neue Gesellschaft
für bildende Kunst

ABSENT MONUMENT / GAİB ANIT [tr]

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Format: Diskursive und entwerfende Workshops, Panels/Präsentationen, Screenings mit Q/A, Dokumentation/Blog, Publikation, Ausstellung

Budget: 79.981,20 € (Projekt: 69.874,60 €; Publikation: 10.106,60 €)

Beide Städte lagen „zu nahe dran“ am Eisernen Vorhang, wurden als Verlierer des Kalten Krieges wahrgenommen und nach der Wende zu Gewinnern hochstilisiert. Von unserer ursprünglichen Euphorie ist jedoch nicht mehr viel übrig. Wir mussten erleben, wie die Gesellschaften, die weltweit ihre positive Zukunftsvision des 20. Jh. verloren, sich immer stärker auf ihre vermeintlichen goldenen Zeitalter beriefen. Istanbul und Berlin, unsere  beiden Städte sind geradezu Paradebeispiele für den Zeitgeist nach dem sog. Fall des Eisernen Vorhangs.

Heute, drei Jahrzehnte nach der Wende, sollen die Untoten der Baugeschichte in beiden Städten auferstehen, die Insignien imperialer Vergangenheiten den öffentlichen Raum dominieren. Wir verstehen heute, dass die drei letzten Jahrzehnte, in denen die Bauwerke der internationalen Nachkriegsmoderne zur Zielscheibe wurden, der Inkubator einer dystopischen Zukunft waren. Der Wille, historische Barockfassaden zu rekonstruieren, versetzte uns geistig in eine Welt, die wir für längst überwunden hielten: in die Welt des imperialen Kräftemessens am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

DIE RECHERCHE
ABSENT MONUMENT richtet seinen Blick auf die symbolische Stadtmitte, dorthin, wo Staaten ihren Raum beanspruchen. Wir untersuchen, für welches politisches Narrativ Bauten und Monumente stehen, von welchen persönlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen, Verdrängungen sie erzählen, auch: was sie vergessen. Wofür stehen ihr Verschwinden und ihre Rekonstruktionen, ihre Bildsprache?
Die Raumkultur einer Gesellschaft weist auf das hin, wohin sie möchte. Öffentliche Räume, Denkmäler und Bauten werden un/sichtbar gemacht: An wen, woran, und wie wird öffentlich erinnert, wer, was wird wie vergessen? Welche Zielsetzungen assoziiert unsere Raumpolitik? Präsenz und Absenz öffentlicher Bauten/Monumente, und die bevorzugte Sprache der Raumkultur sind ein Feld fortwährender Neuverhandlungen urbaner politischer Akteur*innen.

STANDPUNKT, FORMATE, UMSETZUNG
ABSENT MONUMENT ist ein Zweistädteprojekt, von und mit Teilnehmer*innen aus den beiden Städten. Wir gucken nicht von Berlin nach İstanbul, auch nicht umgekehrt: Wir schauen uns die Welt von heute an, und finden, dass Berlin und Istanbul sich gut eignen, unsere Geschichte zu erzählen.

Die AG versteht sich als eine offene: Mitmachen! Die Arbeit im Hintergrund wird auf die Fokusgruppen verlagert, in der neben AG Mitgliedern eingeladene Künstler*innen und Expert*innen sowie nGbK-Mitglieder ihren Platz finden. Fokusgruppen können sich mit der einen oder beiden Städten befassen; gemeinsam oder getrennt arbeiten.

Hybridisierungen sind ausdrücklich erwünscht. Theorie- und entwurfsbezogenes Arbeiten soll in Berührung stattfinden; Grenzen der künstlerischen, kuratorialen und theoretischen Forschung und kreative Prozesse sollen überschritten werden.

ABSENT MONUMENT fokussiert auf ausgewählte Geschichten und Pfade, die geeignet sind, zwischen den beiden Städten Brücken zu bauen. Eine Ausstellung in der nGbK im Herbst 2024 wird den Höhepunkt eines fortlaufenden Prozesses bilden: ein Prozess kollektiver Forschung, kreativen Entwerfens, von Exkursionen, Interventionen, Diskussionen an runden Tischen und Gespräche nach den Präsentationen, Panels und Screenings, sowie des Schreibens. In den Monaten Mai/Juni 2023 finden die Workshops sowie die öffentlichen Formate im DEPO-Istanbul in kondensierter Form statt. Eine Publikation zu Forschungsergebnissen und den kuratorialen Positionen soll herausgebracht werden.