Istanbul-Berlin Stipendium: Open Studio mit Çınar Eslek
17:00-20:00: Open Studio mit Çınar Eslek
18:00-19:00: Çınar Eslek im Gespräch mit Kate Brehme
Kunstquartier Bethanien, 1. OG Studio 139
Die aktuelle Stipendiatin des Istanbul-Berlin Stipendienprogramms, Çınar Eslek, wird ihre Arbeiten im Rahmen eines Open Studios unter der Moderation von Kate Brehme vorstellen. Seit dem 15. Januar 2025 arbeitet sie an Textilarbeiten, Zeichnungen und Beobachtungen sowie an Erzählfragmenten, die durch Gespräche und Begegnungen entstanden sind. In ihrem Open Studio wird Eslek Gedanken zu ihrem kreativen Prozess teilen und dabei den Schwerpunkt auf Themen wie Barrierefreiheit, Körpergedächtnis, Zugehörigkeit und Transformation legen. Dabei wird sie Verbindungen zwischen den ausgestellten Werken und ihrem weiteren künstlerischen Schaffen herstellen.
Esleks Arbeiten drehen sich um Körper, Erinnerungen und Geschichten, die unvollständig, durchlässig und in einem ständigen Wandel begriffen sind. Während ihres Aufenthalts in Berlin beschäftigte sich die Künstlerin zunächst damit, die Unterschiede in der baulichen Barrierefreiheit zwischen Istanbul und Berlin zu beobachten, wobei sie sich auf Rampen, Aufzüge, öffentliche Räume und die städtische Infrastruktur konzentrierte. Im Laufe der Zeit weitete sich diese Recherche aus und befasste sich mit umfassenderen Fragen zu Ableismus, Zugehörigkeit und den unsichtbaren Aushandlungsprozessen, denen bestimmte Körper in der gebauten Umwelt ständig ausgesetzt sind. Während des gesamten Aufenthalts führte die Künstlerin Gespräche mit Menschen, die Erfahrungen mit Migration, Behinderung, Einsamkeit und sozialer Ausgrenzung gemacht haben. Diese Begegnungen flossen durch Schweigen, Gesten, fragmentierte Erzählungen und kleine Alltagsdetails in die Arbeiten ein.
Eslek betrachtet Barrierefreiheit nicht nur als einen physischen Zustand, sondern auch als ein soziales und politisches Verhältnis; sie hinterfragt, auf wessen Tempo Räume ausgerichtet sind, von welchen Körpern erwartet wird, sich ständig anzupassen, und wem es gestattet ist, sich in öffentlichen Räumen wohlzufühlen.
Über Çınar Eslek
Çınar Esleks interdisziplinäre Praxis bewegt sich fließend zwischen den Bereichen Textilkunst, Video, Installation, Zeichnung und Schrift. Anstatt diese Medien als getrennte Disziplinen zu betrachten, behandelt die Künstlerin sie als miteinander verbundene Glieder desselben Körpers. Folglich existieren die Werke nicht als isolierte Objekte, sondern als Teile eines lebendigen Organismus, der durch lose Verbindungen zusammengehalten wird. In ihrer jüngsten Einzelausstellung „Tack, Limb, Ilizarov“ im DEPO schuf Eslek mithilfe von genähten Stoffen, Fundstücken (von ihr gesammelten Resten) und Video hybride Formen, die körperliche Möglichkeiten und Grenzen erforschen. In ähnlicher Weise thematisierte ihr Beitrag zum Crip Magazine Nr. 5 während der 17. Istanbul-Biennale die Schnittstellen von Behinderung, Identität und gesellschaftlichen Strukturen, wobei sie ableistische Normen hinterfragte und gleichzeitig alternative Erzählungen der Körperlichkeit anbot. Eslek gewann den „Borders and Orbits“-Preis (2006, Siemens Art), den 26. „Artists of Today“-Preis (2008, Aksanat) und den Istanbul Rotary Art Award (2011). Sie nahm am Residenzprogramm „Cité des Arts“ in Paris teil. Außerdem war sie bei renommierten Kunstveranstaltungen in der Türkei vertreten, darunter die Çanakkale-Biennale, die Istanbul-Biennale und die Internationale Biennale von Mardin. Als Teilnehmerin der „Alternative Art School Platform“ (2022) setzte sie sich mit Nato Thompsons „All the World’s A Stage“ auseinander, in dem es um öffentliche Kunst, interventionistische Praktiken und Kunst über Grenzen hinweg ging, sowie mit Amber Eve Imries „Artists on Social Media“, das die Dynamik digitaler Präsenz untersuchte.
Über Kate Brehme
Kate Brehme ist eine in Berlin lebende unabhängige Kuratorin, Kunstvermittlerin und Wissenschaftlerin mit Behinderung, deren Praxis sich mit Kollaboration, Crip Freude und der Schnittstelle zwischen Barrierefreiheit und Kuratieren befasst. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit der „Cripping“- und „Queering“-Perspektive in der Kunstgeschichte, der Ästhetik der Barrierefreiheit und der Politik des Raums. Kate war international in Australien, Schottland und Deutschland tätig, wo sie Ausstellungen kuratierte, Künstlerresidenzen organisierte, Studierende unterrichtete, Kunstinstitutionen beriet und Projekte zur Förderung der Kunst von Menschen mit Behinderung leitete. Sie ist Mitbegründerin von Berlinklusion und hat mit Organisationen wie den National Galleries of Scotland, der Documenta und dem Haus der Kulturen der Welt zusammengearbeitet. Zu ihrer Praxis gehört das Kuratieren von Ausstellungen und Residenzen, Kunstvermittlung, Beratung im Bereich Barrierefreiheit, öffentliche Vorträge und Moderationen, Projektmanagement, Forschung und Veröffentlichungen zu den Themen Behinderung und zeitgenössische Kunst, Lehrplangestaltung sowie die Förderung der Künste auf Landes- und EU-Ebene.
Das Stipendium der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt wird im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Kunstverein neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien in Berlin sowie dem DEPO in Istanbul ermöglicht.