Activist Choreographies of Care

Sa, 29.3. – So, 1.6.25 Typ: Ausstellung, Veranstaltungsreihe, Filmscreenings

Ort(e)

nGbK, Karl-Liebknecht-Str. 11/13, 10178 Berlin

Künstler_innen:

Va-Bene Elikem Fiatsi, Martin Toloku, Sarah Ama Duah, Anthony R. Green & Julius Yaw Quansah, Rüzgâr Buşki & Mawuenya Amudzi, Marcella Nuerkie Akuetteh, Rebecca Korang & Efia Serwah, Akpene Akosua Deku, Chie Marquart-Tabel & Austin Nortey, Angel Maxine, Isabel Kwarteng-Acheampong, Audrey Obuobisa-Darko, Baahwa, Damien Kwadjo, Efua Osei, Kobena Ampofo, Kwame Boateng, Nenyi Ato Bentum, Kwame Brenyah, Bodi Babatola, Otis Mensah and the K++V Performance Swarm

nGbK-Arbeitsgruppe:

Va-Bene Elikem Fiatsi (crazinisT artisT), hn. lyonga, Sunny Pfalzer, Malte Pieper, Maj Smoszna

Activist Choreographies of Care: perfocraZe International Artist Residency eröffnet am 28. März in der nGbK. Das Projekt verbindet Kumasi mit Berlin und verflicht queere Geschichten, die in, über und von diesen Orten erzählt werden. Bestehende und neu produzierte künstlerische Arbeiten, frühere Performances und neue Live-Aktionen werden durch ein Veranstaltungsprogramm miteinander verbunden, das den gemeinschaftlichen Geist einer Residency mit der Idee eines Begegnungsraums verbindet, der durch eine Ausstellung und ein Performance-Setup entsteht.

Activist Choreographies of Care eröffnet einen Satellitenraum der perfocraZe International Artist Residency (pIAR) aus Kumasi (Ghana) in Berlin. pIAR ist ein selbstorganisierter Safer Space für die LGBTQIA+ Community in Ghana, der derzeit durch ein neues Gesetz akut bedroht ist. Das „Gesetz über menschliche sexuelle Rechte und ghanaische Familienwerte“, das im Februar 2024 vom Parlament verabschiedet wurde, kriminalisiert unter anderem die Identifizierung als LGBTQIA+ und das Eintreten für die Rechte von LGBTQIA+ Personen. Während das Gesetz vom vorherigen Parlament nicht unterzeichnet wurde und seine Umsetzung somit ausgesetzt ist, plant das neue Parlament, den gewalttätigen und diskriminierenden Inhalt des Gesetzes in Lehrpläne von Schulen aufzunehmen.

Mit Installationen, Filmen, Textilarbeiten, Poesie und Performances suchen die Künstler_innen nach queerem Erbe. Dabei machen sie koloniale Geschichten sichtbar, die in Körper und Räume eingeschrieben sind, und schaffen Welten, die Raum für Verbindung, täglichen Widerstand und Transformation bieten. Die in Kumasi und Berlin lebenden Künstler_innen erforschen zirkuläre Erzählungen und spekulative queere Zukünfte. Mit Blick auf vorkoloniale Geschichten versammelt das Projekt Künstler_innen, deren Arbeiten westliche Vorstellungen von binärem Geschlecht und Queerness in Frage stellen, um internationale Solidarität zu wecken und resiliente Netzwerke aufzubauen.

Die Ausstellung dient als Ort der Begegnung, des Austauschs und des gemeinsamen Essens. In diesem Sinne finden am Eröffnungsabend Performances teilnehmender Künstler_innen statt. Im April und Mai wird das Programm mit offenen Ateliers, einem Filmabend, einem Performance-Marathon, Workshops und dem Love fEAST fortgesetzt. Das Love fEAST ist eine Dinner- und Tanzparty, die eine Brücke zwischen Künstlerinnen, queeren Familien und lokalen Communities in Kumasi schlägt.

Aus der Ausstellung und dem Veranstaltungsprogramm entsteht eine Publikation, die ab Mai im Verlag der nGbK erhältlich sein wird.

Design: Hélène Baum-Owoyele

Va-Bene Elikem Fiatsi wird von der Martin Roth-Initiative gefördert, einem gemeinsamen Schutzprogramm des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen und des Goethe-Instituts, das vom Auswärtigen Amt unterstützt wird.

In Zusammenarbeit mit dem DAAD Künste und Medien Programm.

Begleitprogramm

Freitag, 28. März, 19 Uhr

Eröffnung
 mit der Performance TIME BOMB von Marcella Nuerkie Akuetteh und einer Konzert-Performance von Anthony R. Green & Julius Yaw Quansah u. a.

Freitag, 18. April, 11 Uhr

Treffpunkt: Rolltreppe vor der nGbK

Als Teil einer Performanceserie von Va-Bene Elikem Fiatsi (crazinisT artisT) an Karfreitagen konfrontiert „The Glory Table of Death“ die unterdrückerischen Systeme von Kirche und Staat im Angesicht zunehmenden Faschismus. Die Serie beleuchtet Kämpfe und Widerstandsfähigkeit Schwarzer und queerer Menschen sowie anderer marginalisierter Personen. Durch die lebendigen skulpturalen Inszenierungen ihres schwarzen, queeren Körpers stellt Va-Bene die Kreuzigung und Auferstehung den anhaltenden Kämpfen marginalisierter Gemeinschaften gegenüber. „The Glory Table of Death“ greift am Karfreitag die Passionsgeschichte auf, betrauert und ehrt verlorene Leben und zum Schweigen gebrachte Stimmen und verkündet gleichzeitig Hoffnung und Trotz im Angesicht der Unterdrückung. Diese Performance verwandelt die traditionelle Karfreitagserzählung in einen kraftvollen Aufruf zum Handeln, der Gerechtigkeit, Gleichheit und Liebe für alle fordert.

Samstag, 19. April, 19 Uhr

Performance-Marathon des K++V Swarm mit Annika Hausherr, Cosima Zora, Florin Garzotto, Iris Nufer und Lucy Stossfellner, Jasmin Rolli, Kyrillos Nyx, Lis Kleiner, Luis Stadler, Martina Schädler, Maysam Imran Alsous and Keone Lee, Meret Schüpbach, Momo von Hettlingen, Rahel Hauri, Sara Loosli, Stephanie Anna Motz (Klasse von Sunny Pfalzer, Hochschule Luzern) sowie Gästen

Das experimentelle Kollektiv K++V Swarm zeigt ein einstündiges Programm mit 13 Mini-Performances und Screenings. Im Einklang mit dem Ansatz von pIAR war jede_r willkommen, sich zu beteiligen – ein spielerischer Prozess, der in Queerness, Gemeinschaft und dem Wunsch wurzelt, über die Welt, die wir teilen, zu sprechen.

Die Arbeit des Kollektivs ist geprägt von Solidarität mit den queeren Gemeinschaften in Ghana, die mit massiver Unterdrückung konfrontiert sind – ein westliches Erbe. Als überwiegend weiße Gruppe stellt K++V Swarm die Frage: Wie sieht Verbündetsein wirklich aus? Wie können wir Raum für Nuancen, Unterschiede und schwierige Gespräche schaffen? Gemeinsam haben sie einen Raum für Verletzlichkeit und Zusammenarbeit geschaffen – ein lebendiger Akt von intersektionalem Aktivismus – eine neue Generation von unapologetisch politischen Stimmen.

Der K++V-Swarm entstand im Rahmen der Performance-Klasse der Künstler_in/Kurator_in Sunny Pfalzer an der Hochschule Luzern (Design, Film & Kunst) mit Annika Hausherr, Cosima Zora, Florin Garzotto, Iris Nufer und Lucy Stossfellner, Jasmin Rolli, Kyrillos Nyx, Lis Kleiner, Luis Stadler, Martina Schädler, Maysam Imran Alsous und Keone Lee, Meret Schüpbach, Momo von Hettlingen, Rahel Hauri, Sara Loosli, Stephanie Anna Motz

Dienstag, 22. April, 19 Uhr

Filme von Künstler_innen und Aktivist_innen aus dem pIAR-Umfeld

Die pIARAMILY (pIAR-FAMILY) lädt zu einem Filmabend ein. Wie es bei perfocraZe International Artist Residency Tradition ist, schauen wir uns nach dem Abendessen gemeinsam Filme an. Wir stellen Popcorn und Snacks zur Verfügung. Gezeigt werden Kurzfilme von Künstler_innen und Aktivist_innen, die mit pIAR verbunden sind, wie Rebecca Pokua Korang, HYENAZ, Sunny Pfalzer und Va-Bene Elikem Fiatsi. Nach den Kurzfilmen zeigen wir Mala Reinhardts „Familiar Places“ (2024). Die Künstler_innen werden für Fragen und Gespräche anwesend sein!

Dienstag–Freitag, 22.–25. April, 14–18 Uhr

Offene Ateliers, Screenings, Workshops, Lesungen, Gespräche
mit pIAR-Alumni, Jasmin Rolli, Austin Nortey, Kwame Brenyah, Mawuenya Amudzi und Gästen
Auf Deutsch und Englisch

PROGRAMM

Dienstag 22.04.2025:

13:00-15:00 REHEARSAL Sunny Pfalzer: Feeling Seen

15:00-17:00 WORKSHOP Mawuenya Amudzi: Harnessing patience through photo transfer

17:00-18:00 WORKSHOP Kwame Brenya: Adinkra and Ghanian symbolism

Mittwoch 23.04.2025:

13:00-14:00 WORKSHOP Marcella Naa Nuerkie Akuetteh: Community Bonding Through Textile Creation

14:00-15:00 WORKSHOP Jasmin Rolli: Why don’t you love yourself? Embroidering und Evaluierung von Vaterschaft

15:00-18:00 WORKSHOP (nur queere BIPoC) Vivian Ngozi Aghamelu: Resistance and Resilience in times of troublesome political events and finding home in our bodies

Donnerstag 24.04.2025:

13:00-15:00 PERFORMANCE Austin Nortey: The dead do not know they are dead but it’s witnessed by the living

15:00-18:00 SCREENING UND PARTICIPATORY MOVEMENT SCORE Tímea Piróth: 424_weeding - shared time and space to weed out, unearth, and transform

Freitag 25.04.2025:

13:00-14:00 SCREENING Giulia Casalini und Va-Bene Elikem Fiatsi: Performance as Life

15:00-16:00 PERFORMANCE Ava Riby-Williams: ancient futures. music and movement as spiritual practice.

17:00-18:00 PERFORMANCE, SCREENING Ncube: Leseperformance aus ihrem Roman: „The Nun“ und Vorführung von zwei Kurzfilmen

Samstag, 26. April, 17 Uhr

Eine Feier mit einem Konzert von Angel Maxine, einer Musikperformance von Kwame Brenyah, DJ AKUAKU, Gästen, Liebe und ghanaischem Essen

Anmeldung für das Abendessen hier

Wenn Sie am Abendessen teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte wegen der begrenzten Kapazität an und kommen Sie pünktlich (18 Uhr).

Wenn Sie für Getränke, Gespräche und Tanzen kommen, ist keine Anmeldung erforderlich.

Sowohl in Ghana als auch in Berlin ist es das Ziel des Love fEAST, die Teilnehmer_innen in tiefgreifende Gespräche über Liebe, Angst und Anderssein zu verwickeln, während sie ghanaisches Essen miteinander teilen, und die Verbindungen zwischen lokalen Nachbar_innen und künstlerischen Gemeinschaften am Alexanderplatz zu fördern.

Love fEAST fördert Werte wie Gastfreundschaft, Mitgefühl und Solidarität. Es soll ein Raum geschaffen werden, der sowohl sicher als auch herausfordernd ist und zum Nachdenken über soziale Spannungen und aktuelle politische Entwicklungen einlädt. Ziel ist es, Brücken zwischen queeren, künstlerischen und lokalen Gemeinschaften zu bauen, neue Allianzen zu fördern und Vorurteile durch echte Begegnungen zu überwinden. Va-Benes Arbeit befasst sich mit dem alarmierenden Anstieg von Hassbewegungen, Rassismus und LGBTQIA+-Feindlichkeit, insbesondere in Ghana. Dort bietet sie im Rahmen der perfocraZe International Artist Residency (pIAR) einen sicheren Raum für queere Menschen und nutzt Kunst und Performance als Instrumente für Solidarität und Empowerment.

Samstag, 3. Mai, 15 Uhr (Deutsch) und 16 Uhr (Englisch)

Kuratorische Führung
zum Gallery Weekend

Samstag, 17. Mai, 15 Uhr (Deutsch) und 16 Uhr (Englisch)

Kuratorische Führung
am Internationalen Tag gegen Homo-, Trans- und Biphobie

Sonntag, 1. Juni, 11–14 Uhr

Veranstaltung für BIPOC im Rahmen der Finissage

keine Sprachbarriere

Anmeldung unter anmeldung@ngbk.de

Queering Black Church Narratives erkundet die Sprache und Symbolik der Schwarzen Kirche. Otis Mensah und Va-Bene Elikem Fiatsi werden auf biblische Texte und Gleichnisse eingehen, und alle Teilnehmer_innen sind eingeladen, ihre eigenen kulturspezifischen Interpretationen und Erfahrungen zu teilen. Der Fokus auf das Christentum als hegemoniale Religion in Westeuropa dient als Ausgangspunkt und Rahmen für eine Subversion, die die Überlebenden und Opfer der missionarischen Kolonisierung vor dem 19. Jahrhundert ehrt und Begriffe wie Gottesdienst, kirchliche Traditionen und die Rückgewinnung von Symbolen untersucht.

In der westlichen Gesellschaft und der zeitgenössischen Kultur dominieren nach wie vor anglisierte Vorstellungen vom Christentum, was die Nuancierung und das Aufblühen nicht-monolithischer Schwarzer Identitäten in der Gegenwart und in der Nacherzählung der Geschichte oft erschwert. Queering Black Church Narratives dient daher als Instrument der Rückgewinnung, das Schwarze und queere Identitäten in Vergangenheit und Gegenwart dokumentiert und verewigt, sowie schwarzes Leben würdigt, das von der weißen christlichen Sichtweise abweicht. Die Veranstaltung soll einen sicheren Raum für Gespräche, Ausdruck, Nacherzählung und kreative Experimente schaffen.

Otis Mensah ist ein_e in Berlin lebende_r interdisziplinärer Künstler_in, Autor_in und Kurator_in, der_die das ästhetische Gewebe von Sprache und Kadenz erforscht, um ätherische Porträts des Körpers, der Familie und der Vorstellung von Heimat zu erschaffen. Diese poetisch-klangliche Praxis schöpft aus einer reichen Tradition schwarzer Musikalität und zieht multidimensionale Klänge und Texte aus Archivmaterial und Reflexionen über Träume und Natur.

Otis’ abstrakte Herangehensweise an die Sprache orientiert sich stark an Norman Lewis und Jack Whitten und untersucht dabei lebhafte Experimente mit der Materialität der Farbe als Technik und Objektiv für die Annäherung an den Text. Otis’ Schreiben hebt die Materialität von Worten hervor, um eine größere emotionale Landschaft zu enthüllen. Durch das Queeren und Untergraben der biblischen Sprache übt sich Otis in seinem_ihrem Werk in magischem Realismus und vermischt dabei Erinnerung und Archivmaterial mit Mythen und Darstellungen einer schwarzen Diaspora.

Als erste_r Poet Laureate von Sheffield, Großbritannien, verfügt Otis über vielfältige Erfahrungen in der zeitgenössischen Kunst, sowohl als Künstler_in als auch als Kurator_in.

Va-Bene Elikem Fiatsi [aka crazinisT artisT] ist eine Transfrau mit dem Pronomen sHit, wenn nicht sogar She. Va-Bene lebt in Kumasi, Ghana, arbeitet aber international als multidisziplinäre „Artivistin“, Kuratorin, Philanthropin, Kunstevangelistin und Mentorin in mehreren Ländern. Sie ist die Gründerin und künstlerische Leiterin von crazinisT artisT studiO (TTO), Our Railway Cinema Gallery (ORCG), perfocraZe International Artists Residency (pIAR) und Trans African Ambassadors Network (TAAN). Alle diese Projekte zielen darauf ab, die Kunst zu radikalisieren und den Austausch zwischen internationalen und lokalen Künstler_innen, Aktivist_innen, Forscher_innen, Kurator_innen und kritischen Denker_innen zu fördern. Als Performerin und Installationskünstlerin untersucht crazinisT Geschlechterstereotypen, Vorurteile, Queerness, Identitätspolitik und -konflikte, sexuelle Stigmatisierung und deren Folgen für marginalisierte Gruppen oder Einzelpersonen. Mit Ritualen und einer gender-fluiden Persona setzt sie ihren eigenen Körper als Denkanstoß in Performances, Fotografie, Video und Installationen ein – „life-and-live-art“ – ,die sich mit Themen wie Entrechtung, Ungerechtigkeit, Gewalt, Objektivierung, verinnerlichter Unterdrückung, Anti-Schwarzsein, systemischer Indoktrination und vielen anderen auseinandersetzt.

Sonntag, 1. Juni, 15 Uhr

Finissage der Ausstellung, Performances, Protest und Lesungen im öffentlichen Raum

Ausstellungsraum, 1. Etage und verschiedene Orte auf dem Alexanderplatz

Gemeinsam gehen, protestieren und tanzen wir vom Ausstellungsraum über den Alexanderplatz, um den PRIDE-Monat zu eröffnen – in Solidarität mit der ghanaischen LGBTQIA+ Community und allen LGBTQIA+ Menschen weltweit, die durch neu erlassene homo- und transfeindliche Gesetze Gewalt und Diskriminierung erfahren. Wir teilen queere Schwarze Kirchennarrative, eine kollektive somatische Intervention, poetische Lesungen und Hot Tunes mit Angel Maxine, hn. lyonga, Isabel Kwarteng-Acheampong und Va-Bene Elikem Fiatsi

Weitere Veranstaltung

Freitag, 16. Mai – Montag, 26. Mai

Ausstellung 
von iki yos piña, mani tapes und wat3r mami („Dont hit a la negrx“) 
kuratiert von BARAZANI.berlin


Ort: BARAZANI.berlin, Projektraum SPREEUFER, Spreeufer 6, 10178 Berlin

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