Zwischenraum TRANSIT, part 2: Flucht, Segregation und Widerstände
Aktuelle und historische Stationen von Menschen im Transit zwischen Barcelona, Berlin, Marseille und Port Bou
Ort: Klassenzimmer der Zukunft, Place Internationale, Maxie-Wander-Straße 79, 12619 Berlin
Veranstalter_in: Alice-Salomon-Hochschule Berlin
Beitragende: Selma Alaabed, Mustafa Alborighef, Abdullah Alkhatib, Marija Baksa, Manuel Haist, Jerome Mard, Toni Maurer, Lerato Mkwanazi, Rayan Mussallam Al Masri, Leonie Odelga-Tschernev, Gonca Saglam, Lea Sahli, Jana Sebald, Marc-Alexander Skott, Laura Wagner und Simon Wilz – Studierende der ASH Berlin.
Die Präsentation und das Programm sind Teil einer Kooperation zwischen der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf und dem Pilotprojekt Zwischenräume. Belebung von Campus und Stadtteil im Projekt Campus Transferale – Transfer_Hub der Alice Salomon Hochschule Berlin.
Klassenzimmer der Zukunft und Place Internationale sind Projekte der AG station urbaner kulturen (Juan Camilo Alfonso, Jochen Becker, Eva Hertzsch, Margarete Kiss, Constanze Musterer, Adam Page, Ralf Wedekind)
„Und die Gemeinschaft der europäischen Völker zerbrach, als – und weil – sie den Ausschluss und die Verfolgung seines schwächsten Mitglieds zuließ” (Hannah Arendt 1943, We Refugees).
Im November 2023 überquerten wir, Studierende und Lehrende der Alice Salomon Hochschule Berlin, mit bisher unterschiedlichen Erfahrungen von Grenzen und Begrenzung in unserem Leben, die Grenze zwischen Frankreich und Spanien. Unsere Wanderroute führte uns über einen ehemaligen Schmugglerpfad vom französischen Grenzort Banyuls sur Mer über die Pyrenäen in den spanischen Grenzort Port Bou. Auf dieser Route flüchteten 1940 viele Menschen vor dem NS-Staat: Juden und Jüdinnen, Kommunist_innen, LGBTIQ, Rom_nja und Sint_izze, Deserteur_innen und viele weitere Verfolgte des Naziregimes. Diejenigen, die es noch rechtzeitig geschafft hatten, Deutschland zu verlassen und nun ein zweites Mal mit der Besetzung Frankreichs flüchten mussten. Kurze Zeit vorher waren 1939 die spanischen Republikaner_innen vor General Francos Armee über diese Route in die andere Richtung nach Frankreich geflohen. Der Weg, zeitweilig Fluchtroute nach den Fluchthelfer_innen Lisa und Hans Fittko benannt, ist seit 2009 als Wanderroute „Chemin Walter Benjamin“ auf französischer sowie als „Ruta Walter Benjamin“ auf spanischer Seite ausgeschildert. Auch Benjamin, Schriftsteller und Philosoph, wurde als Jude, Kommunist und Intellektueller von den Nationalsozialisten verfolgt. Heute versuchen Menschen aus verschiedenen Ländern, die vor Krieg, Ausbeutung und Perspektivlosigkeit fliehen und an den Außengrenzen Europas landen, über dieselbe Route nach Zentral- beziehungsweise Nordeuropa, zu kommen.
Diese Grenzüberquerung ist nur eine von insgesamt drei Stationen unserer Studienfahrt im Rahmen des 4-semestrigen Projektseminars „Aktuelle Protestbewegungen und ihre medialen Ausdrucksformen“ im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule Berlin: Marseille, Port Bou und Barcelona. Die inhaltliche Klammer des Seminars bilden Proteste und Bewegungen für eine Welt ohne Grenzen, gegen neokoloniale Ausbeutung und Klimagerechtigkeit. Mit unserer Studienfahrt haben wir uns auf eine gemeinsame Reise gemacht und uns dabei fokussiert auf: Flucht, Segregation und Widerstände – Aktuelle und historische Stationen von Menschen im Transit zwischen Barcelona, Berlin, Marseille und Port Bou.
Kuratiert von Andrea Plöger (Professorin der ASH), Elène Misbach (wissenschaftliche Mitarbeiterin der ASH). Eva Hertzsch & Adam Page (Künstler_innen und wissenschaftliche Mitarbeiter_innen der ASH, AG-Mitglieder der station urbaner kulturen).
Im Rahmen des Projektseminars Aktuelle Protestbewegungen und ihre medialen Ausdrucksformen: Proteste und Bewegungen für eine Welt ohne Grenzen, gegen neokoloniale Ausbeutung und für Klimagerechtigkeit.
Die Studienreise wurde begleitet von Viviana Uriona (Filmemacherin und Dozentin des College of the Marshall Islands, Majuro), Djif Djimeli (Filmemacher und Schauspieler) und Aya Schamoni (Fotografin und Lehrbeauftragte der ASH).
VERANSTALTUNGSPROGRAMM
Flucht, Segregation und Widerstände: Eröffnung
Di, 4.6.24, 17:00–19:00 Uhr
›Widerstände: Standing together‹
Podiumsdiskussion mit Rachel Ravid (Professorin des Oranim College Haifa, Kooperationspartnerin der ASH und Leitung der Galiläa Dreamers), Samuel Schidem (Erwachsenenbildner, Museumspädagoge, Dozent und Direktor von Rozana International), Arnon Shaked (ASTA der ASH) und Rayan Mussallam Al Masri (BIPoC Referat, ASTA der ASH). Moderation: Britta Loschke
Draußen vor der Stadt – vom Quartier Nord (Marseille) bis nach Hellersdorf (Berlin). Fragen an die Soziale Arbeit als Profession
Do, 6.6.24, 17:00–19:00 Uhr
Gespräch und Filmscreening zum Thema Segregation und Ausgrenzung in Marseille und Berlin mit Christian Jakob (Journalist der taz und Autor des Buches ›Die Bleibenden‹) und Selma Alaabed (Journalistin und Studierende der ASH)
Das Recht auf Bewegungsfreiheit: von Afrique-Europe-Interact bis zu Top Manta
Do, 13.6.24, 17:00–19:00 Uhr
Gespräch, Filmscreening ›Top Manta‹ (Barcelona 2023, 5 Minuten, Engl.) von Manuel Haist, Jerome Mard, Lerato Mkwanazi und Leonie Odelga-Tschernev und von ›Die vergessenen Migrant:innen‹ (Mali, 50 Minunten, Franz./ Bambara mit dt. UT) von Djif Djimeli, anschließend Q & A mit den Filmemacher_innen.
In Zusammenarbeit mit hörsaalkino ash
Sitzung des Anwohner_innenbeirats und Finissage
Do, 27.6.24, 17:00–19:00 Uhr