teil 2)

Typ: Filmscreening Ort: nGbK

So, 29.11.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Prison Plants: from Rosa Luxemburg to the Ulm 5

Typ: Lesung Ort: nGbK

Mi, 2.12.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Ich sehe was, was Du nicht siehst (Teil 3)

Typ: Film screening Ort: nGbK

Fr, 4.12.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Never never again and again and again

Typ: Performance Ort: nGbK

Sa, 5.12.26, 19:00 Uhr

Palästina zwischen Augen: Opportune Listening – On the Audiovisual Construction of Jewishness in Post-Nationalsocialist Germany

Typ: Performative Lesung Ort: nGbK

So, 3.1.27

Palästina zwischen Augen: Finissage

Typ: Finissage Ort: nGbK