Dissident Paths: Traces
Ort:
Stadtraum Berlin
Mitwirkende:
Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni & Noah Gokul & Lo Moran & Iz Paehr, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe:
Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach, Sarnt Utamachote
Dissident Paths ist ein ganzjähriges Projekt im öffentlichen Raum. Zwischen Mai und Oktober 2025 finden in fünf thematischen Kapiteln, genannt PATHS, insgesamt 23 Spaziergänge durch Berlin statt. Aus jedem der Spaziergänge entsteht ein TRACE – eine Spur in Form von Dokumentationen, materiellen Artefakten, textlichen Reflexionen oder anderen Ausdrucksformen. Diese Spuren werden im Februar 2026 im Rahmen eines viertägigen Veranstaltungsprogramms präsentiert und im Begleitheft Walk Notations zusammengeführt, das im Verlag der nGbK erscheint.
Dissident Paths breitet sich durch kollektive Bewegungen entlang vorgezeichneter, imaginierter und noch zu entdeckender Pfade in Berlin aus. Gehen ist eine alltägliche Notwendigkeit und kann zugleich eine subversive Praxis sein – ein Akt des Widerstands, der vorgegebene Wege und Strukturen einer zunehmend polarisierten und zerstörerischen Welt hinterfragt, umlenkt oder verweigert. Bewegungen, körperliche wie politische, legen Barrieren und Ausschlüsse offen, transformieren unsere Wahrnehmung, schaffen Zugehörigkeiten und eröffnen zugleich neue kollektive Möglichkeitsräume.
Angeleitet von Künstler_innen, Kollektiven, Autor_innen und Kulturtheoretiker_innen, werden die Spaziergänge im Rahmen der PATHS erweitert durch Performances, Lesungen, Open-Air-Filmvorführungen, Workshops für Kinder und Erwachsene, Klanginterventionen, Wildkräutersammlungen, Brettspielrunden, After-Partys und weitere Formate. Jeder Spaziergang verkörpert spezifische gesellschaftspolitische Dringlichkeiten und eröffnet neue Perspektiven auf die Stadt als lebendigen Verhandlungsraum.
PATHS im öffentlichen Raum
PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)Mai 2025Städtische Räume können als Orte der Begegnung, des Übergangs und der Verhandlung betrachtet werden. Städte sind voll von Zwischenräumen, die offenbaren und verbergen, einladen und ausschließen. Die Beiträge dieses PATHS denken darüber nach, wie wir uns in diesen Räumen bewegen, und zeichnen Erfahrungen der Unsichtbarkeit, des Zugangs und der sich verändernden Bedingungen nach, denen Gemeingüter unterworfen sind. Die vorgestellten Beiträge erforschen Unsichtbarkeit und Zugänglichkeit in einer zersplitterten Welt, reflektieren über Klimaveränderungen und betrachten die Rolle von Wasserwegen und sich verändernden Landschaften. Sie thematisieren mithilfe von Mythologien kulturelle Auslöschung, und hinterfragen, wie zeitgenössische Architektur gemeinsame Räume bedroht. Gemeinsam laden sie uns ein, das Urbane als dynamisches und fragiles Gemeingut zu denken, das durch ökologische Prekarität, historische Komplexität und kollektive Bewegung geprägt ist.
PATH 2: TRESPASS & TRANSIT (Migration und Zugang)Juni–Juli 2025Bewegung steht im Mittelpunkt von Migration und Vertreibung. TRESPASS & TRANSIT begreift Migration sowohl als gelebte Erfahrung als auch als politische Bedingung und untersucht, wie Grenzen – sichtbare und unsichtbare – bestimmen, wer sich frei bewegen kann. Die Beiträge reflektieren das Konzept eines öffentlichen Denkmals für Migration, greifen Geschichten von Vertreibung auf und erforschen, wie Bewegung durch Klang und Emotion geprägt wird. Die urbanen Erkundungen dieses PATHS wenden sich gegen die Auslöschung der Geschichte von Migrant_innen und stellen dringend notwendige Überlegungen zu Erinnerungspolitik und dekolonialem Engagement an.PATH 3: STREETS & PROTESTS (Bewegungen und Demonstrationen)Juli 2025Protest bedeutet zu stören, zu unterbrechen, soziale Rhythmen zu verändern. Dieser PATH untersucht, wie kollektive Bewegung im öffentlichen Raum – Gehen, Marschieren, Versammeln – zu einem Akt der Ablehnung und des Widerstands wird.PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)August/Oktober 2025 Entschleunigung bedeutet nicht, sich zurückzuziehen, sondern sich anders einzustellen. Sie ist ein Aufruf zu einer langsameren und sensorisch bewussteren Art, in der Welt zu sein. Mithilfe von Gerüchen, Berührungen, Klängen und Bewegungen vollziehen die Künstler_innen nach, wie Migrant_innen sich Räume schaffen, entwerfen Rituale zu Sterblichkeit und Geschlecht, laden Kinder ein, das Tempo zu bestimmen, nähern sich Denkmälern durch Berührungen an und lauschen Pilzgeflechten.PATH 5: CRUISE (Cruising und queere Raumproduktion)September 2025In räumlichen Grauzonen können Sehnsüchte offen verhandelt werden, wodurch sowohl Gemeinschaft als auch Konflikte entstehen. Während CRUISE zeichnen queere Praktiken der Neuinterpretation verschiedener urbaner Räume widerspenstige Linien von Intimität, Überleben und Solidarität nach.
Informationen in Leichter Sprache und DGS
Weitere Informationen zum Programm finden Sie hier.
PROGRAMM
Dissident Paths: Das Knoblauch-Ensemble
Di, 29.4.25, 19:00–22:00 Uhr
Launch mit Performance von Yasmeen Al-Qaisi und einer Einführung in das Projekt durch das kuratorische Team
Zum Auftakt von Dissident Paths lädt Yasmeen Al-Qaisi dazu ein, gemeinsam Toum oder Mujdei – eine Paste aus Knoblauch, Öl und Salz – herzustellen und dabei durch unsere Eingeweide zu wandern. Der erste Trace von Dissident Paths wird der Geruch von Knoblauch sein – und mit ihm richten wir unsere Aufmerksamkeit auf die schützende Kraft des Alliums. In einer Zeit, in der rechte Politik bis in unsere Mägen vordringt, verwandeln wir Knoblauch in ein Werkzeug gegen Gewalt.
Knoblauch, ein Tabu für den Nicht-Osten und die nicht-östliche Kunstwelt, wird zur Waffe. Ein natürliches Antibiotikum, zugleich aber auch eine geheime und heilige Zutat, die Spuren eines guten Lebens hinterlässt. Wie immer beschwört Iazmin das Wissen und die Kraft unserer Großmütter und lauscht dem Polyrhythmus unserer Mörser im Einklang. Beim gemeinsamen Zerstampfen wird Knoblauch zur kollektiven Schutzform eines nicht-neutralen Raumes, in dem wir gemeinsam stinken werden. Ein Konsens fürs Chaoskochen wird vorgeschlagen: Indem wir Knoblauch mit unseren Händen und Zähnen zerdrücken, laden wir einander ein, soziale Normen zu zerstampfen.
Yasmeen (häufig falsch geschrieben) Al-Qaisi ist eine Dichterin, die für Stimme und Papier schreibt, die Sprache mit Klang, Essen oder Care-Praktiken artikuliert und aufführt, um unkontrollierbare Formen von Literatur zu schaffen. Wenn Jasmin mit Klang schreibt, verwandelt sie sich in nicht vorhandene institutionelle Formen, erfindet Tätigkeiten, lässt sich auf menschliche und übermenschliche Beziehungen ein und sendet temporär oder mobil im freien und öffentlichen Rundfunk.
Die Einführung des kuratorischen Teams wird als Skript auf Deutsch vor Ort verfügbar sein.
Dissident Paths: Stroll a Debilitated World
Sa, 3.5.25, 11:00–13:00 Uhr
Spaziergang mit Saverio Cantoni & Noah Gokul & Lo Moran & Iz Paehr
Ort: Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde
Dieser Spaziergang, oder vielmehr Stroll, nimmt seinen Ausgang in unseren verorteten hirstories (weder his noch her, sondern hir) in Berlin. Er bewegt sich entlang unserer Erfahrungen, Fragen, Wünsche und Unsicherheiten als behinderte Personen und zeigt auf, wie wir Zeug_innen einer fortschreitenden, sowohl lokal als auch transnational wirksamen behindernden Gewalt sind. Vier Crip-Comrades versammeln sich am Gedenkort für die Opfer der sogenannten „Aktion T4“, um ihre Perspektiven auf das Leben mit Behinderung zu teilen und gemeinsam um die Ermordeten zu trauern. Ausgehend vom Wissen unserer Crip-Ahninnen hinterfragen wir die gegenwärtigen Politiken der Entsorgbarkeit behinderter Verkörperungen und deren lokale wie globale Verflechtungen. Gleichzeitig lernen wir von den Praktiken, mit denen behinderte Menschen ihre Trauer angesichts der Gewaltakte des Nationalsozialismus in öffentliches Gedenken überführt haben.
Auf unserem Weg durch den Tiergarten stellen wir uns die Frage, wie transnationale Achsen der Solidarität gestärkt werden können. Schließlich legen wir uns gemeinsam nieder – ein Akt kollektiver Imagination – und erträumen jene Zukünfte, die wir uns wirklich wünschen.
Iz Paehr, Lo Moran, Noah Gokul und Saverio Cantoni haben sich bei einer Peer-Support-Session der Sickness Affinity Group (SAG) kennengelernt. Alle leben in Berlin und sind in der SAG aktiv.
Iz Paehr arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Design und beschäftigt sich mit Zugänglichkeit, anti-ableistischem Hacking und transfeministischer Weltgestaltung aus einer Disability-Justice-Perspektive. Geprägt durch persönliche Erfahrungen als behinderte und autistische Person entwickelt Iz aktuell ein haptisches virtuelles Interface, das Berührungen archivieren soll.
Lo Moran ist interdisziplinär tätig und realisiert gemeinschaftsorientierte, kollaborative Projekte, die sich mit Unterstützungssystemen, Zugänglichkeit und alternativen Formen des Zusammenlebens befassen. Mit Methoden wie Druckgrafik, Vermittlung und Archivarbeit erkundet Lo kulturelle Bruchlinien und setzt auf Fluidität, um radikale, entstehende Zukünfte zu entwerfen.
Noah Gokul arbeitet als interdisziplinäre_r Künstler_in, Performer_in und Healing Educator. Noah verbindet in der eigenen Praxis Klang, Performance, Malerei und Video und legt dabei den Fokus auf Zusammenarbeit, Fürsorge und Befreiung. So entstehen neue Wege der Verbindung und kollektiven Transformation.
Saverio Cantoni ist oral-taub und erkundet in der eigenen künstlerischen Praxis Klang durch Haptik, assistive Technologien und partizipative Performances. Dabei entstehen multisensorische Zugänge zu gemeinsamen Erzählungen. Tief verwurzelt in Crip- und Queer-Theorie hinterfragt Saverio bestehende ableistische Strukturen und entwirft neue sensorische Erfahrungen, indem Noise, Text, Bild und Klang miteinander verwoben werden, um Gegenerzählungen zu schaffen und normative Vorstellungen zu durchbrechen.
Teil von PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)
Dissident Paths: Schwellen überschreiten, Verbindungen halten
So, 4.5.25, 12:00–16:00 Uhr
Spaziergang mit dem Hand Breast Heart Kollektiv
Ort: Dokumentationszentrum Topographie des Terrors Adresse: Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin
Als Teil von Path 1: Spaces and Thresholds von Dissident Paths lädt das Hand Breast Heart Kollektiv zu einem Spaziergang durch Schwellenräume zwischen dem Dokumentationszentrum Topographie des Terrors und dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas ein. Im Mittelpunkt stehen Lesungen und ein gemeinsames Nachdenken zu folgender Überlegung:
Der römische Gott Janus ist eine Gottheit des Anfangs und des Endes, Hüter der Schwellen, der Tore, der Übergänge, der Zeit und der Dualität. Der Opferkönig führte seine Zeremonien durch, und die Tore eines nach dem Gott benannten Gebäudes in Rom wurden in Kriegszeiten geöffnet und zum Zeichen des Friedens geschlossen. Seine griechische Entsprechung findet sich unter anderem im Archetypus der Hekate, der Hexengöttin. Jede Kultur hat Gottheiten, die Türen, Schwellen, Grenzen oder Durchgängen zugeordnet sind. Dieser Spaziergang lehnt sich an das Bild eines zweigesichtigen Gottes an. Was auf den ersten Blick Polarität suggeriert, kann auch als zyklische Energie ohne Ende oder Anfangspunkt verstanden werden, da das zugrundeliegende Prinzip gleichzeitig Anfänge und Enden symbolisiert. Im Angesicht von Erinnerungskultur und Auslöschung stehen Zuneigung, Geduld und Trauer im Zentrum dieses kurzen Spaziergangs im politischen, historischen und touristischen Zentrum der Stadt. Jahrhunderte der Gewalt verdichten sich in der Disneyfizierung historischer Anekdoten und selektiver Triumphe. Wir wollen Verbindungen suchen, spazieren gehen, innehalten, lesen, umdenken, erkennen und verwandelt aus dem Walk hervorgehen.
Entstanden aus einem Theaterstück von Nicole Angela Pearson, hat sich das Hand Breast Heart Kollektiv darauf spezialisiert, Verbindungen über Grenzen hinweg zu knüpfen, sowie Gemeinsamkeiten und die geschichtlichen Zusammenhänge zu erkennen, die in Ausgrenzungen und Auslöschungen zu finden sind. Das Kollektiv arbeitet interdisziplinär und erforscht den öffentlichen Raum mit Spaziergängen, Interventionen und Gegen-Narrativen. Das Hand Breast Heart Kollektiv transformiert Trauer in Freude. Ihm gehören Ghasal Falaki, Nicole Angela Pearson und Nina Berfelde an.
Ghasal Falaki ist eine queere Soziologin, Poetin, Feministin und PoC. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit stehen sensibilisierte, Gemeinschaft schaffende Begegnung, Biographiearbeit sowie die eigene und geteilte Geschichte. Dabei ist ein (öffentlicher) Raum für ein gemeinsames Miteinander, der empowert, besonders relevant für ihre prozesshafte Arbeit, sei es durch Schreiben, Lesen oder Spoken Word als Ausdrucksform. Die Reflexion von Migrationsgeschichte(n), Flucht und Trauma sowie die eigene Identität als Reziprozität in Gemeinschaft der eigenen (Un-)Zugehörigkeit mit intersektionaler Brille sollen durch Austausch und friedliches Miteinander verarbeitet und fokussiert werden. Ob durch Schreibwerkstätten (Poesie oder Comedy) oder Lesungen.
Nicole Angela Pearson ist eine Theaterkünstlerin, Forscherin, Schriftstellerin und Aktivistin afrikanischer Abstammung. Sie bringt ausgelöschte Geschichten ans Licht und hilft Communities, diese auf fantasievolle, interaktive Art zu versöhnen. Ihre Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des Kolonialismus und der transatlantischen Versklavung über Räume und Zeiten hinweg. Inspiriert von dem afrodeutschen Aufklärer Anton Wilhelm Amo, erforscht sie die Überschneidungen von Empfindung und Erkenntnis. Der Körper ist dabei Ort ihrer Arbeit. Diese Praxis ermöglicht es, Bewusstsein zu kultivieren, Empathie zu fördern und uns in unserer Umgebung mit größerer Sensibilität und Achtsamkeit zu bewegen. Als Mitglied des Amo-Kollektivs hat sie kürzlich ein dreitägiges Counter-Mapping-Event zum Gedenken an die Berliner Konferenz kuratiert. Sie nutzt afrikanische und afro-diasporische Ausdrucksformen wie Tanz, Gesang und Essen als verbindende und heilende Praxis.
Nina Berfelde ist Künstlerin, Mutter, Dokumentarfilmerin, Forscherin, Kulturanthropologin, Gärtnerin und Flâneurin. Dass sie 1982 in der DDR geboren wurde, prägt ihre Perspektive/n, Analysen, Herangehensweisen, Werkzeuge und Kommunikations- wie Vermittlungsstrategien. Sie gräbt sich durch das historische Sediment, und legt ihre Finger in die Wunden der Täter_innen, während sie sich selbst als Erbin und Aufarbeiterin von Tat und Untat begreift. Begleitet von vielen anderen, die eine dichotome, lineare Narration ablehnen und unterwandern, legt ihre Praxis den Boden frei für längst überfällige Diskurse.
Teil von PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)
Dissident Paths: PUDDLE WATCHING
Mi, 14.5.25, 16:00–17:30 Uhr
Spaziergang mit Mirja Busch
Ort: Aufbau Haus Adresse: Prinzenstraße 84.1, 10969 Berlin
Pfützen entstehen überall dort, wo Mensch Spuren hinterlassen. Sie sind Teil der Stadt. Mirja Busch hat „Pfützenschau“ als künstlerischen Spaziergang konzipiert, der ausgewählte Pfützen rund um den Berliner Moritzplatz sichtbar, besuchbar und erlebbar macht – auch im trockenen Zustand. Von der Doppelkernpfütze bis hin zur Majestätischen Rotschildpfütze werden verschiedene Pfützenarten und ihr ortsspezifisches Verhalten vorgestellt. Obwohl Pfützen ein flüchtiges Phänomen sind, treten sie nicht zufällig auf. Der Walk geht den Vorlieben, Bedürfnissen und Logiken der Pfützen nach und fragt, warum sie entstehen, welche Orte sie bewohnen und wie sie sich zum Klimawandel verhalten.
Die Teilnehmenden werden in die Pfützenforschung und -terminologie eingeführt und mit ihnen Themen wie Materialität, städtische Praktiken, Wetter und Klimawandel diskutiert. Geboten wird ein neuer Blick auf das Wetterphänomen Pfütze im Zusammenspiel mit der Stadt.
Mirja Busch ist bildende Künstlerin. Seit über zehn Jahren arbeitet sie mit Pfützen und experimentiert mit verschiedenen Formen ihrer Archivierung. Ob als fotografische Sammlung, in flüssiger Form, in ethnografischen Beobachtungen oder über Sprache – sie rückt das oft übersehene Phänomen „Pfütze“ in den Fokus der Betrachtung und eröffnet so neue Perspektiven.
Teil von PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)
Dissident Paths: Flowing Streams: Co-develop a water themed board game
Sa, 17.5.25, 11:00–14:00 Uhr
Brettspiel-Workshop mit Harun Morrison
Ort: Rummelsburger Ufer, Lichtenberg, Nähe Bootsanlegestelle Rummelsburg
Du beginnst als Regentropfen. Flowing Streams ist ein sich fortentwickelndes wasserbasiertes Brettspiel. Die Teilnehmer_innen eingeladen, gemeinsam die Spielregeln und den Ablauf zu gestalten, für die ein Spielbrett und eine Reihe von Symbolen als Impulse dienen. So können sie auf spielerische Weise neue Regeln und Ziele erfinden und ausprobieren, um über die kulturellen, spirituellen, industriellen und meteorologischen Dimensionen des Wassers nachzudenken.
Während des Workshops werden die Teilnehmer_innen in kleinere Gruppen zu je vier oder fünf Personen aufgeteilt; jede Gruppe erhält ein Vorlage-Spielbrett. Die Gruppe ist eingeladen, ein eigenes Regelwerk für das Spiel zu entwickeln, wobei verschiedene textliche und grafische Impulse als Ausgangspunkt dienen. Ein besonderer Fokus des Workshops liegt darauf, zu beobachten, wie unterschiedliche Regelsysteme auch unterschiedliche Ideologien verkörpern und fördern. Zum Beispiel: Will die Gruppe die individualistischen, auf Aneignung ausgerichteten Logiken eines Spiels wie Monopoly nachbilden? Muss das Spiel überhaupt ein festgelegtes Ende haben? Wenn sich zwei Regentropfen begegnen, werden sie zu einem einzigen Körper – führt das dazu, dass zwei Spielende zu Partner_innen im Spiel werden?
Harun Morrison lebt als Künstler und Schriftsteller in London und ist derzeit Resident im Somerset House Studio. Er ist assoziierter Künstler bei Greenpeace UK und unterrichtet am Dutch Art Institute (DAI) im Rahmen des COOP-Projekts „Trespass, Loopholes, Action Design“. Sein Roman The Escape Artist erscheint 2025 bei Book Works. Seit 2006 arbeitet Harun gemeinsam mit Helen Walker als Teil der kollektiven Praxis They Are Here. Er war zudem Vorstandmitglied des 1981 gegründeten Black Cultural Archive.
Teil von PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)
Dissident Paths: Was ist da draußen? Spuren, Grenzen, Räume
So, 18.5.25, 16:00–18:00 Uhr
Walk Lecture mit House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl)
Ort: Tempelhofer Feld, Neukölln, Eingang Oderstraße
Schwellen, Grenzen und Barrieren begegnen uns überall. In unseren Städten, auf unseren Landkarten – und sogar direkt am Rand unserer Picknickdecken. Doch wie oft holen wir sie tatsächlich auf den Tisch? Warum stellen wir sie zur Debatte, tasten nach ihren Rändern, hinterfragen ihre Wirkweisen?
„Was ist da draußen? – Spuren, Grenzen, Räume“ ist kein gewöhnlicher Sonntagsspaziergang. Es ist ein gemeinschaftliches, praktisches Lernen im Gehen, verwurzelt im Ort. Auf einer Picknickdecke, ausgebreitet in der komplexen Landschaft des Tempelhofer Feldes – vermutlich Berlins am härtesten verteidigtem Gemeingut – fragen wir uns: Wer deckt den Tisch? Wer bekommt einen Platz? Und wer entscheidet, was serviert wird?
Das Menü
Vorspeise: 16:00 — Diskursives Picknick
Eine leichte, anregende Vorspeise. Bring deine Snacks, deine Gedanken und deine Neugier mit! Gemeinsam knabbern wir an Fragen zu Raum, Zugang und der Politik der Picknickdecke.
Hauptgang: 16:45 — Performativer Spaziergang entlang der Grenzen des Tempelhofer Feldes
Ein reichhaltiges, vielschichtiges Gericht, serviert während der Erkundung von Schwellen und Spekulation, mit dem bitteren Nachgeschmack der Ausgrenzung.
Zum Schluss: 18:00 — Ausklang
Wir lassen den Tag gemeinsam ausklingen – mit nachhallenden Gedanken, die vielleicht länger bleiben als jede Rechnung.
House’ it going? ist ein experimentelles Forschungslabor, das sich mit Wohnen, Klima und sozialer Gerechtigkeit auseinandersetzt. Anhand konkreter Räume als Fallstudien verknüpft es lokale Herausforderungen mit der globalen Wohnkrise. Mit verschiedenen Methoden und vielfältigen Visualisierungstools bezieht House’ it going Bewohner_innen, politische Entscheidungsträger_innen und Praktiker_innen ein, um gemeinsam neue Wohnstrategien zu entwerfen, zu diskutieren und weiterzudenken.
Laura Margarete Bertelt (sie/ihr) ist Architektin, Stadtgestalterin und Aktivistin mit einer Schwäche für liebenswerte öffentliche Räume. In ihrer Arbeit verbindet sie räumliche Praxis mit kritischer Reflexion: Sie co-kreiert Workshops, lehrt und beteiligt sich aktiv an der Debatte rund um die Wohnkrise, die Bauwende und feministische Stadtplanung. Aktuell vertieft sie sich im Masterstudiengang Urban Studies an der Bauhaus-Universität Weimar in demokratische (Planungs-)Prozesse. Sie arbeitet mit Experimental – einer Stiftung, die fragt, womit und warum wir bauen – und ist Teil des digitalen Architekturmagazins Kontextur. Außerdem ist sie leidenschaftliche Podcasterin. Website
Uli Kneisl (er/ihn) hat Architektur in München und Mailand studiert – dort entwickelte sich sein besonderes Interesse für sozial-ökologisches Wohnen und das Weiterbauen im Bestand. In der Zusammenarbeit mit Angelika Hinterbrandner und Laura Margarete Bertelt schärfte sich sein Fokus auf die Wohnkrise und deren ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen auf die gebaute Umwelt. Derzeit arbeitet er an eigenen Projekten zur Sanierung und Weiterentwicklung bestehender Wohnstrukturen.
Teil von PATH 1: SPACES AS THRESHOLDS (Übergänge und Gemeingüter)
Dissident Paths: Walking-Through Allesandersplatz
Mi, 11.6.25, 18:00–20:00 Uhr
Spaziergang, Aktivierung mit Alternative Monument
Treffpunkt: nGbK Dachterrasse
‘Mit unserem Projekt ‘Alternatives Denkmal für Deutschland’ verfolgen wir das Ziel, Migrationserfahrungen, Zeugnisse und visuelle Erinnerungen von Menschen, die in Deutschland leben und eingewandert sind, im Exil leben oder Asylsuchen, in einer Reihe von audiovisuellen künstlerischen Darstellungen zu verweben. Dadurch möchten wir einen positiven und inklusiven Rahmen für den Diskurs über Migration schaffen und den aktuellen fremdenfeindlichen Tendenzen entgegentreten.’
Im Rahmen von Dissident Paths wird das Augmented-Reality-Denkmal ADfD (Alternatives Denkmal für Deutschland) auf der Dachterrasse der nGbK nahe dem Alexanderplatz präsentiert und lädt zu einer immersiven Spurensuche von Migrationserfahrungen über die Monuments AR-App ein.
Alternative Monument ist ein interdisziplinäres Kollektiv von Künstlerinnen, Forscherinnen, Aktivist_innen und Kulturschaffenden, das sich auf die Neugestaltung des öffentlichen Gedächtnisses und das Gedenken an Migration konzentriert. Das in Berlin gegründete Kollektiv verbindet Kunst, Technologie und soziales Engagement. Indem es verschiedene Gemeinschaften zur Mitgestaltung der künstlerischen Inhalte aktiviert, sorgt es dafür, dass das Denkmal die gelebten Erfahrungen derer widerspiegelt, die es repräsentiert.
Teil von PATH 2: TRESPASS & TRANSIT (Migration und Zugang)
Dissident Paths: Harbouring Voices
Sa, 28.6.25, 11:00–14:00 Uhr
Sound-Workshop mit Nour Sokhon
Ort: Westhafen, Moabit
Harbouring Voices ist ein Sound-Workshop, der den Westhafen als Ort der Bewegung, Erinnerung und des Eingeschlossenseins erkundet. Container, die für den Transport geschaffen wurden, ermöglichen zwar Mobilität, verbergen und begrenzen jedoch zugleich. Damit spiegeln sie Spannungen rund um Migration, Grenzen und städtische Zugehörigkeit wider.
Der Workshop beginnt mit einem etwa zweistündigen Spaziergang durch das Hafengelände. Dabei werden Geschichten geteilt, gemeinsam diskutiert, die Umgebung erkundet und Klänge aufgenommen. Im Anschluss begeben wir uns auf das Dach des ZK/U mit Blick auf den Hafen, wo das Gespräch in einem kollektiven klanglichen Moment fortgesetzt und eine kurze Aufnahme gemeinsam produziert wird. Danach gibt es Zeit für Austausch und Reflexion bei Snacks und Getränken.
Die im Workshop entstandenen Aufnahmen werden von der Künstlerin zu einem Klangstück für den Programmpunkt TRACES im Rahmen des Projekts Dissident Paths weiterentwickelt. Die Teilnehmenden können selbst entscheiden, ob sie anonym bleiben oder in allen Versionen des finalen Werks namentlich genannt werden möchten.
Nour Sokhon ist eine libanesische Künstlerin mit Wohnsitz in Berlin. Ihre Praxis bewegt sich im Bereich der künstlerischen Forschung und umfasst Interviews, Feldaufnahmen und ortsspezifische Interventionen, die sie in Klangkompositionen, Performances, interaktive Installationen und bewegte Bilder übersetzt. 2017 schloss sie People on Sound ab, eine dokumentarische Arbeit für ihren Master in Sound for the Moving Image an der Glasgow School of Art. 2019 erhielt sie den Emerging Artist Prize des Sursock Museums im Libanon für ihre Videoarbeit Revisiting: Hold Your Breath und wurde mit dem Sound Art-Stipendium 2020 des Landes Niedersachsen und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig ausgezeichnet. Ihr Debüt-Soloalbum Beirut Birds wurde 2024 mit Unterstützung des Arab Fund for Arts and Culture – AFAC digital veröffentlicht. Sokhon hat international ausgestellt und auf Festivals wie dem Network Music Festival (2020), This Is Not Lebanon (2021), Punkt Festival (2023), Gaudeamus Festival (2023), United in Grief (2024), Vorspiel (2024) und der Biennale d’Aix (2024) performt. Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Spatial Sound Institute, Beirut Art Center, SAVVY Contemporary, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Kunsthaus Hamburg und Henie Onstad Kunstsenter präsentiert.
Teil von PATH 2: TRESPASS & TRANSIT (Migration und Zugang)
Dissident Paths: Mit Liebe und Beispiel
Sa, 5.7.25, 14:00–16:00 Uhr Ort: Marienfelde
Spaziergang mit Minh Duc Pham
Ort: Marienfelde
Mit Liebe und Beispiel lädt zu einem interaktiven Spaziergang auf Teilen des Berliner Mauerwegs ein. Dieses performative Ereignis verbindet das Gehen als kollektive Praxis mit der Erinnerung an die Fluchtbewegungen aus der DDR und den Widerstand gegen das damalige autoritäre Regime. Unterwegs können Blumen gesammelt werden, welche später vor dem Notaufnahmelager Marienfelde niedergelegt werden. Das Zentrum wurde 1953 als Erstaufnahmestelle für DDR-Flüchtlinge eingerichtet und für viele der erste Ort der Sicherheit und des Übergangs, bevor sie in den Westen weitervermittelt wurden. Es schafft einen Raum der Erinnerung an die innerdeutsche Fluchtgeschichte. Der Spaziergang entlang des Mauerwegs wird so zu einem symbolischen Akt des Gedenkens, der die persönlichen und kollektiven Erfahrungen der DDR-Geflüchteten aufgreift und einen Zusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart herstellt.
In Zusammenarbeit mit Minh Duc Phams Ausstellung Integrationswunder in der Galerie im Tempelhof.
Minh Duc Pham (*1991 in Schlema) ist Künstler und lebt in Berlin. Neben dem Studium der Ausstellungsgestaltung und Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe studierte Pham Performance Studies an der Universität der Künste in Berlin. Er arbeitet in den Bereichen der Bildenden sowie Darstellenden Künste und beschäftigt sich mit dem Thema Identität im Spannungsfeld von Gender, Race und Klasse. Pham war an Produktionen wie Die Große Klassenrevue (2023) im HAU 1, Home Away From Home (2021) im HELLERAU sowie im Cloud Gate Theatre Taipeh und Semiotiken der Drecksarbeit (2022) am Mousonturm Frankfurt beteiligt. Seine Arbeiten wurden zudem im Museum der Bildenden Künste Leipzig, im Stadtmuseum Dresden, in der Bundeskunsthalle Bonn und zuletzt im Haus der Kulturen der Welt ausgestellt. Er erhielt Stipendien von verschiedenen Kunst- und Kultureinrichtungen, darunter die Kunststiftung Baden-Württemberg, die Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, der Fonds Darstellende Künste sowie die Stiftung Kunstfonds.
Teil von PATH 2: TRESPASS & TRANSIT (Migration und Zugang)
Dissident Paths: Walking towards the decolonial urgencies of today
Mi, 9.7.25, 18:00–20:00 Uhr
Spaziergang mit Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute)
Ort: Volkspark Rehberge
Dieser Spaziergang eröffnet einen flüchtigen Lernraum – einen Raum, der sich dem Vorgeschriebenen widersetzt und die chaotischen, liminalen Zwischenräume einbezieht, in denen Transformation Gestalt annimmt. Wir bewegen uns durch den Volkspark Rehberge und den Wedding, einen Ortsteil, der von diasporischer Präsenz, den Kämpfen der linken Arbeiter_innenklasse und der deutschen Kolonialgeschichte geprägt ist.
Durch das Teilen persönlicher Erzählungen, gemeinsames Lesen und kollektiven Dialog setzt sich der Spaziergang mit Themen wie Migration, Erinnerungskultur und Widerstand auseinander.
In Anlehnung an Fred Motens Undercommons und bell hooks’ Pädagogik der Überschreitung reflektieren wir unterwegs unsere eigenen Positionierungen und wie diese Grenzgänge unsere künstlerische Praxis prägen. Wir hinterfragen Migrationsmythen sowie Narrative über Bewegung, Arbeit und Staatsbürgerschaft – und hinterfragen, wer dazugehören darf und zu welchen Bedingungen. Bei der Auseinandersetzung mit der Figur des_der „guten Immigrant_in“ legen wir offen, wie Staaten Nützlichkeit und Wert bestimmen – und dabei rassifizierte Hierarchien von Inklusion und Exklusion reproduzieren.
Projekt In/Visibility ist ein Forschungskollektiv, das von der Anthropologin Tasnim Elboute und der Meeresbiologin Samirah Siddiqui geleitet wird. Projekt In/Visibility hinterfragt dominante Narrative in universitären Umweltschutz- und Naturschutzkontexten und bricht mit ihnen, indem es Perspektiven und gelebte Erfahrungen von indigenen und lokalen Gemeinschaften in den Mittelpunkt stellt, die an ökologischer Wiederherstellung und Erhaltung arbeiten. Das Projekt baut auf den Erfahrungen von Project Myopia auf – einer partizipativen Crowdsourcing-Plattform, die vielfältige Stimmen in der geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschung stärkt – und verknüpfen diese mit dem Wissen von Umweltarbeiter_innen, -aktivist_innen und -schützer_innen an vorderster Front.
Teil von PATH 2: TRESPASS & TRANSIT (Migration und Zugang)
Dissident Paths: Asphalt: Walkway of Refusal
Sa, 12.7.25, 20:00–22:00 Uhr
Spaziergang mit Mahshid Mahboubifar
Treffpunkt: Kottbusser Tor, Kreuzberg
Eine Brücke entsteht dort, wo der Weg scheinbar endet, sie verwandelt Grenzen in Verbindungen. Sie vereint Straßen, Richtungen und Menschen, sie schafft Bewegung und eröffnet Möglichkeitsräume. Unser Ausgangspunkt ist ein solcher Ort der Verbindung, ein Raum, an dem wir gehen, verweilen, beobachten und uns zeigen. Der gemeinsame Spaziergang lädt alle Teilnehmenden ein, in einen Raum der Spannung und Veränderung einzutreten. Es entsteht Raum für eine reflektierte Auseinandersetzung mit Zugänglichkeit, Sichtbarkeit, Polizeigewalt, rassifizierte Gewalt und Demonstrationsrecht im urbanen Alltag.
Mahshid Mahboubifar ist iranische Künstlerin und Filmemacherin und lebt derzeit in Berlin. In ihrer Arbeit mit bewegten und unbewegten Bildern setzt sie sich mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander und verbindet dokumentarische Recherche – häufig in Form von Interviews – mit subjektiver Wahrnehmung. Ein zentrales Element ihrer künstlerischen Praxis ist die Auseinandersetzung mit Archivmaterialien, deren Rekonstruktion sie nutzt, um die Entstehung und Weitergabe von Narrativen zu hinterfragen. Mahboubifar schloss 2025 ihr Diplom im Bereich Expanded Cinema an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ab. Zuvor studierte sie Visuelle Kommunikation an der Alzahra-Universität in Teheran. Sie lebt und arbeitet in Leipzig und Berlin.
PATH 3: STREETS AND PROTEST (Bewegungen und Demonstrationen)
Dissident Paths: Walking the Walls: Protest in Bewegung zur Berliner Wohnungsfrage
Fr, 18.7.25, 18:00–20:00 Uhr
Performance, Protest mit Carolin Genz
Ort: Mediaspree, Friedrichshain/Kreuzberg
Walking the Walls ist ein performativer Spaziergang unter der Leitung von Carolin Genz entlang des Mediaspree-Areals. Das Gebiet an der Spree hat in den letzten Jahrzehnten einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen – vom ehemals umkämpften urbanen Raum hin zu einem in Beton gegossenen Symbol neoliberaler Stadtentwicklung.
Trotz jahrelanger Proteste und eines erfolgreichen Bürger_innenentscheids gegen die Uferbebauung bleibt Walking the Walls ein Echo auf das verlorene Versprechen bezahlbaren Wohnraums in Berlin. Walking the Walls ist ein Akt des Erinnerns und des Widerstands, greift vergangene Proteste auf und macht den fortwährenden Einsatz für Wohnraumgerechtigkeit in der Stadt sichtbar.
Entlang des Weges eröffnet sich ein dialogischer Raum indem performative Interventionen sich mit Auseinandersetzungen zum historischen, kulturellen und politischen Gefüge des Ortes verweben. Die Künstlerin Diana Lucas-Drogan begleitet den Spaziergang mit einem Live-Mapping, das als visuelle Spurensicherung der geteilten Erfahrung dient. Die Performance entsteht in Kooperation mit dem Urban Ethnography Lab und bewegt sich zwischen dokumentarischer Praxis, Protest und kollektiver Imagination.
Carolin Genz ist Stadtanthropologin und bewegt sich in ihrer Forschung und künstlerischen Praxis an der Schnittstelle von Raumforschung und Urban Design. In ihrer künstlerischen Arbeit nutzt sie qualitative und ethnografische Methoden, um die sich wandelnden Geografien urbaner Imaginationen sowie die konflikthaften Narrative alltäglicher Stadterfahrung zu untersuchen. Ihr besonderes Interesse gilt sozial-räumlichen Praktiken im Kontext von Wohnen, Protest, Gender und dem Alter(n). Durch den Einsatz multimodaler Forschungsansätze verbindet sie ethnografische Feldforschung mit performativen und gestalterischen Zugängen.
Sie ist Mitgründerin des Urban Ethnography Lab (UELab), das seit seiner Gründung im Jahr 2017 kreative, inter- und transdisziplinäre Forschungsformate an der Schnittstelle von Architektur, Design, Kunst und urbaner Anthropologie entwickelt. Das UELab verfolgt das Ziel, die sozialen und materiellen Logiken urbaner Umwelten zu erforschen. Im Zentrum steht eine multimodale Ethnografie des städtischen Alltags, die durch kollaborative Projekte soziale Praktiken, Interaktionen, Architekturen und Infrastrukturen sichtbar macht und kritisch befragt.
Special Guest: Diana Lucas-Drogan ist Architektin und Planerin mit einer performativen und forschungsbasierten Praxis im Kontext kommunaler und universitärer Räume. In ihrer künstlerischen Arbeit verbindet sie feministische Methodologien mit Mapping-Formaten und ortsspezifischen Performances. Ihre Praxis versteht sich als kritische Intervention in normative Raumvorstellungen, sie „öffnet Schubladen“, um dichotome Denkfiguren zu dekonstruieren und alternative Lesarten zu ermöglichen.
PATH 3: STREETS AND PROTEST (Bewegungen und Demonstrationen)
Dissident Paths: Printing for Abolition
Sa, 19.7. – So, 20.7.25, 14:00–17:00 Uhr
Printing Ritual mit Rüzgâr Buşki
Ort: FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum
Dieses Siebdruckritual versteht sich als kollektives Gebet – ein gemeinsamer Akt des Träumens von einer Welt ohne Polizei und Gefängnisse. Zugleich ist es eine Geste der Anerkennung für all jene, die auf unterschiedliche Weise aktiv geworden sind: sei es durch Demonstrationen im öffentlichen Raum, durch Bildungsarbeit in ihren Gemeinschaften, durch Spendenaktionen für die Bevölkerung in Gaza oder durch digitale Formen der Solidaritätsbekundung. Diese vielfältigen Ausdrucksformen politischer Anteilnahme stehen exemplarisch für eine widerständige Haltung gegenüber der aktuellen politischen Ordnung – insbesondere im Kontext palästinasolidarischer Praxis, die in Deutschland vielfach marginalisiert wird.
Während der beiden Tage wird Rüzgar Buşki vor Ort Plakate anfertigen. Teilnehmer_innen sind herzlich eingeladen, sich an dieser Produktion zu beteiligen, eigene Drucke mitzunehmen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Der Ort des Geschehens ist der Garten des Museums und würdigt das jahrzehntelange Leben von Migrant_innen im Kotti-Kiez – einem Ort, den viele als ihr Zuhause bezeichnen und der von Widerstandsfähigkeit, Gemeinschaft und den Schatten von Polizeipräsenz und Gewalt geprägt ist.
Ergänzend zur künstlerischen Praxis werden Auszüge aus Abolition Revolution von Aviah Sarah Day und Shanice Octavia McBean gelesen; Texte, die den Rahmen für eine gemeinsame Reflexion und Diskussion eröffnet.
Rüzgâr Buşki wurde in Istanbul geboren und lebt als Künstlerin in Berlin. Ihre interdisziplinäre Praxis umfasst Druckgrafik, Video und Performance. Buşkis Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen und Ausstellungsorten präsentiert, darunter das Künstlerhaus Bethanien, Savvy Contemporary, documenta14 – Parliament of Bodies, DOK Leipzig, Translations: Seattle Transgender Film Festival, Schwules Museum, Badischer Kunstverein, Silent Green, Galerie Wedding und der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien.
Für ihr künstlerisches Schaffen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der LABA Berlin Residency (2024), dem Close-Up Program Fellowship for NonFiction Cinema (2020–2021), dem ersten Preis des Karl-Hofer-Gesellschafts-Stipendiums (2019) sowie dem Zeliş Deniz Queer Cinema Award des Pink Life Queer Film Festivals (2019). Buşki absolvierte ihr Studium an der Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin in der Klasse von Prof. Dr. Hito Steyerl.
PATH 3: STREETS AND PROTEST (Bewegungen und Demonstrationen)
Dissident Paths: Feminist Steps
Mi, 23.7.25, 20:30–23:00 Uhr
Nachtwanderung mit Elena Biserna
Ort: Görlitzer Park, Kreuzberg
Dieser kollektive Spaziergang bietet eine Plattform, um gemeinsam über geschlechtsspezifische (Hör-)Erfahrungen im öffentlichen Raum nachzudenken und Verhaltensweisen zu hinterfragen, die oft als angemessen, sicher oder erwartet gelten, wenn wir uns zu Fuß bewegen. Es sind erste Schritte, um asymmetrische Machtverhältnisse kritisch zu beleuchten und gemeinsam Praktiken der Fürsorge, Solidarität, Aneignung und Umkehrung zu imaginieren – Praktiken, die neue räumliche Konfigurationen und Handlungsformen ermöglichen könnten.
Während des Spaziergangs werden wir Scores von Pauline Oliveros, dem Blank Noise-Kollektiv sowie Elena Biserna selbst gemeinsam aufführen, um mit den Grenzen und Potenzialen unserer Stille, Stimme, Geräusche und kollektiven Bewegung zu experimentieren.
Diese Ausgabe des Spaziergangs findet im Görlitzer Park statt – einem öffentlichen Raum, der derzeit im Zentrum von Konflikten um eine mögliche nächtliche Schließung steht.
Scores zeigen ein paradoxes Verhältnis zur Zeit: In der Musik dienen sie als kompositorische Werkzeuge, in Disziplinen wie dem Tanz erfüllen sie vor allem eine erinnernde Funktion. Sie fungieren als Spuren oder Archive vergangener Performances, die jederzeit in der Zukunft neu aktiviert werden können. So enthalten auch die beiden während Feminist Steps – The Resounding Flâneuse und The Resounding Flâneuse, Ηχώ - Ανάμνηση aktivierten Scores sowohl Spuren von Bisernas bisherigen Erfahrungen im öffentlichen Raum als auch eine Einladung, gemeinsam mögliche Zukünfte zu entwerfen.
PATH 3: STREETS AND PROTEST (Bewegungen und Demonstrationen)
Dissident Paths: A Line Back Home, Ancestral Echoes in Seven Turns
Sa, 26.7.25, 16:00 Uhr
Spaziergang, Installation mit Suelen Calonga
Ort: Schloßplatz, Mitte
(in Zusammenarbeit mit BARAZANI.berlin)
Spaziergang: 16:00–18:00
Installation im BARAZANI.berlin: 16:00–21:00
Dinner im BARAZAN.berlin: 19:00–21:00
Spaziergang: vor BARAZANI, Spreeufer 6, Mitte
Installation und Dinner: BARAZANI.berlin, Spreeufer 6, 10178 Berlin
Sie versuchen immer wieder, uns in den endlosen Windungen der Nachlässigkeit zu vergessen. Doch wir sind die besseren Zauberer: Die Linie bleibt ungebrochen, und die Stimmen unserer Vorfahr_innen rufen uns nach Hause – jedoch nicht ohne, dass wir sie zuvor suchen, um gemeinsam zurückzukehren.
A Line Back Home, Ancestral Echoes in Seven Turns ist eine dreiteilige künstlerische Intervention, die sich gegen das Vergessen richtet und eine kollektive Linie des Erinnerns und der Rückkehr zieht.
Teil I: Der Spaziergang
Sieben Umrundungen um das Humboldt Forum bilden eine performative Bewegung des Erinnerns und des Widerstands. Inspiriert vom Ritual des „Baums des Vergessens“ in Ouidah (Benin), bei dem versklavte Menschen gezwungen wurden, ihre Vergangenheit auszulöschen, kehren wir dieses erzwungene Vergessen um. Jeder Schritt ist eine bewusste Weigerung, das kollektive Gedächtnis auszulöschen. Durch rituelle Beschwörungen, symbolische Gaben an den Fluss als stillen Zeugen sowie die kollektive Präsenz, rufen wir die Vorfahr:innen, die im Humboldt Forum gefangen sind, dazu auf, aus ihrem erzwungenen Schlaf zu erwachen und das Gedächtnis als lebendige Kraft zu reaktivieren.
Teil II: Die Installation Fetish
Ein multimediales Ensemble reflektiert die historische Materialität kolonialer Sammelpraktiken und öffnet Risse in die europäische Konstruktion von Autorität über den Klang und die Anderen. Die Objekte – darunter ein Grammophonlautsprecher, ein Edison-Wachszylinder, Archivbilder und ausgewählte Texte – wurden über Marktplätze, Antiquitätenhändler, Sammlervereinigungen und institutionelle Archive erworben. Diese bewusste Provenienz reinszeniert und überdehnt die fortbestehenden Kreisläufe kolonialer Aneignung und macht sichtbar, wie die Domestizierung des Heiligen und Fremden auch gegenwärtige Logiken prägt.
Teil III: Gemeinsames Abendessen
Ab 19 Uhr wird auf einem brasilianisches Abendessen zum gemeinsamen Austausch und zur Stärkung der Gemeinschaft eingeladen, als verbindender Abschluss.
Alle Teile der Veranstaltung beginnen und enden am Spreeufer 6, gegenüber dem Humboldt Forum, im Projektraum von BARAZANI.berlin, einem interdisziplinären Kollektiv, das sich mit dekolonialen Fragen und Praktiken auseinandersetzt.
Suelen Calonga ist Mutter, Priesterin, Künstlerin, Forscherin und Pädagogin, deren Arbeit sich an der Schnittstelle akademischer, spiritueller und künstlerischer Praktiken bewegt. Sie verwebt ancestrales Wissen mit zeitgenössischer Kunst und verwendet Performance sowie audiovisuelle Medien als poetische Methodik zur Auseinandersetzung mit Erinnerung, Herkunft und spirituellem Wissen. Als Praktizierende des Lese Orisa-Kults und mit kuratorischer, sowie gemeinschaftsbildender Praxis hat sie unabhängige Forschungs- und Ausstellungsprojekte entwickelt, die afroafrikanische und afro-diasporische Stimmen ins Zentrum stellen.
Derzeit promoviert Suelen Calonga im Programm „Kunstgeschichte als Kulturgeschichte“ an der Technischen Universität Berlin, betreut von Dr. Prof. Bénédicte Savoy. Sie verfügt über einen Masterabschluss in Public Art und New Artistic Strategy von der Bauhaus-Universität Weimar.
Ihre kollaborative Arbeit mit Künstler_innen und Gemeinschaftsorganisationen fokussiert die Dekolonialisierung von Wissen und die kritische Reflexion der Rolle von Museen und ihrer kolonialen Erbschaften. Suelen Calonga ist international tätig und beteiligt sich an Residenzen, Gruppenausstellungen sowie Publikationen in Brasilien, Deutschland, Benin, den Niederlanden, Portugal und Frankreich.
Von Anfang an haben Aktivis_tinnen, Künstler_innen und Wissenschaftler_innen die Idee des Humboldt Forums abgelehnt und kritisiert. Durch kulturelle und politische Interventionen gelang es ihnen, das Projekt als Fortführung kolonialer Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und seine Auswirkungen auf die gegenwärtige Gesellschaft offenzulegen. In diesem Kontext entstand auch BARAZANI.berlin.
BARAZANI.berlin ist ein interdisziplinäres Kollektiv, das sich mit dekolonialen Fragestellungen und Praktiken beschäftigt. Seit seiner Gründung im Jahr 2020 vereint es Akteur_innen aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Bildung und Community-Arbeit. Das Kollektiv ging aus dem „Arbeitskreis Museen und Sammlungen“ von Decolonize Berlin e.V. hervor und formierte sich während der Corona-Pandemie zunächst als virtueller Raum. Dieser nutzte die Proteste gegen den Wiederaufbau des Hohenzollernschlosses, um den unbebauten Schlossplatz imaginär zu besetzen.
Seit 2021 verfügt BARAZANI.berlin über einen eigenen Aktions- und Projektraum am Spreeufer 6 im Nikolaiviertel, direkt gegenüber dem Humboldt Forum. http://blog.barazani.berlin/
PATH 3: STREETS AND PROTEST (Bewegungen und Demonstrationen)
Dissident Paths: Who moves and who doesn’t
So, 10.8.25, 18:00–20:00 Uhr
Spaziergang mit Pitchaya Ngamcharoen
Anmeldung erforderlich unter anmeldung@ngbk.de
Ort: Thaipark/Preußenpark, Charlottenburg-Wilmersdorf
Es gibt einen Blick, den ich inzwischen gut kenne, eine Mischung aus Abscheu, Unbehagen oder sogar Ekel, wenn ich ein Glas Garnelenpaste öffne oder der Duft von traditionellem thailändischem Duftwasser an meiner Kleidung haftet. Diese Reaktionen werfen Fragen auf: Woher kommen diese starken Gefühle? Warum werden bestimmte Gerüche automatisch als anstößig empfunden, während andere problemlos akzeptiert werden? Wer bestimmt, welcher Duft als fein gilt und welcher als vulgär?
Das Projekt Who moves and who doesn’t folgt den Wegen thailändischer migrantischer Praktiken von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in eine spekulative Zukunft. Pitchaya Ngamcharoen lädt dazu ein, die eigene Nase bewusst einzusetzen und vielfältige olfaktorische Eindrücke in der Umgebung zu sammeln.
Der gemeinsame Spaziergang beginnt neben einer öffentlichen Toilette im Preußenpark, dem ehemaligen Thai Park, und führt von dort in Richtung Barstraße. Spuren der gesammelten Sinneseindrücke werden dokumentiert, neu arrangiert und anschließend nebeneinander präsentiert.
Pitchaya Ngamcharoen ist eine in den Niederlanden lebende thailändische Künstlerin, deren Praxis sich an den schwer fassbaren Schnittstellen unterschiedlicher Lebensformen orientiert, mit besonderem Fokus auf die zentrale Rolle des Geruchssinns in diesen Begegnungen. Sie erforscht die olfaktorische Wahrnehmung im Spannungsfeld von Orientierung und Desorientierung, Reviermarkierung sowie den Prozessen der Entterritorialisierung durch die Verschiebung von Geruchsräumen.
In westlichen Gesellschaften dominieren Sehen und Hören; um sich von dieser Vorherrschaft des Auges zu emanzipieren, verweigert sie dem Visuellen in ihrer Forschung und ihrem Schreiben eine prioritäre Stellung. Indem sie den Geruchssinn in den Vordergrund schiebt, betont sie die gleichwertige Bedeutung von Duft und Olfaktion für Selbstverortung, Raumaneignung sowie für die Entstehung und Weitergabe von Gemeinschaften. Ihr aktuelles Interesse widmet sich der Parfümerie und der Fähigkeit von Düften, Erinnerungen wachzurufen, besonders in Situationen, in denen die vertraute Geruchslandschaft nicht mehr zugänglich ist.
Teil von PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)
Dissident Paths: Purgatory Society: A Liminal Walk
Teil 1
Mi, 13.8.25, 19:00–21:00 Uhr
Workshop mit Jane Hwang
Keine Anmeldung erforderlich
Treffpunkt: nGbK, Mitte
Purgatory Society: Ein liminaler Gang ist eine prozessbasierte, ortsspezifische Performance, die sich von koreanischen Totenritualen inspirieren lässt und diese als öffentliches Ritual kollektiver Trauer neu interpretiert. In Form eines langsamen, körperlichen Gangs entlang symbolischer und realer Migrationsgrenzen, thematisiert das Projekt sowohl individuelle Verluste als auch das geteilte Leid marginalisierter Leben; vergessene Geschichten und kollektive Traumata. Trauer wird dabei als widerständige Praxis verstanden, als eine Strategie der Sichtbarmachung und Verkörperung von Verlust in einer Gesellschaft, die Räume des Trauerns systematisch verweigert. Purgatory Society begreift Trauer nicht als Ende, sondern als Ausgangspunkt für Solidarität und politisches Wieder-Engagement.
Der erste Teil des Projekts findet am 13.08. in Form eines partizipativen Workshops statt, in dem rituelle Objekte gemeinsam vorbereitet, Essen geteilt und Migrationsgeschichten ausgetauscht werden. Im Zentrum steht das Wiederbeleben traditioneller Praktiken, die häufig von Frauen getragen und weitergegeben wurden und in diasporischen Kontexten eine besondere Bedeutung tragen. Am 15.08. folgt der zweite Teil des Projekts als kollektive Prozession von der nordkoreanischen Botschaft bis zum Friedhof im Tiergarten. Diese Route entsteht situativ und in Resonanz mit der Dynamik der Gruppe sowie dem städtischen Raum. Die Prozession endet, wenn der gemeinsam gebraute Makgeolli, als Geste des Trostes für Geister und Lebende gleichermaßen geteilt wurde. Wir gehen, um zu trauern, zu erinnern und dem Vergessen zu widerstehen.
Jane Hwang ist eine in Berlin lebende Multimedia-Künstlerin, die forschungsbasierte Narrative nutzt, um die Schnittstellen von kollektivem Gedächtnis und Dokumentation zu erkunden. Ihr künstlerisches Interesse konzentriert sich insbesondere auf mündliche Überlieferungen, rituelle Praktiken, Archive, geopolitische Dynamiken sowie die sinnliche Wirkung historischer Funde, die sie in Film, Text und audiovisuellen Installationen verarbeitet. Sie erforscht Übergangsräume, in denen Grenzen verschwimmen und sucht nach Wegen, kollektive Erinnerungen durch multisensorische Erfahrungen neu zu interpretieren und körperlich erfahrbar zu machen.
Jane Hwang hält einen B.F.A. vom Massachusetts College of Art and Design sowie einen M.A. in Kunst im Kontext von der Universität der Künste Berlin. Ihre Arbeiten wurden auf verschiedenen Plattformen gezeigt, darunter eine Einzelausstellung bei Artspace Hyeong in Seoul (2024), Screenings und Gruppenausstellungen beim 18. River Film Festival in Padua (2024), im CCA Berlin (2023), bei der Icelandic Visual Artists Association in Reykjavik (2020) sowie im Museum für Fotografie Berlin (2020).
Teil von PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)
Dissident Paths: Weltenwirbel
Mi, 13.8.25, 14:00–18:00 Uhr
Workshop, Spaziergang mit Kaspar Schmidt Mumm
Dieser Workshop richtet sich an Kinder im Alter von 5-16. Kinder müssen von einer erwachsenen Person begleitet werden.
Ort: Klassenzimmer der Zukunft Adresse: Alice Salomon Platz, Hellersdorf
Weltenwirbel ist ein partizipativer Workshop und eine Straßenperformance für Jugendliche und ihre Familien in Berlin-Hellersdorf. Am 13. August ziehen die Teilnehmenden mit einer Pappmaché-Skulptur von der station urbaner kulturen durch den Kiez. In mehreren Tagen der lokalen Begegnung sammelt Kaspar Geschichten aus dem Viertel und entwickelt daraus eine Führung, die sich auf lokale Erzählungen und Orte konzentriert. Diese Beiträge inspirieren Geschichten und Performances, die in eine öffentliche Parade durch Spielplätze und Freiräume eingebettet werden.
Gemeinsam laufen wir zu Spielplätzen und anderen Orten in Hellersdorf, während wir die mobile Skulptur schmücken und bespielen. An jeder Station werden Geschichten erzählt, Interventionen entfalten sich und spontanes Spiel entsteht – initiiert von den lokalen Jugendlichen. Das Projekt gipfelt in der freudvollen Zerstörung der Skulptur, bei der symbolische Gaben freigesetzt und gemeinschaftliche Räume zurückerobert werden. Durch kollektives Gestalten und Erzählen erforscht das Projekt spielerischen Protest als eine Form des öffentlichen Dialogs und des generationenübergreifenden Austauschs und entwirft jugendliche Räume neu – als Orte des Widerstands und gemeinschaftlicher Freude.
Der Künstler Kaspar Schmidt Mumm stammt aus drei Migrationsgenerationen auf beiden Seiten seiner Familie. Seit über zwei Jahrzehnten lebt und wirkt er in Australien, wo er als Sänger, Theaterpädagoge und Szenograf ein Kollektiv leitet. Kürzlich schloss er seinen Master in „Kunst im Kontext“ an der Universität der Künste Berlin ab. Seine künstlerische Praxis ist ein spielerischer Weltenbau, der Grenzen zwischen Kostüm, Musik, Skulptur und Bewegung auflöst. Durch Kostüme, Musik, Skulpturen, Bewegung und andere künstlerische Formen werden Autos zu Krokodilen, Lach-Chöre werden dirigiert, Roboter-Tamagotchis werden gebaut und Brotmasken gebacken.
Teil von PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)
Dissident Paths: Purgatory Society: A Liminal Walk
Teil 2
Fr, 15.8.25, 19:00–21:00 Uhr
Spaziergang mit Jane Hwang
Keine Anmeldung erforderlich
Treffpunkt: Glinkastraße 5–7, Mitte
Purgatory Society: Ein liminaler Gang ist eine prozessbasierte, ortsspezifische Performance, die sich von koreanischen Totenritualen inspirieren lässt und diese als öffentliches Ritual kollektiver Trauer neu interpretiert. In Form eines langsamen, körperlichen Gangs entlang symbolischer und realer Migrationsgrenzen, thematisiert das Projekt sowohl individuelle Verluste als auch das geteilte Leid marginalisierter Leben; vergessene Geschichten und kollektive Traumata. Trauer wird dabei als widerständige Praxis verstanden, als eine Strategie der Sichtbarmachung und Verkörperung von Verlust in einer Gesellschaft, die Räume des Trauerns systematisch verweigert. Purgatory Society begreift Trauer nicht als Ende, sondern als Ausgangspunkt für Solidarität und politisches Wieder-Engagement.
Der erste Teil des Projekts findet am 13.08. in Form eines partizipativen Workshops statt, in dem rituelle Objekte gemeinsam vorbereitet, Essen geteilt und Migrationsgeschichten ausgetauscht werden. Im Zentrum steht das Wiederbeleben traditioneller Praktiken, die häufig von Frauen getragen und weitergegeben wurden und in diasporischen Kontexten eine besondere Bedeutung tragen. Am 15.08. folgt der zweite Teil des Projekts als kollektive Prozession von der nordkoreanischen Botschaft bis zum Friedhof im Tiergarten. Diese Route entsteht situativ und in Resonanz mit der Dynamik der Gruppe sowie dem städtischen Raum. Die Prozession endet, wenn der gemeinsam gebraute Makgeolli, als Geste des Trostes für Geister und Lebende gleichermaßen geteilt wurde. Wir gehen, um zu trauern, zu erinnern und dem Vergessen zu widerstehen.
Jane Hwang ist eine in Berlin lebende Multimedia-Künstlerin, die forschungsbasierte Narrative nutzt, um die Schnittstellen von kollektivem Gedächtnis und Dokumentation zu erkunden. Ihr künstlerisches Interesse konzentriert sich insbesondere auf mündliche Überlieferungen, rituelle Praktiken, Archive, geopolitische Dynamiken sowie die sinnliche Wirkung historischer Funde, die sie in Film, Text und audiovisuellen Installationen verarbeitet. Sie erforscht Übergangsräume, in denen Grenzen verschwimmen und sucht nach Wegen, kollektive Erinnerungen durch multisensorische Erfahrungen neu zu interpretieren und körperlich erfahrbar zu machen.
Jane Hwang hält einen B.F.A. vom Massachusetts College of Art and Design sowie einen M.A. in Kunst im Kontext von der Universität der Künste Berlin. Ihre Arbeiten wurden auf verschiedenen Plattformen gezeigt, darunter eine Einzelausstellung bei Artspace Hyeong in Seoul (2024), Screenings und Gruppenausstellungen beim 18. River Film Festival in Padua (2024), im CCA Berlin (2023), bei der Icelandic Visual Artists Association in Reykjavik (2020) sowie im Museum für Fotografie Berlin (2020).
Teil von PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)
Dissident Paths: Wie fühlt sich Geschichte an? Ehemalige Denkmäler erzählen von ihrer Vergangenheit
Sa, 16.8.25, 14:00–17:00 Uhr
Workshop mit Lisa Klein, Marlene Oeken & Martha Schwindling
Taktile Führung und Gespräch in der Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ für blinde und sehbehinderte Menschen ab 16 Jahren.
Treffpunkt: Zitadelle Spandau (Torhaus)
Im Rahmen des Programms Dissident Paths: Walking Together as a Method der nGbK laden Lisa Klein, Marlene Oeken und Martha Schwindling zu einer taktilen Führung mit anschließender Diskussion durch die Ausstellung „Enthüllt – Berlin und seine Denkmäler“ ein. Gemeinsam ertasten und befragen wir ehemalige Denkmäler, die einst das Berliner Stadtbild prägten und heute im musealen Kontext vom Wandel kollektiver Erinnerung zeugen. Einst als Symbole politischer Macht errichtet, laden sie heute zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte, Erinnerung und ihrer materiellen Hinterlassenschaft ein.
Die Führung richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen ab 16 Jahren. Maximal 13 Teilnehmende. Bitte gib bei der Anmeldung an, ob Du von einer Begleitperson und/oder einem Assistenzhund begleitet wirst.
Lisa Klein ist Museologin und freiberufliche Kulturvermittlerin mit Sitz in Berlin. Sie hat von 2020 bis 2023 Museologie an der HTW Berlin studiert und arbeitet als Kunstvermittlerin in Institutionen wie der Zitadelle Spandau, dem Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité und dem Museum für Kommunikation. Ihr Schwerpunkt liegt auf inklusiver Vermittlung, insbesondere für blinde und sehbehinderte Menschen. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich beim ABSV (Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein).
Marlene Oeken und Martha Schwindling sind Designerinnen, Forscherinnen und Kuratorinnen. Sie lernten sich während ihres Designstudiums an der HfG Karlsruhe kennen und arbeiten seit 2022 gemeinsam. Zu ihren Auftraggeber_innen zählen unter anderem das Goethe-Institut, das Haus der Kulturen der Welt (HKW) Berlin, der Kunstverein München sowie die Kunsthalle Wien.
Ihre Arbeit im Innenraum- und Ausstellungsdesign übersetzt Ideen, Konzepte und strukturelle Zusammenhänge in physische Objekte und Räume. In ihrer kuratorischen Praxis erforschen sie das Verhältnis zwischen den Rahmenbedingungen und der Wahrnehmung von Design und Architektur und greifen dabei auf ihre gemeinsame Erfahrung als Gestalterinnen, Macherinnen und Forscherinnen zurück.
Besonderes Interesse gilt transdisziplinären Kooperationen mit Institutionen, Künstler_innen, Wissenschaftler_innen sowie Expert_innen des Alltags. Aus diesen Zusammenarbeiten entstehen Publikationen, Vermittlungsformate und Ausstellungen.
Marlene Oeken und Martha Schwindling leben und arbeiten in Berlin.
Teil von PATH 4: DECELERATE (alternative Zeitlichkeiten)
Dissident Paths: A Hard Rain
Do, 11.9.25, 19:00–20:00 Uhr
Performance: Eine Begegnung mit Liz Rosenfeld
Ort: Neue Wache, Mitte
Treffpunkt: am Eingang der Neuen Wache
Hinter der Neuen Wache in Berlin, einem Ort des staatlichen Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, liegt ein unscheinbarer Kastanienhain, ein Gelände, das seit über einem Jahrhundert als Cruising-Ort bekannt ist. Schon während des Ersten Weltkriegs (und vermutlich sogar noch früher) suchten hier Soldaten nach sexuellen Begegnungen.
Die Neue Wache selbst, ursprünglich zwischen 1816 und 1818 als Wachhaus errichtet, ist ein Ort der ernsten Reflexion und steht heute für kollektives Gedenken: In ihrem Inneren kniet Käthe Kollwitzs Mutter, die ihren toten Sohn im Arm hält – ein kraftvolles Bild, das die Sinnlosigkeit patriarchaler Kriege verkörpert.
In einer einstündigen performativen Begegnung aus Text und Gesang lenkt Rosenfeld die Aufmerksamkeit auf die vielschichtigen Geschichtsebenen dieses Ortes und stellt die Frage, was es bedeutet, sich an einem öffentlichen Denkmal zu versammeln, um über die Brutalität des Faschismus in einer Zeit globaler Kriege, von Völkermord, politischer Zensur, systemischer Gewalt und dem fortwährenden Drang zur Auslöschung queeren Lebens nachzudenken.
Liz Rosenfeld ist ein_e interdisziplinäre Künstler_in, die mit Performance, Bewegtbildern, Zeichnungen und experimentellen Schreibpraktiken arbeitet. Liz beschäftigt sich mit der Nachhaltigkeit emotionaler und politischer Ökologien, Cruising-Methoden sowie den Erzählungen von Vergangenheit und Zukunft, insbesondere im Hinblick darauf, wie Erinnerung queer verhandelt wird. In ihren Arbeiten geht es um Fleisch als nicht-binäres kollaboratives Material, wobei sie das Potenzial von körperlicher Fülle und Überfluss untersucht und Fragen zur Verantwortung und dem Privileg, Raum einzunehmen, aufwirft. Ihr auto-theoretisches Schreiben stellt Fragen zur Verankerung queerer Ontologien in vielfältigen, heuchlerischen Begierden. Liz’ erstes auto-theoretisches Buch „Crossings: Creative Ecologies of Cruising“, das sie gemeinsam mit Professor João Florêncio verfasst hat, wird 2025 bei Rutgers University Press veröffentlicht.
Teil von PATH 5: CRUISE (Cruising und queere Raumproduktion)
Dissident Paths: spread (after)
Sa, 13.9.25, 10:30–12:30 Uhr
After Party mit ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
Performance
Treffpunkt: Vor dem Späti „Zum Freund“, Herrfurthstraße Ecke Lichtenrader Straße
bring ein geschenk für die feier mit
die party ist vorbei, aber das muss sie nicht sein. „hat jemand einen schlüssel?“, ruft er mit heiserer stimme in die menge. alle warten, restlos, an einer gepflasterten straßenecke vor einem geschlossenen späti. „psssst!“ die sonne ist schon aufgegangen, ein plötzlicher morgen. niemand erinnert sich daran, wie man leise sein soll; alle versuchen zu flüstern, wie die nächsten stunden aussehen könnten – sollten – möchten.
ein konsens entsteht: „auf ewige freundschaft!“
wir (ist das ein neues „wir“? oder nur ein temporäres „uns“?) fangen an, gemeinsam zu spazieren. ist es eine parade oder ein trauermarsch? einige von uns sind hungrig und holen sich etwas fettiges–salziges; andere brauchen dringend eistee. natürlich kaufen wir ein frisches päckchen parisiennes. „lasst uns in den park gehen!“ schlägt jemand vor. dieses mal dort. nächstes mal hier. ein andermal woanders. „vergesst den schaumwein nicht“, kichert sie und stopft kleine rotkäppchen in ihren beutel. „ist das ein park oder ein friedhof?“ „errichten wir ein denkmal“ „alle sind verrückt!“ „ist das hier ein fest?“ „oder eine trauerfeier?“
auf dieses temporäre uns, auf freund_innen für immer.
Ashkan Sepahvand ist Künstler, Autor und Forscher. Er wurde in Teheran geboren, wuchs in Tulsa (USA) auf und lebt und arbeitet heute zwischen London und Berlin. Seine künstlerische Praxis ist prozessorientiert und braucht Zeit. Sie manifestiert sich in Performances, Publikationen und kontinuierlichen Kollaborationen mit Freund_innen. Gemeinsam mit virgil b/g taylor bildet er das Duo ssssSssssssss, eine experimentelle Studienfreundschaft.
virgil b/g taylor ist Künstler und faggot in Berlin. In seiner Arbeit beschäftigt er sich mit Geschichten von Fürsorge, Krise, Ausschluss und Toxizität. Er gibt das spekulative Online-Zine FAG TIPS heraus und bildet mit Ashkan Sepahvand die zweite Hälfte von ssssSssssssss.
ssssSssssssss (13 „s“, eines davon willkürlich großgeschrieben) ist eine Praxis des Teilens, Studierens und Stärkens durch und innerhalb von Freundschaft. Die Zusammenarbeit ist meist ungezwungen, immer undiszipliniert und oft unsichtbar. ssssSssssssss arbeitet mit dem Konzept der spread, im Sinne von Streuung, Festlichkeit und Seiten (als Druckseiten, als Räume, als Beziehungen). Die Praxis bewegt sich zwischen realen und imaginären Räumen, in denen Begegnung möglich wird.
ssssSssssssss hat unter anderem am Matadero Madrid, im Nottingham Contemporary und am Institute for Contemporary Art der Virginia Commonwealth University gearbeitet und wurde dort eingeladen.
ssssSssssssss existiert als geteilte Praxis zwischen Ashkan Sepahvand und virgil b/g taylor. Es wird wie ein zischendes „s“ ausgesprochen.
Teil von PATH 5: CRUISE (Cruising und queere Raumproduktion)
Dissident Paths: Slobber Moss Pee
Sa, 20.9.25, 18:00–21:00 Uhr
Treffpunkt: Habermannsee, Marzahn
Slobber Moss Pee untersucht die verflochtenen Beziehungen zwischen räumlichen Gefügen, landschaftlichen, wie urbanen, sichtbaren wie verborgenen und ihren diversen Bewohner_innen. Die Arbeit folgt den flüchtigen Spuren dieser Interaktionen und verortet sich konzeptuell im Denken von Karen Barads Intra-Aktion, in Laura U. Marks’ haptischer Ästhetik des Bildes sowie in den ökosexuellen Praktiken von Annie Sprinkle und Beth Stephens.
Durch das Collagieren und Remixen von eigenem und gesammelten audiovisuellen Material entsteht ein immersives Ökosystem, das über die Funktion eines Archivs hinausgeht und als Werkzeug sensorischer Aktivierung wirkt. Eine ortsspezifische Projektion am Kaulsdorfer Baggersee, dem Habermannsee, macht die Landschaft zur Leinwand und die Leinwand zum Teil der Landschaft. Kunstwerk, Naturraum und Zuschauer_innen treten in ein intra-aktives Beziehungsgefüge. Vogelrufe, Windrauschen, Stimmen und das Echo des Wassers verweben sich dabei mit der audiovisuellen Arbeit.
Der See, ein Ort nackter Körper, flüchtiger Intimitäten und queerer Cruising-Praktiken wird zur Schnittstelle von Pixeln, Zelluloid, Haut, Würmern, Fischen, Urin, Algen und Erinnerungen. In dieser Verdichtung lösen sich die Grenzen zwischen Medium, Umwelt und Körper auf und es entwicklet sich ein poröses Sensorium aus Berührung, Transformation und zärtlichem Ungewiss.
Pol Merchan ist Künstler, Filmemacher und Kurator des Xposed Queer Film Festivals in Berlin. Er studierte Bildende Kunst an der Universität Barcelona und absolvierte anschließend den Masterstudiengang Art in Context an der Universität der Künste Berlin. Seine künstlerische Praxis ist im Feld des audiovisuellen Mediums verortet und wird wesentlich von queeren, trans* und feministischen Theorien und Praktiken geprägt. In der experimentellen Auseinandersetzung mit analogen Formaten sowie durch Strategien der Aneignung und Collage lotet Merchan die Grenzen zwischen Historio- und Autobiografie, Fiktion und dokumentarischem Erzählen aus. Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und auf zahlreichen Festivals präsentiert, unter anderem im Museo Reina Sofía (Madrid), im Centre d’Art La Panera (Lleida), beim International Film Festival Rotterdam (IFFR), bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, dem Lichter Art Award (Frankfurt) sowie dem Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest.
Teil von PATH 5: CRUISE (Cruising und queere Raumproduktion)
September 2025
Dissident Paths: Silent Networks
So, 19.10.25, 09:30–18:00 Uhr
Spaziergang mit Gabriel Francisco Lemos
Treffpunkt: Ostkreuz Station, Gleis 1
Naturräume eröffnen vielfältige Möglichkeiten für spontane Begegnungen, darunter Interaktionen mit Pflanzen, Tieren und atmosphärischen Phänomenen sowie differenzierte Modi der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und sinnlichen Verbindung. Der Wald stellt dabei ein besonders vielschichtiges Erfahrungsfeld dar, als ein dichtes Geflecht akustischer, visueller und olfaktorischer Reize, das individuelle wie kollektive Prozesse der Orientierung, Erkundung und inneren Bewegung anstößt.
Als biologisches wie symbolisches Netzwerk verweist das Myzel, das unterirdische Geflecht der Pilze auf dezentrale Formen von Verbindung, Kommunikation und Transformation. Vergleichbare Impulse finden sich in der künstlerischen Praxis von John Cage, dessen offene Kompositionsweise, Arbeit mit Zufall und Stille sowie seine lebenslange Faszination für Pilze zentrale Aspekte seines Denkens und Schaffens prägen. „Ich habe viele angenehme Stunden im Wald damit verbracht, Aufführungen meiner stillen Stücke zu leiten“, bemerkte Cage über seine Wanderungen durch die Wälder von Stony Point (USA), auf denen er nicht nur Pilze sammelte, sondern auch seine klanglichen Denkfiguren erprobte. Inspiriert von dieser Haltung bildet die Verbindung zwischen Cages kompositorischer Praxis, seiner Wahrnehmungsschulung und der kontemplativen Naturerfahrung den konzeptuellen Ausgangspunkt für den diesjährigen Silent Networks Walk.
Als Referenzpunkt für ein Hören jenseits des komponierten Klangs fungiert John Cages Werk 4’33’’ (1952), auch eine Einladung, die Umgebung als offene Partitur zu begreifen. Die Teilnehmenden sind dazu aufgefordert, in Selbstreflexion und Resonanz eigene Verbindungen zwischen künstlerischer Praxis, Naturbeobachtung und Formen aufmerksamer Wahrnehmung zu entwickeln.
Der Walk umfasst kollektive Hörübungen, die Aufführung „stiller Stücke“ sowie die gemeinsame Bestimmung und Beobachtung von Pilzen. Teilnehmende sind eingeladen, Aufnahmegeräte, Kameras, Notizbücher oder andere für ihre Praxis relevanten Werkzeuge mitzubringen. Es sollen damit individuelle Strategien entwickelt werden, wie sich naturbasierte Achtsamkeitserfahrungen und experimentelle Wahrnehmungsmodi in gestalterische, performative oder forschende Prozesse übertragen lassen.
Gabriel Francisco Lemos (geboren 1988 in Brasilien, lebt in Berlin) ist ein multimedialer Künstler, Komponist und Pädagoge mit einem Schwerpunkt auf Kollaboration und Mutualismus. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Klangkomposition, Technologie sowie gesprochener und geschriebener Sprache und finden sich in Formaten wie Performance, Video, Print, Installation, Vortrag und multimedialer Konstellation.
Als freiberuflicher Dozent unterrichtet er elektronische Musikkomposition und Performance. Eine besondere Faszination hat er für Pilze, sowohl als biologische Lebensformen als auch als Metaphern für vernetzte Wissensökologien. Aktuell experimentiert Lemos mit neuronaler Synthese in der generativen Klangkunst und entwickelt hybride Erzählformate, die Aufmerksamkeit als Praxis sowie Beziehungen zwischen Menschen, Objekten und anderen Lebensformen ins Zentrum rücken. Seine künstlerische Forschung kreist um die kreativen Potenziale und gesellschaftlichen Implikationen von Wissenssystemen innerhalb ästhetischer Prozesse und Reflexionsformen.
Seine Arbeiten wurden auf internationalen Festivals und Veranstaltungen in Brasilien, Großbritannien, Chile, den Niederlanden, Deutschland, Monaco und Portugal präsentiert.
Dissident Paths: Love Made Her Mouth a Weapon; Her Throat Held a Thousand Graves
So, 26.10.25, 15:00 Uhr Typ: Sound Performance Sprachen: Englisch Ort: Fußgängerunterführung Leipziger Straße Eintritt: frei Veranstalter_in: neue Gesellschaft für bildende Kunst
mit Lauryn Youden (feat. Dylan Kerr)
Anmeldung erforderlich.
Treffpunkt: Fußgängerunterführung Leipziger Straße: Google-Koordinaten
Dauer: vorraussichtlich 30 Minuten
Love Made Her Mouth a Weapon; Her Throat Held a Thousand Graves (Liebe formte ihren Mund zu einer Waffe; ihre Kehle barg tausend Gräber) ist eine ortsspezifische Intervention, die den Einsatz akustischer Waffen als Form des Widerstands und als Trauerpraxis untersucht; verwurzelt in verkörperter Trauer und kollektiver Fürsorge. Vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs von Unterstützungsstrukturen für chronisch kranke und behinderte Communities, während die Maschinerie des Faschismus erneut erstarkt und Systeme der Fürsorge zunehmend durch die Gewalt des Ableismus ersetzt werden - rückt die Arbeit die Notwendigkeit von Widerstandsformen in den Vordergrund, welche weder Schaden noch Ausschluss reproduzieren. Dabei stehen chronisch kranke und behinderte Körper und Stimmen im Zentrum. Die Arbeit eignet sich Stimme, Atem und Schrei als Werkzeuge der Störung und Unterbrechung an, als radikal zugängliche Technik, die aus der Erfahrung von Behinderung selbst hervorgehen. Wenn Pflegesysteme kollabieren und strukturelle Gewalt sich verschärft, wird Klang zur Überlebenspraxis. Verletzlichkeit wird zur Resonanz.
Credits:
Performer_innen: Lauryn Youden and Dylan Kerr
Musikalische Komposition: Dylan Kerr
Instrumentenbau (in Zusammenarbeit): Lauryn Youden, Emilio Gomez Ruiz and Nicole Ollin von Nasu Alfar, Mexico City
Produktionsunterstützung: Cornelia Isaksson
Lauryn Youden ist eine kanadische Bildhauerin, Dichterin sowie Performance- und Installationskünstlerin. Ihre Praxis gründet in der Erforschung und kritischen Auseinandersetzung mit dem medizinisch-industriellen Komplex, kolonialer Medizin, sogenannten „alternativen“ Heilverfahren und traditionellen Heilpraktiken, die sie zur Behandlung ihrer eigenen chronischen Krankheiten und Behinderungen heranzieht. Durch die öffentliche Präsentation ihrer persönlichen Erfahrungen und queer-cripper Neubewertungen von Geschichte beleuchtet und verteidigt ihre Arbeit unterdrückte, marginalisierte und vergessene Formen radikaler Fürsorge und Crip-Wissens. Youden ist derzeit Teilnehmerin des BPA // Berlin Program for Artists und war kürzlich Artist-in-Residence bei Nasu Alfar in Mexiko-Stadt.
Teil von PATH 5: CRUISE (Cruising und queere Raumproduktion)
Dissident Paths: Traces
Do, 26.2. – Sa, 28.2.26
Veranstaltungsreihe, Buchpräsentation
Was bleibt von kollektiven Bewegungen?
TRACES versteht sich als Sammlung von Wegen, Erinnerungen und Praktiken von Dissident Paths. Über drei Tage werden Fragmente und Prozesse der gemeinsamen Spaziergänge sowie des kollaborativen Arbeitens durch Künstler_innen des Programms zusammengetragen und vor Ort weiterentwickelt. Im Rahmen dieses Zusammenkommens werden verschiedene künstlerische Spuren in Workshops, Performances, Präsentationen und gemeinsamen Mahlzeiten miteinander verwoben. Neben zahlreichen vor Ort stattfindenden Beiträgen wird dabei auch die Publikation Walk Notations vorgestellt.
TRACES markiert damit den öffentlichen Abschluss von Dissident Paths: Walking Together as a Method, einem einjährigen kuratorischen Projekt, das sich über künstlerische dérive-Praktiken in den Stadtraum Berlins eingeschrieben hat. Zwischen Mai und Oktober 2025 wurden unterschiedliche Teile der Stadt durch insgesamt 23 Spaziergänge aktiviert, angeleitet von Künstler_innen, Stadtforscher_innen, Kollektiven, Dichter_innen und Kulturtheoretiker_innen. Diese Formate luden unterschiedliche Öffentlichkeiten dazu ein, sich gemeinsam entlang gewohnter, kartierter, imaginierter und noch zu entdeckender Pfade zu bewegen. Gehen fungierte dabei zugleich als Notwendigkeit und als disruptive Geste: Es machte Barrieren sichtbar, verschob etablierte Infrastrukturen und eröffnete Räume für alternative Formen von Zugehörigkeit sowie kollektiver Handlungsfähigkeit.
Statt Gehen lediglich als Mittel der Fortbewegung zu verstehen, untersuchte das Projekt, welches Wissen durch gemeinsames Bewegen, veränderte Tempi und eine aufmerksame Hinwendung zu den Geschichten der Stadt entsteht. Jeder Spaziergang reagierte auf spezifische gesellschaftspolitische Diskurse und erprobte erweiterte Formen des Gehens – Performances, Lesungen, Open-Air-Filmvorführungen, Klanginterventionen, Foraging, Workshops für Kinder und Erwachsene, Brettspielen oder After-Partys. Diese Begegnungen im öffentlichen Raum wurden im ersten Projektteil unter dem Titel PATHS zusammengefasst. TRACES versteht sich nun als Möglichkeit, die gegangenen Wege zu erinnern, zu reflektieren, weiterzudenken und fortzuschreiben.
Die Publikation Walk Notations setzt die unterschiedlichen Praktiken zueinander in Beziehung. Einige der beteiligten Künstler_innen und Kurator_innen haben Beiträge in Form von Essays oder Interludien verfasst (darunter Zeichnungen, Skizzen, Partituren, Gedichte, Performanceskripte und Notizen) und schreiben das Projekt damit über seine ursprünglichen Formate hinaus fort.
Ob dokumentarisch, als materielle Artefakte, textliche Reflexionen, in Klang, Bild oder noch nicht definierten Ausdrucksweisen, diese vielschichtigen Arbeiten werden im Rahmen des öffentlichen Programms TRACES in der nGbK geteilt.
Mitwirkende: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, Esquina Caliente, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach
Grafikdesign: Paula Buškevica
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds
Informationen in Leichter Sprache und DGS
Dissident Paths: Traces (Tag 1)
Do, 26.2.26, 18:00–22:00 Uhr
Buchpräsentation, Workshop, Performance, Gemeinschaftsessen
Eröffnungsprogramm
18:00–19:00 Uhr + 21:00–22:00 Uhr
Printing for Abolition mit Rüzgâr Buşki
Während der Eröffnung und im Verlauf des dreitägigen Programms stellt Rüzgâr Buşki live eine neue Auflage von 400 Siebdrucken her. Die Drucke sind auf das Format der Publikation Walk Notations abgestimmt. Die Besucher_innen sind eingeladen, gemeinsam mit Rüzgâr zu drucken und die Blätter anschließend in ihr Exemplar der Publikation einzulegen. Dieses Ritual soll all jene würdigen, die in Berlin standhaft geblieben sind, um ihre Grundrechte gegen Polizeigewalt auszuüben.
19:00–20:00 Uhr
Walk Notations Buchpräsentation
Walk Notations versammelt die Spuren des Projekts Dissident Paths: Walking Together as a Method, einer Reihe künstlerische Spaziergänge, die 2025 durch Berlin führten. Das Buch umfasst künstlerische Praktiken, kuratorische Gespräche und Reflexionen, die das Gehen als eine Methode verstehen, sich gemeinsam im öffentlichen Raum zu bewegen. Einige Beiträge greifen spezifische Orte und Gesten wieder auf; andere holen weiter aus, motiviert durch persönliche Erinnerungen, Archivrecherchen, theoretische Analysen oder spekulative Fiktionen. Walk Notations ist als portable Begleitlektüre konzipiert und lädt die Leser_innen ein, sich anders durch die Stadt zu bewegen – mit Achtsamkeit für Umwege, Schwellen und Möglichkeiten, die entstehen, wenn man gemeinsam statt alleine geht.
Die Kurator_innen der Gruppen ReRouting und Cruising Curators stellen das Buch zur Eröffnung von TRACES vor.
20:00–21:00 Uhr
a-mal-a-malgam mit Yasmeen Al-Qaisi
Mit Getreiden und Geschichten lädt Yasmeen Al-Qaisi uns ein, das Fasten zu brechen und Leben in unsere Bäuche aufzunehmen. a-mal-a-malgham ist eine arabisch-englische Wortschöpfung. Sie steht zugleich für eine Masse (الملغم al-malgham, Amalgam) und eine Mischung aus Hoffnung (أمل amal). Durch das gemeinsame Mahl rufen wir die Süße von Blumen, Früchten und Gewürzen an, als Schutz gegen jene zerstörerischen Reinheitsansprüche der Politik, die unsere Umwelten beherrschen. Wie schon zuvor ruft Iazmin das Wissen und die Kraft unserer Großmütter und Getreide-Mütter auf und lädt die Gäste dazu ein, ihre ursprünglichsten Werkzeuge, ihre Hände, zu nutzen und Absichten wie Wünsche in den gemeinsamen Akt des Essens einzubringen. Rezeptlos, pan-kulinarisch, weltumspannend.
TRACES-Installation
Über das dreitägige Programm hinweg teilen einige Künstler_innen physische Spuren ihrer Spaziergänge, aus denen gemeinsam mit Forschungsmaterial aus der Bibliothek der Kurator_innen eine kollektive Installation entsteht.
Mit Beiträgen von: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, Esquina Caliente, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach
Dissident Paths: Traces (Tag 2)
Fr, 27.2.26, 18:00–22:00 Uhr
Workshop, Performances, Filmscreening, Gemeinschaftsessen
Die TRACES-Installation ist ab 12 Uhr für Besucher_innen geöffnet.
18:00–19:00 Uhr
Printing for Abolition with Rüzgâr Buşki
Während der Eröffnung und im Verlauf des dreitägigen Programms wird Rüzgar Buşki live im Siebdruck eine neue Auflage von 400 Drucken herstellen. Die Drucke sind auf das Format der Publikation Walk Notations abgestimmt. Ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizukommen und gemeinsam mit Rüzgar zu drucken und die Blätter anschließend in euer Exemplar der Publikation einzulegen. Versteht dies als ein Ritual – ein Moment, um all jene zu würdigen, die in Berlin standhaft geblieben sind, um ihre grundlegenden Rechte gegen Polizeigewalt auszuüben.
19:00–19:30 Uhr
Harbouring Voices: Rhythms of Transit mit Nour Sokhon
Diese Performance versteht sich als Live-Komposition aus aufgezeichneten Schritten, Gehrouten, körperlichen Gesten und räumlichen Markierungen, die vor Ort gesammelt wurden. Aufgenommene Stimmen und geflüsterte Antworten von Teilnehmenden des Workshopprogramms von Dissident Paths bilden eine stimmliche Ebene innerhalb der Partitur - als Rhythmen, Einsätze und klangliche Auslöser, die die Performance in Echtzeit anleiten. Auch die Anwesenheit des Publikums spielt eine aktive Rolle: Zuhören, Bewegung und stimmliche Reaktionen beeinflussen Timing, Dichte und Verlauf des Stücks. Jede Aufführung bleibt offen und reagiert auf den jeweiligen Ort und die anwesenden Körper. Die 2021 durch eine ortsspezifische Intervention in Beirut initiierte Arbeit ist Teil eines fortlaufenden partizipativen Forschungsprojekts, das sich in Live-Performances entfaltet. Diese frühe Recherche legte den Grundstein für eine umfassendere Werkreihe, die Stimme, Raum und kollektives Zuhören in von Bruch und Transit geprägten Kontexten untersucht. Die aktuelle Work-in-Progress-Version entstand aus einem Sound-Workshop, der im Juni 2025 im Rahmen von Dissident Paths im Berliner Westhafen stattfand. Sie markiert eine Verschiebung von kollektiver Feldforschung hin zu einer performativen Partitur.
Mit Dank an die Teilnehmenden des Workshops Harbouring Voices Westhafen sowie an Augusto Gerardi Rousset für die Unterstützung der Aufnahmen vor Ort.
19:45–20:30 Uhr
Biased noise, aural justice mit Saverio Cantoni und Dana Cermane
Die Performance Biased noise, aural justice von Saverio Cantoni und Dana Cermane überträgt gesprochene Worte und klangliche Improvisation in Gebärdensprache. Die Arbeit verwebt persönliche Erfahrung und gelebte Realität und verhandelt Fragen klanglicher Gerechtigkeit in flüchtiger Improvisation und transtemporalem nächtlichem Erzählen. Aus einer Ästhetik des Zugangs heraus gedacht, wird Klang nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar gemacht: Gesprochene Worte (auf Englisch) werden live untertitelt und von Sound-Captions sowie einem spektralen Visualizer begleitet. Die simultane Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) wird von Dana Cermane gestaltet. Einige Klänge können laut oder rau sein; Ohrstöpsel und Ballons stehen zur Verfügung, ruhige Bereiche sind zugänglich, und das Publikum kann sich frei bewegen, den Raum verlassen oder sich nach eigenem Wunsch einbringen.
20:30–21:00 Uhr
a-mal-a-malgam mit Yasmeen Al-Qaisi
Anknüpfend an ihre eröffnende Food-Performance wird Yasmeen uns über das gesamte Programm hinweg mit verschiedenen Gerichten und Desserts versorgen, die mit ihrem Konzept von a-mal-a-malgam verbunden sind – einer arabisch-englischen Wortschöpfung, die sowohl für eine Masse (الملغم al-malgham, Amalgam) als auch für eine Mischung aus Hoffnung (أمل amal) steht. Siehe TRACES Tag 1 für alle Details zur Food-Performance.
21:00–22:00 Uhr
The Muscles Are Tense mit Mahshid Mahboubifar
Der aus Archivaufnahmen der Palästina-Proteste in Berlin im Jahr 2024 zusammengesetzte Filmessay rückt die Polizeikamera ins Zentrum – als Instrument der Aufzeichnung und Archivierung protestierender Körper – ebenso wie den Körper der Protestierenden selbst: den leiblichen Kampf darum, sich die Straße anzueignen, und die Ausgesetztheit dieser Körper gegenüber polizeilicher Überwachung und Gewalt. Es entsteht eine Komposition des öffentlichen Raums, in der die historischen Ursprünge der Polizei, ihre Militarisierung und ihre rassifizierende Zielrichtung sichtbar werden.
16 Min., Englisch/Deutsch/Arabisch mit dt. UT
Mit einer Einführung durch die Künstlerin und einem Q&A.
TRACES-Installation
Über das dreitägige Programm hinweg teilen einige Künstler_innen physische Spuren ihrer Spaziergänge in Form einer kollektiven Installation, verbunden mit Forschungsmaterial aus der Bibliothek der Kurator_innen.
Beiträge von: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, Esquina Caliente, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach
Dissident Paths: Traces (Tag 3)
Sa, 28.2.26, 12:00–22:00 Uhr Workshops, Performances, Lesungen, Gespräche, Gemeinschaftsessen, DJ-Set
Workshops, Performances, Lesungen, Gespräche, Gemeinschaftsessen, DJ-Set
Printing for Abolition mit Rüzgâr Buşki
Während der Eröffnung und im Verlauf des dreitägigen Programms wird Rüzgâr Buşki live im Siebdruck eine neue Auflage von 400 Drucken herstellen. Die Drucke sind auf das Format der Publikation Walk Notations abgestimmt. Ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizukommen und gemeinsam mit Rüzgar zu drucken und die Blätter anschließend in euer Exemplar der Publikation einzulegen. Versteht dies als ein Ritual – ein Moment, um all jene zu würdigen, die in Berlin standhaft geblieben sind, um ihre grundlegenden Rechte gegen Polizeigewalt auszuüben.
12:00–13:00 Uhr
TRACES Walk-Throughs
auf Deutsch & Englisch
Parallele Walk-Throughs für Kinder und Erwachsene führen durch den Raum von TRACES und überschneiden sich stellenweise in spielerischen Momenten. Das gemeinsame Gehen wird zur Vermittlungsmethode: zur Reflexion, zur Kontextualisierung des Gesamtprojekts und zur Aktivierung des Raums – einschließlich unserer Kids’ Corner.
13:00–14:00 Uhr
Wie fühlt sich Geschichte an? mit Marlene Oeken & Martha Schwindling
In diesem von Marlene Oeken und Martha Schwindling begleiteten Töpferworkshop tauschen die Teilnehmer_innen Erlebnisse und Gedanken zu materieller Erinnerungskultur aus und versuchen, Denkmäler aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sicht- und greifbar zu machen.
Der Workshop wird auf Deutsch angeboten und richtet sich an alle Personen ab 16 Jahren.
14:00–15:30 Uhr
Mind the Gap: From Critical Thinking to Epistemic Disobedience mit Suelen Calonga
Mind the Gap untersucht die Grenzen kritischen Denkens als dominierende Sprache der Reflexion in Kunst- und Kulturinstitutionen. Ausgehend von vertrauten Formen der Kritik fragt der Workshop, was geschieht, wenn Aufmerksamkeit auf Lücken, Abwesenheiten und Schweigen statt auf vollständige Erklärungen gerichtet wird. In Anlehnung an künstlerische Praktiken, die sich Klassifizierungen entziehen und an den Rändern der Lesbarkeit operieren, versteht die Sitzung epistemischen Ungehorsam als eine Verschiebung hin zur Frage, wie Wissen produziert, validiert und zirkuliert wird – und wer als wissendes Subjekt anerkannt wird.
15:30–16:00 Uhr
Pause to Question: A Monument to Migration mit Alternative Monument
Alternative Monument fragt, was ein Denkmal der Migration sein kann, für wen es gedacht ist und was es in die Zukunft tragen kann. Die Aktivierung lädt dazu ein, Teil dieser fortlaufenden kollektiven Recherche zu werden. Durch eine Reihe sanfter Fragen werden die Teilnehmer_innen dazu ermutigt, Antworten zu teilen, die in den Prozess der Denkmalentwicklung der Gruppe einfließen. Als bewusste Zäsur innerhalb des Tagesprogramms nimmt die Aktivierung die Form eines poetischen Intermezzos an, bei dem Lokum-Süßigkeiten zu Tee und Kaffee gereicht werden.
16:30–17:30 Uhr
Conversation with the FriendsssssssssSsss mit ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
Die Künstler_innen Ashkan Sepahvand und virgil b/g taylor, die gemeinsam das Kollektiv ssssSssssssss bilden, reflektieren ihren Spaziergang spread (after), der Teil des Programms Dissident Paths war. Als Mischung aus After-Party und Manifest der Freundschaft werden in diesem informellen Couch-Gespräch die Konzepte und Kollaborationen geteilt, die zur Entstehung des Spaziergangs geführt haben.
17:00–18:30 Uhr
Crossings: a deep listening encounter mit Liz Rosenfeld
Eine perfomative Lesung von Liz Rosenfeld aus demgemeinsam mit João Florêncio verfassten Buch Crossings: Creative Ecologies of Cruising. Crossings ist ein kreativer Dialog zwischen eine_m_r queeren Künstler_in und eine_m_r queeren Akademiker_in, der an Erfahrungen des Cruisings erinnert und mit ihnen weiterdenkt. Das Buch nimmt queere Sexualpraktiken und -kulturen ernst als Formen des Wissens und der Weltgestaltung. Es handelt sich um eine kollaborative auto-theoretische Arbeit zwischen queeren Wahlverwandten, die Cruising über seine homonormativen Strukturen hinaus untersucht und als eine Weise versteht, mit dem Körper zu denken und über Sexualität zu kommunizieren.
18:30–19:30 Uhr
Embracing The Eternal Present: Crossing Thresholds, Holding Connections mit hand breast heart kollektiv
In dieser Performance und Zusammenkunft begibt sich das Publikum auf eine kathartische Reise, getragen von der Energie kollektiver Heilung und dem Versprechen einer neuen Zukunft. Durch Poesie, Bewegung und Klang soll ein Portal entstehen, das Trauer in Freude verwandelt. Die Session knüpft an den Spaziergang Crossing Thresholds, Holding Connections aus dem Programm Dissident Paths an – einen Spaziergang, der die Vergangenheit wiederaufgriff, um neue Anfänge zu ermöglichen, in denen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft miteinander verschmelzen.
19:30–20:00 Uhr
Notes from Beneath the Surface mit Gabriel Francisco Lemos
In dieser performativen Lesung erweitert Gabriel Francisco Lemos seinen Essay Silent Networks zu einem gesprochenen, klanglichen und poetischen Feld. Zwischen Erinnerung, Sammeln, Pilzökologien und veränderter Wahrnehmung entfaltet sich der Text als Konstellation persönlicher und ökologischer Begegnungen. Begleitet von einer Live-Sound-Performance erkundet die Lesung Pilze nicht nur als biologische Organismen, sondern als Lehrende der Aufmerksamkeit, der Vergänglichkeit und der Verflechtung. Stimme und Klang verweben sich langsam miteinander und erlauben der Sprache zu zerfallen, nachzuhallen und sich neu zusammenzusetzen. Die Performance lädt das Publikum ein, mit dem Körper zu hören, ohne Eile zu folgen und das Sammeln als eine Kunst des Zusammenlebens statt der Extraktion zu begreifen. Sie ist eine Einladung, in einen Gedanken einzutreten, der älter ist als Sprache, und sich daran zu erinnern, dass auch wir nur temporäre Fruchtkörper von etwas Größerem sind.
20:00–20:30 Uhr
a-mal-a-malgam mit Yasmeen Al-Qaisi
Anknüpfend an ihre eröffnende Food-Performance wird Yasmeen uns über das gesamte Programm hinweg mit verschiedenen Gerichten und Desserts versorgen, die mit ihrem Konzept von a-mal-a-malgam verbunden sind – einer arabisch-englischen Wortschöpfung, die sowohl für eine Masse (الملغم al-malgham, Amalgam) als auch für eine Mischung aus Hoffnung (أمل amal) steht. Siehe TRACES Tag 1 für alle Details zur Food-Performance.
20:30–22:00 Uhr
DJ-Set mit Esquina Caliente
Pablo Santacana López, aka Esquina Caliente, ist ein in Berlin und Madrid lebender interdisziplinärer Künstler, Forscher und DJ, dessen Praxis Architektur, Performance und Klangkulturen umfasst. Gemeinsam mit Paula Caldiorla, aka dj_lava, kuratiert er Esquinas Calientes, eine Reihe, die diasporische Sounds wie Reggaetón und Perreo in queeren Clubräumen zurückerobert und das weiße Techno-Monopol im Berliner Nachtleben herausfordert.
Seine Forschung untersucht Clubkultur als gemeinschaftsbildende Infrastruktur, kritisiert das Techno-Mythenbild (veröffentlicht in Contemporary& (2019) und Arch+ (2020)), zeichnet Vermächtnisse der DDR-Clubkultur im HKW The Whole Life Archive (2022) nach und verstärkt queere klangliche Vielfalt durch Projekte bei Gallery Lite-Haus (2020), Kaltblut Magazine (2020) sowie mit Poligonal Berlin (2024).
TRACES-Installation
Über das dreitägige Programm hinweg teilen einige Künstler_innen physische Spuren ihrer Spaziergänge in Form einer kollektiven Installation, verbunden mit Forschungsmaterial aus der Bibliothek der Kurator_innen.
Beiträge von: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, Esquina Caliente, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach
Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds