nGbK stellt neue Stipendiat:innen vor
Die neue Gesellschaft für bildende Kunst fördert zeitgenössische Künstler:innen und ihre Werke in Ausstellungen und Performances sowie in Kunstvermittlungs- und Veranstaltungsprogrammen. Daneben unterstützt sie die künstlerische Arbeit sowie den lokalen Austausch mit internationalen Stipendiat:innen durch Berliner Residenzen.
2026 wurden İhsan Oturmak und Rozelin Akgün für das Stipendium Istanbul–Berlin ausgewählt, das insbesondere einen Künstler:innenaustausch zwischen diesen beiden Metropolen fördert. rezzan gümgüm erhielt das einjährige Stipendium Weltoffenes Berlin. Dieses ermöglicht Kunst- und Kulturschaffenden, die ihre Aufenthaltsländer aus politischen Gründen verließen, ihre Arbeit in Berlin fortzusetzen. Beide Stipendien werden von der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt vergeben und von der nGbK vor Ort betreut.
Künstler:innenstipendium Istanbul–Berlin:
İhsan Oturmak und Rozelin Akgün
Das Künstler:innenstipendium Istanbul–Berlin fördert den kulturellen Austausch und unterstützt die künstlerische Entwicklung professioneller Künstler:innen. Als Teil der seit 1989 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul soll das Stipendium die Verbindungen der Kunstszenen beider Städte stärken. Das Stipendium folgt der Überzeugung, dass internationaler Austausch und unmittelbare Kommunikation kulturelle Vielfalt als Bereicherung erlebbar machen und zum kritischen Perspektivenwechsel einladen. Im Rahmen einer Kooperation zwischen der neuen Gesellschaft für bildende Kunst, dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien sowie dem DEPO in Istanbul werden jährlich jeweils zwei Künstler:innen aus Istanbul und Berlin von einer Jury ausgewählt. Die Stipendiat:innen aus Istanbul arbeiten in einem Atelier des Kunstraumes Kreuzberg/Bethanien und werden von der nGbK betreut.
Die Stipendiat:innen wurden von einer Jury aus über 149 Bewerbungen ausgewählt. In einem ersten Schritt erstellte eine Jury in Istanbul, bestehend aus Dilek Winchester, Mert Sarısu, Merve Elveren und Serdar Darendeliler, eine Shortlist aus 10 Künstler:innen. Aus dieser wählte dann eine Jury in Berlin, bestehend aus Iz Öztat, Lotta Schäfer und Stéphane Bauer, İhsan Oturmak und Rozelin Akgün aus.
İhsan Oturmak
Juli–Dezember 2026
Während seines Aufenthalts in Berlin setzt sich İhsan Oturmak mit der Beziehung zwischen Raum und kollektivem Gedächtnis auseinander. Durch Beobachtungsskizzen, Fotografien und Videos zu den Themen Zugehörigkeit, Migration und Staat entsteht eine konzeptuelle Bildsprache. Im Mittelpunkt von Oturmaks Malereien, Videos und Skulpturen stehen Machtverhältnisse und die unsichtbaren Strukturen des Alltags. Er positioniert Figuren und Objekte in spannungsreichen Beziehungen zum Raum und offenbart so die Fragilität von Zugehörigkeit, Besitz und Migration. Alltagsgegenstände und architektonische Details vermitteln die unsichtbaren Grenzen sozialer Strukturen.
İhsan Oturmak hat seine künstlerischen Arbeiten in zahlreichen internationalen Ausstellungen und Biennalen präsentiert, darunter „Painting Today“ bei Yapı Kredi Kültür Sanat Yayıncılık in Istanbul, die 8. Çanakkale-Biennale, die Mardin-Biennale sowie die Ausstellungen „Four Positions in Painting“ in der Galerie Peter Kilchmann in Zürich, „Don’t Look Back, Deep is the Past“ im Odunpazarı Modern Müze (OMM) sowie „Curating War“ im Kunstraum Innsbruck.
Rozelin Akgün
Januar–Juni 2027
Die gelernte Landschaftsarchitektin Rozelin Akgün begreift in ihrer Arbeit die Landschaft als einen Ort, an dem sich ökologische Prozesse, politische Eingriffe und sozialer Alltag überschneiden. Durch künstlerische Feldforschung und materielle Experimente untersucht sie, wie Veränderungen der Umwelt bei gleichzeitiger Kontrolle von Infrastrukturen sowohl physische als auch psychologische Spuren hinterlassen. In ihren Arbeiten dienen organische Oberflächen als Träger von Zeit und Verletzlichkeit, wodurch die Transformation selbst Teil des Werkes wird. In Berlin wird Akgün ihre laufende Forschungsarbeit „Haunted Landscapes“ fortsetzen, in der sie untersucht, wie Gewalt gegen Kurd:innen in Landschaften fortlebt. Im Dialog mit der Stadt entwickelt sich das Projekt inhaltlich wie materiell weiter.
Rozelin Akgüns Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen und unabhängigen Kunsträumen ausgestellt, zuletzt bei <rotor> in Graz und Yapı Kredi Kültür Sanat Yayıncılık Istanbul. Sie ist Preisträgerin des Prince Claus Fund Seed Award und wurde vom SaDe – İKSV Artist Support Fund gefördert.
Weltoffenes Berlin: rezzan gümgüm
rezzan gümgüm arbeitet in den Medien Performance, Installation und Video. Sie setzt sich mit Fragen der Entwurzelung, Identität, Erinnerung, Natur und des Alltagslebens auseinander. Ihr aktuelles Forschungsprojekt befasst sich mit der Abwesenheit migrantischer Communities in offiziellen Archiven und betrachtet die Straße als lebendiges Archiv, in dem diese Gemeinschaften durch ihre alltägliche Präsenz sichtbar werden. Ausgehend von kurdischen Communities in Berlin bewegt sich das Projekt zwischen Archivforschung, Spaziergängen, Beobachtung und städtischen Begegnungen, um zu untersuchen, wie Erinnerung über dokumentierte Geschichten und institutionelle Aufzeichnungen hinaus fortbesteht. Im September 2026 zeigt gümgüm eine Arbeit in der Gruppenausstellung In touch des Goldrausch Künstlerinnenprojekts, die im Rahmen der Berlin Art Week in der nGbK zu sehen sein wird.
rezzan gümgüm studierte Kunstpädagogik an der Gazi-Universität und promovierte im Fach Malerei an der Hacettepe-Universität in Ankara. Außerdem studierte sie an der Accademia di Belle Arti di Macerata in Italien und an der Universidad Complutense de Madrid. gümgüm ist Gründungsmitglied der „Zer Women’s Initiative“ und des „Rê Collective“. 2024 erhielt sie das Künstler:innenstipendium Istanbul–Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das Künstler:innenstipendium Istanbul–Berlin wird ermöglicht durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und im Rahmen einer Kooperation zwischen der neuen Gesellschaft für bildende Kunst und dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin sowie dem DEPO in Istanbul organisiert.
Das Stipendium Weltoffenes Berlin wird ermöglicht durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und von der neuen Gesellschaft für bildende Kunst organisiert.
Die neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) wird gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.