EastUnBloc

Sa, 29.11.25 – So, 15.2.26 Typ: Ausstellung Sprachen: Deutsch, Englisch

Ort:

nGbK, Karl-Liebknecht-Str. 11/13, 10178 Berlin

Mit Beiträgen von:

Sarah Alberti, Zemira Alajbegović & Neven Korda, Art Servers Unlimited, Tilman Baumgärtel, Andreas Broeckmann, Radúz Činčera / Alena Činčerová, C.U.K.T., D’epog, Aleksandra Domanović, Eclectic Tech Carnival, Davide Grassi, Marina Gržinić & Aina Šmid, Gusztáv Hámos, Tereza Havlíková, Benjamin Heidersberger, Mike Hentz, Brendan Howell, Infermental, Laibach, Dalibor Martinis, MetaForum, Monoskop, Pneuma Szöv. / TV Free Europe, Pneuma Vizuál, Lucia Repašská, Zbigniew Rybczyński, Sakrowski, Satori, Slovak Game Developers Association / Slovak Design Museum, Igor Štromajer, Szilárd Matusik, Vákuum TV (Dóra Csernatony, Kristóf Forgács, Dániel Garas, Donáta Gajzágó, László Kistamás, Attila Till), Van Gogh TV / Piazza Virtuale, Vašulka Kitchen Brno (Jennifer Helia DeFelice), Sabine Vogel & Mike Steiner, Krzysztof Wodiczko und weiteren mehr

Ausstellungsgestaltung:

Luca Szabados

nGbK-Arbeitsgruppe:

Dušan Barok, Zsuzsa Berecz, Friedemann Bochow, Natalie Gravenor, Sarah Günther

35 Jahre nach Beginn des postsowjetischen Übergangs in Europa werden Bilder des „Ehemaligen Ostens“ häufig noch in Grautönen dargestellt. Erst in jüngerer Zeit beginnt die Forschung zum Kalten Krieg, sich von dem Konstrukt zweier monolithischer, gegensätzlicher Blöcke zu lösen und das Konzept alternativer oder paralleler Modernitäten zu erkunden, statt den früheren Ostblock primär durch Mangel und Rückstand zu definieren. Um diese Bilder farbiger zu machen, Brüche und Durchlässigkeiten des Eisernen Vorhangs zu erforschen und vorgefasste Meinungen aufzubrechen, präsentiert die Gruppenausstellung EastUnBloc subversive und experimentelle Medienkunstwerke und -praktiken von mehr als dreißig Künstler_innen und Kollektiven aus Mittel- und Osteuropa während der sozialistischen Ära und den ersten Jahren der Transformation. Darüber hinaus werden die Produktionskontexte, in denen sie entstanden sind, sichtbar gemacht. Die Arbeiten bilden dabei eine Art „künstlerische Intelligenz“ – als Inspiration und Werkzeugkasten, um auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren.

Die späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre waren in Mittel- und Osteuropa von miteinander verknüpften paradigmatischen Umbrüchen geprägt: dem Zerfall des Staatssozialismus und dem Beginn des digitalen und Internet-Zeitalters. Diese Gleichzeitigkeit brachte eine Vielzahl unterschiedlicher Medienarbeiten hervor. EastUnBloc arbeitet Prinzipien heraus, die den gezeigten Arbeiten und ihren Produktionsprozessen zugrunde liegen: „Skripte“, ein Begriff aus der Computer-Programmierung.

Diese „Skripte“ laden die Besucher_innen ein, sich mit den ausgestellten Arbeiten auseinanderzusetzen und dadurch über deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu reflektieren. „Realität zurechtbiegen (Reality bending)“ umfasst mediale Streiche und andere Hacks. „Die Nähte offenlegen“ macht die Funktionsweisen von Medien sichtbar. „Selber Medien machen“ zeigt Ermächtigung durch autonome Medienproduktion, Gegenöffentlichkeit und Interaktivität. „Aus Scheiße Schokolade machen“ bedeutet, begrenzte Ressourcen für maximale Wirkung zu nutzen. „Bring Freund_innen mit bezieht sich auf Werke, die Gemeinschaften schaffen oder gemeinschaftliche Aktivitäten dokumentieren, und „Raum in der Zeit“ meint Arbeiten, die über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg verbinden.

Die gezeigten Arbeiten, die Experimentalfilm, Videokunst, TV-Übertragungsexperimente, Netzkunst, Computerspiele und Installationen umfassen, werden nicht hierarchisch geordnet – weder chronologisch noch geografisch. Vielmehr laden die „Skripte“ dazu ein, die Werke in selbstbestimmter Reihenfolge zu entdecken. Es werden Vintage-Reproduktionstechnologien und veraltete Speichermedien eingesetzt. Ein Medienlabor ermöglicht es Besucher_innen, eigene Medieninterventionen in die Ausstellung einzubringen, indem sie die „Skripte“ anwenden.

Eine Kooperation mit der Wiki-basierten Online-Kunstbibliothek Monoskop stellt detailliertere Texte zu den Werken, den Schaffenden, den behandelten Themen, Städten und Herkunftsländern sowie historischen Zeitlinien bereit. Die Ausstellung wird von Diskussionen, Screenings, Workshops und Performances begleitet. EastUnBloc knüpft an frühere nGbK-Projekte wie „hybrid video tracks“ (2001) und „Left Performance Histories“ (2018) an.

Hier geht es zum Audio-Guide von EastUnBloc.

Arbeitsgruppe EastUnBloc

Gefördert vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, unterstützt vom slowenischen Kulturinstitut

PROGRAMM


Eröffnung
Fr, 28.11.25, 18:00 Uhr

EastUnBloc feiert Eröffnung: Es gibt Musik vor Ort und einen Eröffnungs-Act mit Livestream von Pneuma Szöv. (Budapest/Berlin), mit dem Ehrengast Kristóf Forgács der ungarischen Künstlergruppe Vákuum TV.
Bringt Hausschuhe mit und macht es euch im Fernsehraum gemütlich.

„Bring a Friend“ – Early Night Show
Sa, 29.11.25, 19:00–20:30 Uhr

TV Free Europe präsentiert: Eine Performance und Zeitreise-Talkshow von Pneuma Szöv. (Budapest/Berlin) und Gästen: Gusztáv Hámos, Mike Hentz und Benjamin Heidersberger. Live in und aus der nGbK!

„Bringt eure Freund*innen und Hausschuhe mit! Gute Laune ist nicht verpflichtend.“
— Marie Grau, 1989

Mari Szürke aus Budapest und ihre Freundin Marie Grau aus der DDR reisen direkt aus dem Jahr 1989 mit ihrer Gorenje-Zeitmaschine in die nGbK des Jahres 2025. Es ist ein freudiges Wiedersehen zweier Freundinnen, die endlich in die zukünftige Kunstwelt eintreten können. Sie bringen weitere Zeitreisende von Infermental und Van Gogh TV mit, um zu sehen, was sich seit damals verändert hat.
Eine retro-futuristische Early-Night-Show des tragikomischen Duos Mari & Marie von TV Free Europe.

„Hoffentlich funktioniert unsere Artistic Intelligence oder wenigstens unsere Amateur Intelligence (A.I.) im Berlin von 2025.“
— Szürke Mari, 1989

Gusztáv Hámos emigierte 1979 aus Ungarn nach Westberlin, wo er die Berliner Videokunstszene maßgeblich prägte. 1981 co-produzierte er die erste Infermental-Ausgabe. Mit seinem Videoessay „1989. Die Revolution im Fernsehen“ wurde ihm bewusst, das das erste Videoperiodikum die letzte Dekade des Kalten Krieges intermedial dokumentiert hatte. 

Benjamin Heidersberger (*1957 in Braunschweig) ist Medienkünstler, Publizist, Unternehmer und Kulturmanager. Bei Van Gogh TV war er als Teil eines grösseren Kollektives für Konzept, Technik und Interaktionsmodelle verantwortlich. Heute betreut er das Lebenswerk seines Vaters, des Fotografen Heinrich Heidersberger, und arbeitet an der algorithmischen Klavierkomposition Pentatonic Permutations.

Mike Hentz (*1954 in New Jersey) ist Polymediakünstler und amerikanischer Europäer. 1988 realisierte Hentz eine Ausgabe des Videokunst-Magazins Infermental. Er verwirklichte in den 1990er Jahren mit Van Gogh TV das Projekt „Piazza Virtuale“ und mit „Universcity TV“ zahlreiche interaktive Fernsehveranstaltungen via Kabel oder Satellit.

Pneuma Szöv. ist ein in Budapest/Berlin ansässiges künstlerisches Netzwerk-Kollektiv, das seit 2008 die Zwischenräume von Spielen, Leben, Politisieren, Sozialisieren, Scheitern und Lernen erforscht. Von 2019 bis 2021 widmeten sie sich in ihrem Projekt TV Free Europe der Erforschung von Tele-Theater-Visionen zwischen Performance und Fernsehen.

Von & mit: Mitgliedern von Pneuma Szöv.: Csilla File, Luca Szabados, Réka Pável (Gast), Sarah Günther, Viktor Markos (Pneuma Vizuál), Zsuzsa Berecz


Entropy Coding
Experimente mit Video und Permacomputing
Di, 2.12.25, 14:00–18:00 Uhr

Workshop mit Brendan Howell (Künstler und unwilliger Ingenieur, wintermute.org und permacomputing.net)

In diesem praxisorientierten Workshop experimentieren die Teilnehmer_innen mit veralteten und Low-Fi-Digitalkameras als Werkzeuge für neue Ästhetiken und Erzählungen.

Geleitet von einem Permacomputing-Ansatz, der darauf abzielt, die Lebensdauer und das Ausdruckspotenzial bestehender Geräte zu verlängern, anstatt sie zu entsorgen, behandelt der Workshop diese als materielle Ausgangspunkte. Die Teilnehmer_innen werden auch untersuchen, wie Einschränkungen (niedrige Auflösung, eingeschränkte Funktionalität, analog-digitale Eigenheiten) produktiv gemacht werden können. Der Workshop soll dabei nicht nur eine technische Übung sein, sondern eine Gelegenheit, über die Materialität der Informatik nachzudenken – welche Technologie wir verwenden, warum und wie wir sie im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Kreativität und alternative Erzählungen neu denken könnten.


Net Art
Gallery Surfing Session
Do, 11.12.25, 19:00 Uhr

Kurator Sakrowski and Künstler Igor Štromajer browsen und besprechen „Net Art“-Aktivitäten im Netz. Live in der nGbK und online.

Igor Štromajer, intima.org, elektrischer Para-Künstler – „le Pavarotti du HTML“ (Libération) – erforscht taktische a=tF², intime Guerilla-Strategien und traumatische Low-Tech-Kommunikationsformen. Seine Arbeiten wurden in über 250 Ausstellungen in mehr als 60 Ländern gezeigt, darunter transmediale, ISEA, EMAF, SIGGRAPH, Ars Electronica Futurelab, V2_, IMPAKT, CYNETART, Manifesta, die U3 Triennale, FILE, der Stuttgarter Filmwinter, das Banff Centre und viele mehr. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und seine Werke sind Teil der permanenten Sammlungen verschiedener Kunstinstitutionen, darunter Le Centre national d’art et de Culture Georges Pompidou – Musée national d’art moderne, Paris, Frankreich; Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid, Spanien; Computerfinearts – net and media art collection, New York, USA; und UGM – Maribor Kunstgalerie, Maribor, Slowenien.

Sakrowski hat einen Master in Kunstgeschichte und arbeitet als freier Kurator in Berlin. Von 1999 bis 2003 kuratierte und organisierte er Ausstellungen und Vorträge zur Net Art im Rahmen des Projekts netart-datenbank.org. Seit 2007 beschäftigt er sich unter dem Namen CuratingYouTube.net intensiv mit Webvideo-Phänomenen und hat 2012 mit gridr.org ein eigens dafür konzipiertes Online-Tool ins Leben gerufen. In den Jahren 2014/15 arbeitete er als Kurator für das transmediale Festival unter dem Thema „capture all“. Seit Oktober 2016 leitet und kuratiert er die panke.gallery. Er ist Gründungsmitglied (2019) des Zentrums für Net Art. Im Jahr 2021 entwickelte er die offene Webplattform openAR, die webbasierte Augmented-Reality-Objekte präsentiert und kuratiert.


Chaos Communication Congress
XLterrestrial Remote Viewing Station
Sa, 27.12. – So, 28.12.25, 11:00–22:00 Uhr

Die XLterrestrial Remote Viewing Station überträgt den Chaos Communication Congress in Hamburg als Livestream im Rahmen der Ausstellung „EastUnBloc“ in der nGbK.
Der CCC ist eines der wichtigsten Treffen von Hacker_innen, Aktivist_innen, Künstler_innen und Denker_innen des digitalen Zeitalters.
XLterrestrials sind eine Kunst- und Praxis-Gruppe, die als kollektive Identität arbeitet. XLterrestrial-Moderator_innen werden ein wenig Analyse und Diskussion zu den CCC-Beiträgen liefern.
Die Veranstaltung führt auch Nicht-Technikspezialisten in Netzpolitik-Themen und -Debatten ein, denn heutzutage sind wir alle stark von den massiven sozialen Auswirkungen der Technologie und der digitalen Kultur betroffen. Und die breite Öffentlichkeit sollte daran beteiligt sein, zu verstehen und zu entscheiden, wie all diese Technologien unser Leben, unsere sozialen Infrastrukturen und unsere Umwelt jetzt und in Zukunft prägen werden.
Der Chaos Communication Congress, der 1984 vom Chaos Computer Club ins Leben gerufen wurde, findet 2025 zum 39. Mal statt.

Weitere Informationen findet Ihr hier.


Netzwerke der Netzkunst – Syndicate und Deep Europe
Di, 13.1.26, 19:00 Uhr

Mit Tereza Havlíková (netzkunst.berlin) und Andreas Broeckmann (Kurator und Wissenschaftler)

Mailinglisten spielten in den 1990er Jahren eine wichtige Rolle in der Netzkunst. Sie dienten dazu, offene Ausschreibungen zu veröffentlichen, Veranstaltungen zu organisieren und Kunstnachrichten zu verbreiten. Sie waren aber auch öffentliche Räume zur Förderung von Verbindungen und zum Aufbau eines Diskurses über Medienkunst. Die Mailingliste Syndicate wurde 1996 als „Ost-West-Netzwerk“ ins Leben gerufen, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erforschen und sich ausdrücklich an Künstler_innen im neu „wiederverbundenen“ Osteuropa zu wenden. Die Mitglieder der Mailingliste sahen sich als Teil translokaler Beziehungen und einer größeren Gemeinschaft.

Netzkunst ist vom Geschichtenerzählen geprägt. Daher hat Tereza Havlíková Andreas Broeckmann, einen der Initiatoren und Administratoren der Syndicate-Mailingliste, eingeladen, die Geschichten dieses besonderen Netzwerks zu erzählen. Gemeinsam erörtern sie den Begriff „Deep Europe“, der mit dem Syndicate-Netzwerk in Verbindung gebracht wurde und eine europäische Identität förderte, die über nationale Grenzen hinausging und „in einen komplexen ‚Filz‘ von Schichten verstrickt war“. Durch die Erkundung des Syndicate-Archivs und die Betrachtung von Netzkunstwerken, die in unmittelbarer Nähe zu diesem Kunst- und Kulturnetzwerk entstanden sind, wird der Geist eingefangen, der die Netzkünstler_innen in Europa Mitte der 1990er Jahre antrieb, einer Zeit des politischen und technologischen Übergangs.

Andreas Broeckmann ist Kunsthistoriker und Kurator und lebt in Berlin. Er ist Gastprofessor im PhD-Programm der Malmö Art Academy und lehrt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig, wo er eine Honorarprofessur innehat. Er war Mitglied des Berliner Medienvereins mikro. 1996 initiierte er zusammen mit Inke Arns und anderen die Mailingliste Syndicate, die als Ost-West-Netzwerk für Künstler_innen, Aktivist_innen und Journalist_innen gedacht war, die in und mit neuen Medien arbeiten.

Tereza Havlíková ist Kunsthistorikerin und Kuratorin und lebt in Berlin und Bochum. Ihre Forschung konzentriert sich auf Netzkunst und digitale Kunst im breiteren Kontext der Internetgeschichte und -kultur. Sie ist Gründungsmitglied der Initiative Zentrum für Netzkunst (ZfN) in Berlin, die frühe Netzkunst rekonstruiert, archiviert und präsentiert, mit besonderem Fokus auf die Berliner Szene. Seit 2024 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum mit dem Schwerpunkt Neue Medienkunst. Derzeit arbeitet sie an ihrer Dissertation über die Lokalitäten der Netzkunst.


Bye Bye My Eye: Standby. Roger. Ende.
Mi, 28.1.26, 19:00 Uhr

SONATE FÜR RADIOSENDER. ODE AN DIE KOMMUNIKATION.
Live cinema. Live performance. (c) D’epog.

Eine Videosonde ins Logbuch einer Raumfahrtcrew. Ihre Mission: das All zu erkunden. Stattdessen explodiert es. Eine Meditation über Entdeckung, Einfallsreichtum, Unterwerfung, Kommunikation und Kolonialisierung. Ein Blick in die Black Box eines schiffbrüchigen Gefährts, das ins Bekannte gesegelt ist. Berlin, you have a problem.

Ein audiovisuelles Event zwischen Live Cinema und Performance. Das Format entfaltet sich innerhalb einer Kinosituation und erkundet die Prinzipien von Zufall, Nicht-Wiederholbarkeit und radikaler Expressivität.

Dieses Projekt geht aus einer langfristigen Kollaboration zwischen dem D’epog Kollektiv und Marie und Petr Šprincl hervor — das künstlerische Duo arbeitet unter dem Label Flesh&Brain, bekannt für Experimentalfilmprojekte wie Moravia, Beautiful Land, Satan Kingdom Babylon, Vienna Calling u.a.. Das Sound Design verantwortet der in Prag lebende Produzent, DJ und Komponist Mojmír Měchura — Mitglied des Wrong Kollektivs und Autor zahlreicher Musikkompositionen für Film und Theater.

Die Performance ist eine Intervention zur Ausstellung EastUnBloc in der nGbK in Berlin. Das Format reflektiert den Rahmen der Ausstellung und legt einen thematischen Fokus auf die subversive Medialität sozialistischer Topografien im Ostblock und das Spannungsfeld zwischen freier und zensierter Kommunikation als Metapher für die Trennlinie des Eisernen Vorhangs.  

D’epog (www.depog.com) ist eine Plattform für zeitgenössische Performancekunst. Sie wurde initiiert von einer Künstler_innengruppe, die seit 2010 in ihrer lokalen Szene in Brno aktiv ist. Innerhalb dieser langfristiger Aktivität widmet sich D’epog der Erschaffung regelmäßiger Produktionen, einmaliger Performances, grenzüberschreitender Kunstprojekte und Bildungsaktivitäten, z.B. praktische und spezialisierte Workshops.


In Medias Rest

Do, 29.1.26, 15:00–19:00 Uhr

Ansätze für den Zugang zu Archiven und deren Aktivierung: Vermittlung, Rechte und technische Fragen

Teil 1 – Räume der (informellen) Bildung, Sichtbarkeit marginalisierter Gemeinschaften und künstlerische Forschung

Diese Sitzung präsentiert Initiativen, die experimentelle, subversive und „marginalisierte” audiovisuelle Praktiken der Vergangenheit sichtbar und zugänglich machen und gleichzeitig neue Zielgruppen ansprechen oder künstlerisches Schaffen inspirieren.

Sinema Transtopia (Berlin) vom Kollektiv bi’bak (Gast: künstlerische Co-Direktorin Malve Lippmann) definiert das Kino neu als transnationalen Raum für sozialen Diskurs, Austausch und Solidarität. „Please Rewind”, ein frühes Projekt, untersuchte die deutsch-türkische Film- und Videokultur in Berlin und ihre Rolle bei der Herausbildung diasporischer, postmigrantischer Identitäten. In Workshops und Symposien untersucht Sinema Transtopia transnationale Archivierungspolitik aus der Perspektive des Postkolonialismus und wie Archivierung migrantische und marginalisierte Sichtweisen (wie feministische oder queere) einbeziehen kann. Sinema bietet auch eine Vielzahl von Bildungsaktivitäten für Schulkinder, Studierende und Erwachsene an und hat ein Fellowship für Filmvermittler_innen mit diversen Hintergründen ins Leben gerufen.

Ausgehend von der Sammlung der wegweisenden Videokünstler Steina & Woody Vasulka widmet sich Vašulka Kitchen Brno (Gast: Jennifer Helia DeFelice) der Präsentation (neuer) Medienkunst. VKB hat Bildungsprogramme für Kinder und Familien, Kindergärten und Schulen, Universitäten und Erwachsene entwickelt, die Medienkompetenz und eigene kreative Gestaltung unter Verwendung aktueller und historischer Technologien fördern. Vašulka Kitchen Brno unterstützt auch wissenschaftliche und künstlerische Forschung sowie die Schaffung neuer Medienkunstwerke mit einem Residenzprogramm.

Das Performance-Kollektiv D’epog (Brünn) ist eine Plattform für zeitgenössische experimentelle Bühnenarbeit. Die Aktivitäten des Ensembles haben Laborcharakter und ihre Arbeit überschreitet oft künstlerische Disziplinen. Ihre Intervention BYE BYE MY EYE: Confirmed. Understood. Over and out, eine Neuproduktion für die Ausstellung EastUnBloc, wurde in Zusammenarbeit mit den experimentellen Filmemacher_innen Marie und Petr Šprincl und dem Sounddesigner, Produzenten, DJ und Komponisten Mojmír Měchura entwickelt. Lucia Repašská von D’epog wird darüber sprechen, wie dieses Live-Cinema-Erlebnis die Prinzipien des Zufalls, der Unwiederholbarkeit und der radikalen Ausdruckskraft mit retrofuturistischen und medienarchäologischen Elementen erforscht.

Flóra Barkóczi (Mitteleuropäisches Forschungsinstitut für Kunstgeschichte) untersucht die MetaForum-Konferenzen in Budapest (1994–1996, 2024) als einen wichtigen Ort des Kulturtransfers im postsozialistischen Kontext, an dem aufkommende digitale Technologien und Medientheorie auf lokale künstlerische Praktiken trafen. Sie wird der Frage nachgehen, inwieweit MetaForum einen sinnvollen Wissensaustausch ermöglichte und ob es gelang, regionale Stimmen in den internationalen Diskurs zu integrieren.

Teil 2 – Nachhaltiger Zugang zu Medienkunst in physischen und Online-Archiven: Technische und rechtliche Herausforderungen

Über 30 Jahre alte Bewegtbildwerke wurden von Film auf Band übertragen und dann als verschiedene Formate digitalisiert: DVD, mp4 und DCP. Die Konservierung interaktiver digitaler, browserbasierter Werke war schwieriger, da die Übertragung und Migration von Code komplexer ist als die Digitalisierung von Film oder Video. Darüber hinaus haben das Verschwinden von Online-Plattformen und befristete Server-Hosting-Verträge dazu geführt, dass einige Netzkunstwerke im Bereich 404 gestrandet sind, es sei denn, die Wayback Machine oder Initiativen wie Rhizome haben zumindest einige Screenshots, wenn nicht sogar die volle Funktionalität, bewahrt. Ein weitere Herausforderung ist das Urheberrecht.

Paul Klimpel von der NGO für digitale Rechte iRights.info gibt einen Überblick über Rechtsmodelle . Wie können die Rechteansprüche von Künstler_innen, Nachlässen, Galerien, kommerziellen und nicht-kommerziellen Vertreiber_innen, Sammlungen usw. entwirrt werden, damit Werke vor Ort und auch online nachhaltig zugänglich sind? Welche Lösungen könnten Copyleft-Modelle wie Creative Commons oder CC2r bieten?

Als Fallstudie diskutiert Jennifer Helia DeFelice von Vašulka Kitchen Brno die Präsentation von Steina Vašulkas sich weiterentwickelndem und mehrfach iteriertem Werk Violin Power innerhalb eines Rechtsrahmens, der für statisches geistiges Eigentum konzipiert wurde.

Lukas Fuchsgruber stellt Art Doc Archive vor, einen Prototyp für die dezentrale Selbstdokumentation der Berliner Kulturszene, der sich mit den weitgehend unarchivierten Spuren befasst, die Künstler_innen und Kulturschaffende seit den 1990er Jahren im Internet hinterlassen haben. Das Projekt wurde 2022/23 mit Unterstützung des Berliner Senats entwickelt und verbindet Webarchivierung, Datenanalyse und Visualisierung, um neue Wege zur kollektiven Bewahrung und Rückgewinnung des kulturellen Gedächtnisses zu erkunden.

Last Night a DJ Saved My Life
Fr, 13.2.26, 18:00–22:00 Uhr

Clubkultur, elektronische Musik, Intermedia in Mittel- und Osteuropa
Schaffung von Räumen der Selbstermächtigung und des Widerstands
Mit Marina Gržinić, Elisa (Elizen the Emperor) und Bass Resistance: Ann Mysochka & Habitat Shaking aka Roman Selezinka

Clubkultur schafft sichere Räume für queere Sexualität, fördert multimediale Experimente mit Musik, Videokunst und Performance und kann damals wie heute als Labor für neue soziale Ideen dienen. Die Punk- und New-Wave-Szene im Ljubljana der 1980er Jahre war ein inspirierendes Beispiel dafür. Und bis heute tanzen Party-Kollektive in der Ukraine, Georgien und Ostdeutschland im Widerstand gegen Autoritarismus in ihren jeweiligen Kontexten und pflegen gleichzeitig Diaspora-Gemeinschaften im Ausland. Die slowenische Videokünstlerin und Philosophin Marina Gržinić wirft einen neuen Blick auf die Ljubljana-Szene der 1980er Jahre und stellt ihre heutige Relevanz in den Vordergrund. Das in Berlin ansässige Bass Resistance ist ein ukrainisches DJ-Kollektiv „mit einer Mission“, das sich gegen Krieg und Unterdrückung einsetzt. Das Party-Kollektiv Never//Now bietet lokalen Jugendlichen eine emanzipatorische Subkultur und unterstützt Initiativen zum Aufbau der Demokratie in Brandenburg, wo die staatlichen Mittel für solche Projekte immer knapper werden. Filmvorführung und DJ-Sets runden das Programm ab.

Marina Gržinić hat in Philosophie promoviert und arbeitet als leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie des Wissenschaftlichen Forschungszentrums der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste (ZRC SAZU) in Ljubljana. Außerdem ist sie als freiberufliche Medientheoretikerin, Kunstkritikerin und Kuratorin tätig. Gržinić ist Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Sie hat Hunderte von Artikeln und Essays sowie zahlreiche Bücher veröffentlicht. Seit 1982 arbeitet Gržinić gemeinsam mit Aina Šmid im Bereich Video. Sie haben an mehr als 40 Videokunstprojekten mitgewirkt, einen 16-mm-Kurzfilm gedreht und zahlreiche Video- und Medieninstallationen geschaffen; eigenständig haben sie mehrere Videodokumentationen und Fernsehproduktionen realisiert. 1997 schufen sie eine interaktive CD-ROM für das ZKM in Karlsruhe. Gržinić und Šmid präsentierten und stellten ihre Videoarbeiten und Videoinstallationen auf mehr als 100 Videofestivals weltweit aus und erhielten mehrere wichtige Auszeichnungen für ihre Videoproduktionen.

Marina Gržinić ist Kuratorin der Ausstellungen Slovenian Punk & Photography (5. 12. 2023 – 11. 2. 2024, Galerija CD, Ljubljana); Punk. Subkultur. Sozialismus. Archive der Zukunft. Fotografie aus Slowenien. (27. 4. 2024–26. 5. 2024, A.K.T; Pforzheim, Deutschland und 03. 08. 2024–28. 09. 2024, Pavelhaus, Laafeld, Österreich). Darüber hinaus hat sie Film- und Videokunstprogramme kuratiert, darunter das wegweisende Sonderprogramm Sex, Rock ‚n‘ Roll and History – (Video-)Filme aus Osteuropa 1950-2000 für die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen (2000).

Das Video „Transcentrala“ von Gržinić & Šmid ist in der Ausstellung zu sehen.

Elisa Georgi ist Kulturvermittlerin, politische Kommunikatorin und Stimme der Berliner Clubkultur. Mit einem akademischen Hintergrund in Philosophie, Soziologie, Kulturwissenschaft und Semiotik verbindet sie theoretische Analyse mit gelebter Praxis – insbesondere dort, wo Kultur auf gesellschaftliche Konfliktlinien trifft. Am Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U Berlin) arbeitet sie an der Schnittstelle von Kunst, Stadtgesellschaft und politischer Kommunikation. Dort gestaltet sie partizipative Prozesse und kulturelle Formate, die urbane Räume als Orte demokratischer Aushandlung verstehen. Ihr Engagement speist sich auch aus ostdeutschen Erfahrungsräumen – aus dem Wissen um strukturelle Brüche, Transformationsgeschichten und die Notwendigkeit solidarischer Gegenentwürfe.

Als Elizen the Emperor ist DJ, Produzentin und Kuratorin. Ihre Sets bewegen sich selbstbewusst durch die Zwischenräume elektronischer Musik – von left-field Groove über House und Disco bis hin zu organischem Techno. Mal zart, mal roh, immer verbindend. Ihre Dramaturgie folgt keinem Dogma, sondern einer politischen und emotionalen Intuition: Tanzfläche als kollektiver Erfahrungsraum.Als Gründungsmitglied und Bookerin des Kollektivs NEVER//NOW verbindet sie Clubkultur explizit mit antifaschistischer Praxis. Das Kollektiv versteht Partys als politische Räume – organisiert auf freiwilliger Basis, getragen von Solidarität und klar positioniert gegen autoritäre Tendenzen. Hier wird Tanz zum Widerstand, Gemeinschaft zum sicheren Raum und Musik zu einer Form der sozialen Intervention. Für Elisa Georgi ist Clubkultur keine Flucht aus der Realität. Sie ist eine Alternative – eine lebendige, solidarische Praxis, die Bewegung erzeugt: auf der Tanzfläche und darüber hinaus.

Bass Resistance:

Ann Mysochka, geboren in Charkiw, Ukraine, und tätig in Kiew, ist DJ und Collagekünstlerin. Ihre Sets sind eine Hommage an die Tanzmusik mit mitreißenden Vocals, verschobenen Rhythmen und schweren Basslines, die musikalische Genregrenzen überschreiten. Ihre Leidenschaft für Musik begann im Alter von 19 Jahren, als sie das DJing für sich entdeckte. Obwohl ihre Sets sehr vielfältig sind, fühlt sie sich den Genres Afro House, Deep House, Tribal House und French Touch besonders verbunden. Oft kombiniert sie diese mit ethnischen Motiven in Form von Gesang, Percussion und traditionellen Instrumenten. Darüber hinaus erkundet sie neue Genres und deren Kombinationen, wie Dark Italo Disco, Tech House und Detroit Techno. Als Collagekünstlerin fertigt sie analoge Collagen mit Schere und Kleber aus alten Zeitschriften an. Seit Juni 2022 ist sie Mitglied der Agentur für Künstler im Exil und trat als DJ bei der Party im Exil im Mucem und während der Visions d’exil 2022 auf. Sie ist Residentin bei LYL Radio und 20ft Radio und Mitglied von Bass Resistance.

Roman Selezinka alias Habitat Shaking ist ein in der Ukraine (Kolomyja in der Westukraine) geborener DJ, Radiomacher und Kulturmanager. Seit 2016 kuratiert er in Berlin Veranstaltungen für elektronische Musik mit Schwerpunkt auf Fundraising und Bewusstseinsbildung. Roman ist Mitbegründer der Veranstaltungsreihe „Chain Reaction”, des Künstlerkollektivs „Bass Resistance” und des Festivals „Ukrainian Sound Garden”. Sein DJ-Pseudonym Habitat Shaking steht für einen frischen und modernen Sound, der die Menschen zum Tanzen bringt und zum Staunen anregt. Seine Sets bestehen meist aus frischen Tracks voller Energie und raffiniertem Sounddesign, die die Stimmung von housigen Discotheques und basslastigen Raves ergänzen. Habitat Shaking ist bekannt für seine herausragende Musikauswahl für jeden DJ-Slot und seine besonderen Closing-Sets, die ein euphorisches Tanzerlebnis zum Abschluss bieten.

Unterstützt vom slowenischen Kulturinstitut

Visitors, Makers & Curators Together in Space and Time
Sa, 14.2.26, 15:00–17:00 Uhr

Workshops, Sondervorführungen und Gespräche über die und mit den Exponaten.

Special Guest: Benjamin Heidersberger (Van Gogh TV) mit einer Einführung in die Piazza Virtuale.

15.00–17:00 Uhr
Die Ausstellung mit vertieftem Einblick besuchen:
Mini-Workshops, Sondervorführungen, erweiterte Greenbox-Aufnahmen sowie Gespräche über und mit den Exponaten und den Kurator_innen.

16:00–17:00 Uhr
Kommentierte gemeinsame Betrachtung zu Piazza Virtuale
Special Guest: Benjamin Heidersberger (Van Gogh TV)

Van Gogh TV – Piazza virtuale.
Kommentierte gemeinsame Betrachtung des 30-minütigen Filmes „The documentation“ von 1993. Einführung in Hintergrund und Technik des komplexen Projektes zwischen Analog und Digital. Fragen und Antworten von und mit Benjamin Heidersberger.

Benjamin Heidersberger (*1957 in Braunschweig) ist Medienkünstler, Publizist, Unternehmer und Kulturmanager. Bei Van Gogh TV war er als Teil eines größeren Kollektives für Konzept, Technik und Interaktions-Modelle verantwortlich. Heute betreut er das Lebenswerk seines Vaters, des Fotografen Heinrich Heidersberger, und arbeitet an der algorithmischen Klavierkomposition Pentatonic Permutations.


EastUnBlocked – Transmission Sign Off
Sa, 14.2.26, 18:00–22:00 Uhr

Finissage mit Screenings (Best of Greenbox-Videos der Besucher_innen und Lenin-Modell-Projektionen), Open Stage, DJ Sets, Livemusik, Cocktail Bar

Mit Janine Sack und Cornelia Sollfrank, neonnutria, DJ Podinski (XLterrestrials) und vielen mehr

ab 18:00 Uhr
East Playlist & Best-of Greenbox
Neun Wochen lang konnten Besucher*innen der Ausstellung in der Greenbox durch Zeit und Raum reisen und sich selbst aufnehmen. Heute Abend werden sie Teil der Ausstellung und während der Finissage projiziert. EastPlaylist mit DJ Nat.

19:00–19:30 Uhr
frauen·und·technik: Penisneidspiele
Zwei ehemalige Mitglieder der Hamburger Künstlerinnengruppe frauen·und·technik geben Einblick in die Welt der „Penisneidspiele“, eines interaktiven TV-Formats von Piazzetta Hamburg, das zwanzig Episoden zu Piazza Virtuale beigesteuert hat. Mit Janine Sack und Cornelia Sollfrank.

Janine Sack arbeitet als Verlegerin, Art-Direktorin und Dozentin in Berlin. Sie betreibt EECLECTIC, ein Verlagsprojekt für digitale Publikationen im Bereich visueller Kultur. Mitbegründerin der feministischen Künstlerinnengruppen frauen·und·technik und -Innen. Sie ist Teil des technofeministischen Netzwerks #PurpleNoise. Seit 2017 freie Art-Direktorin für taz, die tageszeitung.

Cornelia Sollfrank (Dr.) ist Künstlerin, Forscherin und Autorin in Berlin. Seit Mitte der 1990er Jahre verbindet sie künstlerische, aktivistische und wissenschaftliche Methoden zur Entwicklung von Projekten im Bereich Technofeminismus und geistiges Eigentum.
https://artwarez.org

ca. 19:45 Uhr
Live-Musik mit der Neonnutria Tribute Band (Budapest/Berlin) in der Greenbox
Viva Tosca! – Aus den dunklen autonomen Kellern Budapests in die nGbK. Die grenzüberschreitende therapeutische Berlin-Budapest-Band (Motto: Proben ist für Feiglinge) spielt einige ihrer Kernstücke mit Live-Projektionen in der Greenbox.

ca. 20:30 Uhr
DJ Podinski (XLterrestrials)
Party

Dokumente