Künstler:innenstipendium Istanbul-Berlin
Seit 2018 werden jährlich zwei Stipendien an in Istanbul lebende Künstler:innen vergeben. Das Stipendienprogramm der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert den kulturellen Austausch und unterstützt die künstlerische Entwicklung professioneller Künstler:innen als Bestandteil der aktiven Städtepartnerschaften zwischen Berlin und Istanbul und zur Stärkung der Verbindungen zur aktuellen türkischen Kunstszene. Das bereits bestehende Istanbul-Stipendium der damaligen Senatsverwaltung für Kultur und Europa wurde 2018 auf Initiative der nGbK zu einem echten Austausch erweitert, indem jährlich zwei Künstler:innen aus Istanbul von einer Jury ausgewählt und nach Berlin entsandt werden und umgekehrt. Es folgt der Überzeugung, dass internationaler Austausch und unmittelbare Kommunikation kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebbar werden lassen und zum kritischen Perspektivenwechsel einladen.
İhsan Oturmak
15. Juli – 15. Dezember 2026
Während seines Aufenthalts in Berlin setzt sich İhsan Oturmak mit der Beziehung zwischen Raum und kollektivem Gedächtnis auseinander. Durch Beobachtungsskizzen, Fotografien und Videos zu den Themen Zugehörigkeit, Migration und Staat entsteht eine konzeptuelle Bildsprache. Im Mittelpunkt von Oturmaks Malereien, Videos und Skulpturen stehen Machtverhältnisse und die unsichtbaren Strukturen des Alltags. Er positioniert Figuren und Objekte in spannungsreichen Beziehungen zum Raum und offenbart so die Fragilität von Zugehörigkeit, Besitz und Migration. Alltagsgegenstände und architektonische Details vermitteln die unsichtbaren Grenzen sozialer Strukturen.
İhsan Oturmak hat seine künstlerischen Arbeiten in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Biennalen präsentiert, darunter „Painting Today“ bei Yapı Kredi Kültür Sanat Yayıncılık in Istanbul, die 8. Çanakkale-Biennale, die Mardin-Biennale sowie die Ausstellungen „Four Positions in Painting“ in der Galerie Peter Kilchmann in Zürich, „Don’t Look Back, Deep is the Past“ im Odunpazarı Modern Müze (OMM) sowie „Curating War“ im Kunstraum Innsbruck.
Rozelin Akgün
15. Januar – 15. Juni 2027
Die gelernte Landschaftsarchitektin Rozelin Akgün begreift in ihrer Arbeit die Landschaft als einen Ort, an dem sich ökologische Prozesse, politische Eingriffe und sozialer Alltag überschneiden. Durch künstlerische Feldforschung und materielle Experimente untersucht sie, wie Veränderungen der Umwelt bei gleichzeitiger Kontrolle von Infrastrukturen sowohl physische als auch psychologische Spuren hinterlassen. In ihren Arbeiten dienen organische Oberflächen als Träger von Zeit und Verletzlichkeit, wodurch die Transformation selbst Teil des Werkes wird. In Berlin wird Akgün ihre laufende Forschungsarbeit „Haunted Landscapes“ fortsetzen, in der sie untersucht, wie Gewalt gegen Kurd:innen in Landschaften fortlebt. Im Dialog mit der Stadt entwickelt sich das Projekt inhaltlich wie materiell weiter.
Rozelin Akgüns Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen und unabhängigen Kunsträumen ausgestellt, zuletzt bei <rotor> in Graz und Yapı Kredi Kültür Sanat Yayıncılık Istanbul. Sie ist Preisträgerin des Prince Claus Fund Seed Award und wurde vom SaDe – İKSV Artist Support Fund gefördert.
Das Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt wird im Rahmen einer Kooperation zwischen der neuen Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin sowie dem DEPO in Istanbul ermöglicht.