neue Gesellschaft
für bildende Kunst

13Sonntag, 13 November 2022Sonntag, 13. November 2022, 11:00 Uhr – 18:00 Uhr
Workshop: Workshop: „Class Matters“ mit Francis Seeck
24Donnerstag, 24 November 2022Donnerstag, 24. November 2022, 19:00 Uhr
Eröffnung: Opening: Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen
4Sonntag, 04 Dezember 2022Sonntag, 04. Dezember 2022, 15:00 Uhr
Diskussion: Discussion: Paradoxien des Künstler_innendaseins
5Montag, 05 Dezember 2022Montag, 05. Dezember 2022, 14:00 Uhr – 15:00 Uhr
Ausstellungsführung: Guided tour: mit der AG Klassenfragen
8Sonntag, 08 Januar 2023Sonntag, 08. Januar 2023, 15:00 Uhr
Diskussion: Discussion: Praxen der Umverteilung
9Montag, 09 Januar 2023Montag, 09. Januar 2023, 14:00 Uhr – 15:00 Uhr
Ausstellungsführung: Guided tour: mit der AG Klassenfragen
9Montag, 09 Januar 2023Montag, 09. Januar 2023, 19:00 Uhr
Online-Gespräch: Online talk: Navigating an Unjust System
Ausstellung

Ausstellung: Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen

Freitag, 25. November 2022 — Montag, 09. Januar 2023

Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen

Adresse: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin
Geöffnet:nach Ankündigung*
Sprache(n): 
Eintritt: frei
Veranstalter_in: neue Gesellschaft für bildende Kunst
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Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen

Ausstellung und Veranstaltungsprogramm
Broschüre zur Ausstellung

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen der nGbK und der Berlinischen Galerie, in deren Räumlichkeiten die Ausstellung realisiert wird.

 

Künstler_innen:
Douglas Boatwright, Frauke Boggasch, Verena Brakonier / Greta Granderath / Jivan Frenster, Vlad Brăteanu, Margit Czenki für ‚Der goldene Engel –Pro System’ mit ‚Die Mission – künstlerische Maßnahmen gegen die Kälte e.V.’, Karolina Dreit / Kristina Dreit / Anna Trzpis-McLean (Arbeitszyklus Working Class Daughters), Paul Goesch, Martin Elmar de Haan / Anonym, Hannah Höch, Matthias Horn, Marion Lebbe / Caroline Sebilleau / Emmanuel Simon, Liang Luscombe, Franziska König, Silke Nowak, Verena Pfisterer, Jelka Plate, Karin Powser, Arthur Segal, Christian Specht, Margret Steenblock / ClaraRosa, Anna Schapiro, Hito Steyerl / Giorgi Gago Gagoshidze / Miloš Trakilović, Gabriele Stötzer, Mika Svolos, Gülbin Ünlü, Anna-Lena Wenzel, Norbert Witzgall

 

Im Arbeitsfeld Kunst treffen extreme Klassenunterschiede aufeinander. Dem Karriereversprechen des Kunstmarktes stehen die häufig prekären Lebensrealitäten und Produktionsbedingungen von Künstler_innen gegenüber, hinter dem sichtbaren Glamour lauern verschwiegene Armut und Abhängigkeitsverhältnisse. Wie stark Herkunft Zugänge und Karriere beeinflusst und die Kunstproduktion von ökonomischem, sozialem und kulturellem Kapital abhängig ist, wird in dieser Ausstellung thematisiert.

Dazu bringt Klassenfragen Werke aus der Sammlung der Berlinischen Galerie mit zeitgenössischen Positionen zusammen, von Zeichnungen und Malerei über Rauminstallationen bis hin zu filmischen Arbeiten und Hörstücken. Entlang von fünf inhaltlichen Strängen wurden Arbeiten ausgewählt, die Erfahrungen struktureller Benachteiligung beleuchten und Fragen verhandeln, die Klassismus im Kunstfeld aufwirft.

Dabei wird bewusst eine intersektionale Perspektive eingenommen und Klassismus mit Rassismus, Sexismus und Ableismus zusammengedacht, denn oft verzahnen sich verschiedene Diskriminierungsformen. Die Folgen dieser Diskriminierungserfahrungen können sich in Selbstzweifeln äußern oder auf die psychische Gesundheit auswirken. Liang Luscombe verdeutlicht diese Zusammenhänge in ihrer surrealen Video-Satire: Als Weg aus der Verschuldung erwägen die Protagonistinnen Plünderungen, die Flucht ins karibische Steuerparadies, ja selbst den Verkauf der eigenen Zähne.

Herkunft als Hindernis: Wenn die soziale Herkunft den Zugang zu Ausbildungsinstitutionen, Ausstellungsmöglichkeiten oder Förderungen erschwert, spricht man von Klassismus. Das kann mit mangelnden finanziellen Ressourcen ebenso zu tun haben wie mit fehlenden Kontakten oder mangelnden Kompetenzen zum Erstellen von Förderanträgen. Dabei sind Förderungen von entscheidender Bedeutung für eine Künstler_innenkarriere. Ihre Bedeutung benennt Vlad Brăteanu auf seinem Banner mit dem Spruch „Ein Künstler ohne Förderung ist kein Künstler“.

Produktionsbedingungen: Wie kann man Kunst machen, wenn weder Geld noch Raum zur Verfügung stehen? In der Ausstellung werden Werke gezeigt, die die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen im Kunstfeld verhandeln und dokumentieren. So mussten sich viele Künstler_innen aus finanziellen Gründen auf kleine Formate beschränken. Andere Vorhaben enden im Entwurfsstadium. Die Beiträge von Douglas Boatwright oder Verena Pfisterer veranschaulichen künstlerisches Arbeiten in prekären Verhältnissen: Wenn der Drucker nicht mehr funktioniert, zeigt der „Fehldruck“ den wortwörtlichen Druck der fehlenden Mittel. Wenn es keine Möglichkeit gibt, eine raumgreifende Installation zu realisieren, bleibt es bei der Ideenskizze im Kleinformat. Die Wandlabels sind dabei bewusst Teil des Ausstellungskonzepts: Sie geben Aufschluss über die tatsächlichen Produktionskosten einiger Arbeiten, Berufe der Eltern, die Anzahl der beantragten Förderungen oder Nebenjobs.

Kunstmarkt: Das Kunstfeld ist durch eine paradoxe Gleichzeitigkeit geprägt. Während die Arbeiten einiger weniger Künstler_innen astronomische Preise erzielen, arbeiten andere unter prekären Bedingungen und finanzieren sich durch Jobs auf Mindestlohn-Niveau. Die Sprecherin des Berliner berufsverbands bildender künstler_innen (bbk), Frauke Boggasch, zeigt die Absurditäten des Lebens in der Kunstszene anhand ihrer Aufnahmen vom langersehnten Stipendienaufenthalt in Paris, wo ihre, wenn auch kurzzeitigen, Privilegien auf fehlende Zugänge von Menschen treffen, die auf der Straße leben.

Leerstellen: Über viele Probleme wird aus Scham geschwiegen. So ist beispielsweise (Alters-)Armut selbst im sich häufig als progressiv und kritisch verstehenden Kunstbetrieb ein Tabuthema. Neben zahlreichen lebenden Kunstschaffenden war auch Hannah Höch davon betroffen, deren Arbeiten sich in der Sammlung der Berlinischen Galerie befinden. Deutlich wird dies anhand von ausgestellten Briefen von Künstler_innen über sechzig, die sich während der Corona-Pandemie um Fördergelder bewarben. Zu sehen sind darüber hinaus Arbeiten von Künstler_innen ohne akademische Ausbildung und solchen mit körperlichen oder mentalen Beeinträchtigungen – Positionen, die aufgrund von Zugangsbeschränkungen häufig unsichtbar bleiben.

Handlungsoptionen: Die Ausstellung endet mit der Frage nach Handlungsoptionen, Klassismus entgegen zu wirken und Wege zu einer solidarischeren Kunstwelt aufzuzeigen. Dazu zählen beispielsweise die Bemühungen, Produktionsbedingungen transparent zu machen, nur noch im Kollektiv zu arbeiten (wie die Gruppe La Buse), oder mittels anonymisierter Produktion dem idealisierten Bild des_der individualisierten Künstlers_in eine gemeinschaftliche Praxis entgegenzustellen.

Die Ausstellung wird um ein Filmprogramm im IBB-Videoraum der Berlinischen Galerie ergänzt. Begleitend finden ein Veranstaltungsprogramm und ein Workshop statt.

 

nGbK-Arbeitsgruppe:
Frauke Boggasch, Silke Nowak, Anna Schapiro, Anna-Lena Wenzel, Norbert Witzgall

 

 

Publikation

  
ISBN:

Weitere Termine

13Sonntag, 13 November 2022Sonntag, 13. November 2022, 11:00 Uhr – 18:00 Uhr
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24Donnerstag, 24 November 2022Donnerstag, 24. November 2022, 19:00 Uhr
Eröffnung: Opening: Klassenfragen – Kunst und ihre Produktionsbedingungen
4Sonntag, 04 Dezember 2022Sonntag, 04. Dezember 2022, 15:00 Uhr
Diskussion: Discussion: Paradoxien des Künstler_innendaseins
5Montag, 05 Dezember 2022Montag, 05. Dezember 2022, 14:00 Uhr – 15:00 Uhr
Ausstellungsführung: Guided tour: mit der AG Klassenfragen
8Sonntag, 08 Januar 2023Sonntag, 08. Januar 2023, 15:00 Uhr
Diskussion: Discussion: Praxen der Umverteilung
9Montag, 09 Januar 2023Montag, 09. Januar 2023, 14:00 Uhr – 15:00 Uhr
Ausstellungsführung: Guided tour: mit der AG Klassenfragen
9Montag, 09 Januar 2023Montag, 09. Januar 2023, 19:00 Uhr
Online-Gespräch: Online talk: Navigating an Unjust System