neue Gesellschaft
für bildende Kunst
Künstler_innengespräch: mit Chargé
Samstag, 08. Juli 2023, 15:00 UhrGeöffnet:
Sprache(n):
- Deutsch
- Englisch
- Französisch
Eintritt: frei
Veranstalter_in: neue Gesellschaft für bildende Kunst
Künstler_innengespräch mit Chargé
Treffpunkt: U-Bahnstation Strausberger Platz, Ausgang Strausberger Platz
Mit Chargé nehmen die Künstler_innen Sinzo Aanza, Jasmina Al-Qaisi, Falonne Mambu, Nada Tshibwabwa, Ralf Wendt und Elsa Westreicher den Strausberger Platz unter- und oberirdisch, performativ, auditiv und durch Plakate auf den U-Bahn-Gleisen ein. Die Gruppe, bestehend aus sechs in der Demokratischen Republik Kongo und in Deutschland lebenden Künstler_innen, begreift den Platz als eine Doppelung des Kongo-Kosmogramms – ein Symbol, das die Beziehungen zwischen sichtbaren und unsichtbaren Welten darstellt und zusammenfasst.
Sinzo Aanza (* 1990, Goma, DR Kongo) lebt und arbeitet in Kinshasa, DR Kongo. Als Künstler, Dramatiker und Autor veröffentlichte er mehrere Texte und Kurzgeschichten in verschiedenen Magazinen wie Gierik & NVT, Belgien oder The Chimurenga Chronic, Südafrika, bevor er 2015 seinen ersten Roman Généalogie d’une banalité (Genealogie einer Banalität) veröffentlichte. 2017, während einer Künstlerresidenz im WIELS, Zentrum für zeitgenössische Kunst, Brüssel, begann Sinzo Aanza mit der Installation Projet d’attentat contre l’image? (Geplantes Attentat gegen das Bild). Er veröffentlichte Theaterstücke, darunter Histoire générale des murs (Allgemeine Geschichte der Mauern) und Le jour du massacre (Der Tag des Massakers), die in Kinshasa aufgeführt wurden.
Jasmina Al-Qaisi ist eine Autorin, die oft in freien, unabhängigen, temporären, mobilen und öffentlichen Radios Wellen schlägt. Manchmal tritt Al-Qaisi in einer anderen Form auf: als wandelnde Wissenschaftlerin, als Vogelbeobachter_innenbeobachterin, als schnelle musikalische Hilfe, als selbstberechtigtes Büro für Selbstberechtigung oder als emotionale Technikerin. Al-Qaisi ist seit 2017 auf vielfältige Weise künstlerisch tätig: Sie entwickelt Konzepte, schreibt, kocht, denkt und spricht über verschiedene Formen des Zusammenseins in anderer Form. Als Kunstschriftstellerin nutzt sie poetische und alternative Formen, um Kritik zu üben und gemeinsam mit anderen Geschichten zu erzählen. Gemeinsam mit dem Künstler Ralf Wendt entwickelte sie diverse Audioaktionen.
Fallonne Mambu (* 1991, Matadi, DR Kongo) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, die Fragen der Weiblichkeit, der Gewalt gegen Frauen und des feministischen Aktivismus thematisiert, indem sie den Körper und dessen Erkenntnisse und Erfahrungen sowie Resilienz und Widerstand in den Mittelpunkt stellt. Mambu studierte an der Académie des Beaux-Arts Kinshasa. Ihre Arbeiten wurden am Institut Français (Kinshasa, 2022; Goma, 2021; Bukavu, 2021); Galerie Saga (Lille, Frankreich, 2021), Musée de l’Échangeur (Kinshasa, DR Kongo, 2019), Exposition Centre Culturel Boboto (Kinshasa, DR Kongo, 2019), Centre Wallonie-Bruxelles (Kinshasa, DR Kongo, 2019) gezeigt. Sie war Artist in Residence im Kin Art Studio (Kinshasa, DR Kongo 2018), beim Festival de la Rue d’Assinie (Assouindé, Elfenbeinküste, 2018) und bei Ndaku Ya La Vie est Belle (2010).
Nada Tshibwabwa (* 1990, Lubumbashi, DR Kongo) ist ein multidisziplinärer Künstler und Musiker. In seiner Praxis beschäftigt er sich mit der Gewalt, die zeitgenössischen Machtverhältnissen innewohnt. Er thematisiert unter anderem wie Umweltfragen mit seiner eigenen Biografie verstrickt sind und versucht, Gegennarrative zu schaffen. Seine musikalische Karriere umfasst Kollaborationen wie das Duo Sinda Nada (2008–), das Kollektiv Timbela Batimbela Yo, Lexxus Legal usw. Während seine Musik immer enger mit den visuellen Künsten verbunden ist, beteiligte er sich am Faire-Part-Projekt (2016), KINACT-Rencontres Internationales des Performeurs (seit 2016), bis er 2020 auf dem Plateau Bateke, außerhalb von Kinshasa, einen Treffpunkt schuf, um Umweltfragen auf kreative Weise anzugehen. Im Jahr 2022 gründete er das Studio Mwano. Er war u.a. an folgenden Ausstellungen beteiligt: Megalopolis: Voices from Kinshasa (2018/19, GRASSI Museum, Leipzig), The Long Term you Cannot Afford. On the Distribution of the Toxic (2019, S A V V Y Contemporary, Berlin), Fulu-Act : Du Mouvement, Naît Le Regard (2021, BOZAR, Brüssel), Müll (2022, Kunstverein Leipzig). Zwischen 2018 und 2022 war Nada Tshibwabwa Teil des Kunstraums Ndaku Ya La Vie Est Belle; 2022 war er Artist in Residence im Musée Royal de l'Afrique Centrale in Tervuren, Belgien.
Ralf Wendt arbeitet in den zeitbasierten und literarischen Künsten an der Dekonstruktion menschlicher sowie tierischer Sprache und hinterfragt die Ordnung der Dinge. Seit Mitte der 1990er-Jahre thematisiert er in Performances, Filmen und Radiokunst eine Poetik der Suprasegmentalia, oft mit der Gruppe Wolf In The Winter. Die Verbindung von Performancekunst mit dem Medium Radio führte Wendt aus den Galerien und Festivals ins freie Radio. Wendt bringt verschiedene künstlerische Ausdrucksformen zusammen, die sich für utopische/dystopische gesellschaftliche Störungen interessieren. Er gibt seine Erfahrungen als Pädagoge in verschiedenen Universitäten, Kunstschulen und Medienbildungszentren weiter.
Elsa Westreicher (* 1989, Kinshasa, DR Kongo) lebt und arbeitet als freie Grafikdesignerin in Berlin und Kinshasa. Sie studierte am Central Saint Martins College of Art and Design und an der New School for Social Research mit einem DAAD-Stipendium. Von 2014 bis 2020 war sie ein aktiver Teil von S A V V Y Contemporary – The Laboratory of Form-Ideas, wo sie eine Designabteilung initiierte und das Projekt Spinning Triangles: Ignition of a School of Design (2019) leitete. 2020/21 erarbeitete sie mit Orakle Ngoy die Projekte SPAM: A Radio Program of Undesired-Desired Messages und Tango: On the (Dis-)Integration of Times. Derzeit vertieft sie ihre Forschung zu Fragen der Kolonialität in Designpraktiken. Außerhalb ihrer forschenden und kuratorischen Arbeit entwickelt sie Kommunikationsstrategien und/oder Erscheinungsbilder; zu den jüngsten Kooperationspartnern gehören das ZKM Karlsruhe (2023), das Berliner Förderprogramm Künstlerische Forschung (2023), das Laboratoire Kontempo (2022), die Bauhaus Kooperation (2020) sowie die Lagos Biennale (2019).
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