neue Gesellschaft
für bildende Kunst

Vollkommen phantasielos

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Format: Ausstellung, Workshops/Seminare, Buch

Budget: 79.922,60 € (Projekt: 71.922,60 €; Publikation: 8.000,00 €)

Ausstellung mit lebendigem Archiv
Werk, Ansätze und technische Entwicklungen werden im historischen und aktuellen Kontext entdeckt und im lebendigen Archiv und Rahmenprogramm erfahrbar gemacht und weiterentwickelt.
Costards Arbeit entwirft ein Modell künstlerisch-aktivistischer Praxis, die außerhalb der damaligen Kategorien lag und produktive Ansätze zu heutigen gesellschaftlichen Fragen liefert. Er suchte mit seinen Methoden durch innovative Zugänge zu Wirklichkeit Veränderung in der Gesellschaft zu implementieren. Sein Interesse galt u.a. der Erfindung von preisgünstiger Technik zur Demokratisierung des Filmemachens, der Auseinandersetzung mit den Produktionsmechanismen des Films, der Transparenz der handelnden Person. Das hatte Humor, änderte sich von Projekt zu Projekt bis er den Kulturbetrieb als geschlossenes System sah, aus dem es ohne doppelten Boden in die Wirksamkeit auszubrechen galt.

Als Künstler:innen interessiert uns wie in der Auseinandersetzung ein komplexes Modell aus Vergangenheit und Gegenwart entsteht.
Aus Beobachtung und Handeln.
Ausstellungsraum: Raum in dem am Archiv und in Workshops gearbeitet wird.

Was ist ein Archiv? Archivtheorien, innovative Digitalisierungstrategien und Praxis, Handhabbarmachen des Materials, Selektion Einpflegen von Archivalien aus Kinemathek (Nachlass) und Privatarchiven, Gespräche mit Beteiligten u.a. Untersuchung und Anwendung von Costards Methoden diese Arbeit für die Besucher nicht nur zugänglich und erfahrbar machen, sondern mit ihnen aktiv weiterentwickeln.

Fiktionalität: Wie verhält sich das Bild, das sich aus dem Material ergibt, zum Tatsächlichen?

»Besonders wertvoll« zeigt 1968 einen Penis, der die Sittenklausel des Filmförderungsgesetzes vorträgt und wird zum Skandal. In »Teilweise von mir« 1974 sprechen viele Passanten halb/satzweise einen Text über Arbeit.
Seit der Filmemacher Koop 1967 erforschte Hellmuth Costard die Emanzipation der Filmarbeit durch experimentelle Filmtechnik, die sich bis in die 1980er zu einer Forschung an den Schnittstellen von Kunst und Technologie entwickelte. »Der kleine Godard« 1978 war zudem ein radikaler Bericht zum deutschen Fördersystem und zur Rolle des Individuums und seiner Arbeitsprozesse in der Öffentlichkeit. Inhaltlich stand hinter den kamera-technischen Entwicklungen der 1970er/80er Jahre die Methode “Spielfilme vollkommen phantasielos drehen”: Eine Mehrkameratechnik ermöglichte, dass jede Situation in der Realität sich im Film praktisch “selbst erzählen” und spielfilmartig verdichten kann. »Echtzeit« (1983, zusammen mit Jürgen Ebert) verbindet dies mit einer essayistischen Analyse von Digitalisierung und dem Abhandenkommen von Wirklichkeit im kommenden Zeitalter der IT. Bis zu seinem Tod (2000) widmete er sich zunehmend Projekten zu selbstbestimmter IT-gestützter Bildung und erneuerbarer Energie, insbesondere dem dezentralen Sonnenkraftwerk “Sunmachine”.  Die Finanzierung wurde immer schwieriger.