neue Gesellschaft
für bildende Kunst

nGbK-Vermittlungsstipendium 2021, Melanie Erzuah

Von Diskriminierung betroffene Menschen sind stets mit Projektionen auf ihre Körper durch die Dominanzgesellschaft konfrontiert. Die eigene Handlungsfähigkeit zu entfalten und positive Selbstbezüge zu entwickeln ist in einer Gesellschaft, die auf Diskriminierung basiert besonders schwer. In dekolonialen emanzipatorischen Praxen und Bewegungen werden die (Wieder-)Zusammenführung von Körper und Geist angestrebt. Musik kann ein Mittel sein, um sich Kraft wieder anzueignen. Sie war schon immer Teil von politischen Bewegungen und Widerstand. Zum Beispiel auf Demonstrationen durch das Rufen von Demosprüchen, Live Auftritte oder Begleitung durch Musik. Sie sind Teil der Verkörperung politischer Ziele und Inhalte und schaffen Verbundenheit.

Melanie Erzuah nutzt insbesondere chorisches Singen als Möglichkeit, Freiheit und Verbundenheit körperlich spürbar zu machen. Dies basiert auf Übungen, um Personen zu unterstützen, Vertrauen in den eigenen Körper und Wahrnehmung zu gewinnen und die Stimme zu erheben. Im aktuellen Vermittlungsstipendium sollen in zwei Erfahrungsräumen Öffnung und Emanzipation im Mittelpunkt stehen, um Teilnehmer_innen positive Bezüge zum eigenen Körper und eine Verbindung der eigenen Stimme und deren Verkörperung erfahren zu lassen.

1) Individualität und Kollektivität in politischem Widerstand

2) Öffnung für individuelle und kollektive kreative und transformative Prozesse

Kritik an Angeboten der zeitgenössischen Kunst ist häufig die Hochschwelligkeit. Oft wird der Kontext zu akademisiert empfunden oder der Zugang zu / das Verstehen von zeitgenössischer Kunst nicht als Hürde beschrieben. Inwiefern können gemeinsame Übungen zu Stimme und Gesang eine körperliche Vorbereitung für das Erleben von Kunst sein, um eigene Positionen zu künstlerischen Arbeiten zu entwickeln? Wie können sie helfen, die Resignation beim Nicht-verstehen und damit einhergehende innere Blockaden zu lösen?  In einer Workshopreihe wird Melanie Erzuah die Teilnehmer_innen anleiten, die Reaktionen des Körpers wahrzunehmen und einen positiven Selbstbezug aufzubauen, um sich für individuelle und kollektive kreative und transformative Prozesse zu öffnen.

Melanie Erzuah verfügt über Erfahrungen als Musikpädagogin und Bildungstrainerin und arbeitet aus Schwarzer queerer Perspektive zu emanzipatorischen Köperpraktiken, identitätspolitischen Fragen und dazu, wie Körper durch Mehrfachdiskriminierung beeinflusst werden. Melanie Erzuah möchte mit einer Begeisterung für das gemeinsame Singen mit Musik die Verbindung zu anderen Menschen und dem eigenen Körper stärken, um Heilung auf den Weg zu bringen. Im Rahmen des Vermittlungsstipendiums der nGbK 2021 sollen Konzepte erprobt werden, die Zugänge zur eigenen Schaffenskraft stärken um sie für künstlerische, politische und transformative Prozesse zu nutzen und damit sich selbst, gegenseitig und im Kollektiv zu stärken.


Samstag, 27. Februar 2021, 15-18 Uhr
Workshop 1 – Spross

Samstag, 3. April 2021, 15-18 Uhr
Workshop 2 - Setzling

Samstag, 5. Juni 2021, 15-18 Uhr (en)
Workshop 3 - Seedling