Open Archive for Urbanism – Was ist, kann und soll Stadt?
Ort:
station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin (Eingang Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e.V.)
Künstler:innen:
Manfred Butzmann, Michele Galassi, Thierry Géhin, Sonya Schönberger, Sudden Starlings Collective, Sinta Werner/Markus Wüste
nGbK-Arbeitsgruppe station urbaner kulturen:
Juan Camilo Alfonso, Jochen Becker, Eva Hertzsch, Constanze Musterer, Adam Page, Katharina Ziemke
Stadt ist immer im Werden und immer im Vergehen, das Verständnis von Stadt als Prozess eröffnet Momente des Dazwischengehens und Möglichkeiten, einen Lebensraum aktiv mitzugestalten.
Im Mittelpunkt der Ausstellung Open Archive for Urbanism – Was ist, kann und soll Stadt? steht eine modulare Bibliothek zu den Themen Stadt, Wohnen, Nachbarschaften, Arbeitsmigration, Platte und Großsiedlung sowie Peripherie und Zentrum. Ausgewählte Texte, Recherchen und Publikationen bieten eine historische Grundlage und zeigen, wie Orte, Gesellschaften und Nachbarschaften bis heute geformt werden. Gleichzeitig geben sie Einblicke in aktuelle Debatten und Forschungen zu Stadtentwicklung und urbanem Leben.
Die Besucher:innen sind eingeladen, die Bibliothek zu nutzen und die Anordnung der Bücher zu verändern. Durch diese neuen Zusammenstellungen entstehen andere Kontexte und Perspektiven – und können so zum Ausgangspunkt für Gespräche, Diskussionen und weitere Fragen werden.
Künstlerische Positionen ergänzen das offene Wissenssystem und ermöglichen unmittelbare Erfahrungen sowie überraschende Perspektiven. Die Arbeiten bewegen sich zwischen Spurensuche, poetischer Verdichtung und kritischer Beobachtung. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten sie Stadt als Bild und Wahrnehmungsraum, als gebaute Architektur, als Gefüge sozialer Beziehungen und als Projektionsfläche gesellschaftlicher Vorstellungen und Konflikte.
Thierry Géhin richtet den Blick auf Schwellenräume und das Verhältnis von Drinnen und Draußen, Sichtbar und Unsichtbar, Öffentlich und Privat – und dem schmalen Grat individueller Gestaltung in vorgegebenen Gefügen. Die Wahrnehmung von architektonischer Gleichförmigkeit hinterfragt Sinta Werner mit ihren Verschiebungen von Blickwinkeln. Mit bewusst einfachen geometrischen Strukturen unseres gebauten Alltags macht sie deutlich, dass unser Wissen über gebaute Formen ein unvoreingenommenes Sehen kaum zulässt. Im Kontrast hierzu stellt Michele Galassi ein Wohnprojekt für andere Lebensrealitäten vor und impliziert damit Fragen nach Ausschlüssen, Anpassung und Chancen in einer Mehrheitsgesellschaft.
Von einstigen Visionen, Versprechen und Enttäuschungen könnten die quasi-archäologischen Spurenfunde der ersten Bewohner_innen des sogenannten Ostseeviertels von Neu-Hohenschönhausen von Sonya Schönberger erzählen. Zwischen Funktion, Dekorum und Aneignung untersucht hingegen das Sudden Starlings Collective körperlich die aus der DDR stammenden freistehenden Beton-Trennwände der Künstlerin Gertraude Pohl. Damals wie heute aktuell verweisen dazu die Plakate von Manfred Butzmann auf urbane Konflikte und Aushandlungsprozesse im Stadtraum und erinnern daran, dass Fragen nach öffentlichem Raum, Teilhabe und Gestaltung der Stadt immer auch politisch verhandelt werden.
Im Zusammenspiel mit der Bibliothek entsteht so ein offenes Archiv urbaner Erfahrungen: ein Gefüge aus Recherche, künstlerischer Reflexion und öffentlicher Aneignung. Mit einem breiten Veranstaltungsprogramm lädt es dazu ein, Stadt nicht nur als gegebene Struktur zu betrachten, sondern als fortwährenden Aushandlungsprozess darüber, was sie ist, was sie sein kann – und was sie sein soll.
Ab dem 25.07. ist im Schaufenster ein Appendix zur Ausstellung zu sehen.
PROGRAMM
Ausstellungseröffnung
Sa, 18.4.26, 19:00–22:00 Uhr
Frauen bauen – über Architektinnen der DDR
Vortrag und Gespräch mit Birgit Szepanski
Sa, 9.5.26, 17:00 Uhr
Obwohl es in der DDR mehr Architektinnen gab als im Westen – 25% der Architekt_innen waren in der DDR weiblich, in der BRD waren es nur circa 10% – waren und sind die Männer bekannter: Star-Architekten wie Hermann Henselmann, Ulrich Müther und Wolf-Rüdiger Eisentraut kennen viele. Doch welche namhaften Architektinnen der DDR kennen wir und was haben sie gebaut? Die Lücke in unserem Wissen und Gedächtnis ist ein Gender-Gap. Neben ihren männlichen Kollegen sichtbar zu werden, war für Architektinnen in der DDR schwierig. Zudem trug das Bauen in Kombinaten dazu bei, dass Frauen als Architektinnen in Vergessenheit gerieten. Dabei waren sie an Großbauprojekten maßgeblich beteiligt und schufen darüber hinaus eigene, innovative Bauprojekte. Frauen bauten Siedlungen und Wohnräume, sie gestalteten Plätze und repräsentative Innenräume. Die Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin Birgit Szepanski stellt Architektinnen der DDR, ihre Biografien und Bauwerke vor und wirft einen feministischen Blick auf die Urbanität der DDR.
Birgit Szepanski ist Künstlerin und Kunstwissenschaftlerin. Ihre künstlerisch-wissenschaftliche Dissertation Erzählte Stadt erschien im transcript Verlag. In ihren recherchebasierten Kunstprojekten und in ihrer Kunstvermittlung setzt sich Szepanski für die Sichtbarkeit von Frauen ein und thematisiert Vergessenes in der Erinnerungskultur.
Drinnen oder Draußen? Über ein Heim für alkoholkranke Wohnungslose
Gespräch mit Michele Galassi und Lukas Lindner
Sa, 30.5.26, 17:00 Uhr
Flow Lines. Wasserinfrastrukturen, ökologische Transformationen und postsozialistische Landschaften
Sa, 6.6.26, 18:00 Uhr
Wie prägen Staudämme Landschaften, Erinnerungen und Zukunftsentwürfe? Welche Spuren hinterlassen Wasserinfrastrukturen in ökologischen, sozialen und politischen Zusammenhängen?
Die öffentliche Veranstaltung Flow Lines bringt Künstler:innen, Forscher:innen und Kurator:innen aus der Ukraine und Deutschland zusammen, die sich mit Wasserkraft-Infrastrukturen, ökologischen Transformationen und postsozialistischen Landschaften zwischen der Ukraine und der ehemaligen DDR auseinandersetzen. Die Beiträge wurden im Rahmen eines mehrmonatigen Forschungs- und Kunstprojekts entwickelt und treten in Dialog mit der Ausstellung Open Archive for Urbanism in der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf.
Das Projekt Flow Lines wurde von Korsi Berlin e.V. und dem Ukrainian Environmental Humanities Network (UEHN) initiiert. Ausgehend von Feldforschung in Cherkasy, Archivarbeit und künstlerischer Recherche untersucht das Projekt die Verflechtungen von Wasser, Infrastruktur, Erinnerung und Zukunftsvorstellungen in unterschiedlichen postsozialistischen Kontexten.
Mit: Anna Potyomkina und Oksana Pohrebennyk, Variable Name / Назва змінна (Valerie Karpan und Maryna Marinichenko), Alkistis Thomidou, Tinatin Gurgenidze, Oleksandra Pogrebnyak, Krzysztof Gutfrański sowie weiteren Gästen.
Eine Veranstaltung von Korsi Berlin e.V., dem Ukrainian Environmental Humanities Network und der station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf.
Flow Lines ist Teil des RHIZOM/RAZOM-Programms des Ukrainischen Instituts in Deutschland. Das Programm wird vom Auswärtiges Amt (ÖPR-Programm) gefördert und in Zusammenarbeit mit Insha Osvita durchgeführt.
Zingster Straße 25
Lesung und Gespräch mit Sonya Schönberger
Sa, 13.6.26, 17:00 Uhr
Im Prisma zweier Gesellschaftssysteme. Kunst im öffentlichen Raum
Gespräch mit Gertraude Pohl
Sa, 11.7.26, 17:00 Uhr
Gertraude Pohl ist bildende Künstlerin und Gestalterin. Sie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ist eine der wenigen Künstlerinnen, die die Ästhetik der Kunst im öffentlichen Raum in der DDR maßgeblich mitgeprägt haben. Ihre bedeutendsten Projekte waren die kollektive Entwicklung des Farb- und Materialkonzepts für den Palast der Republik und ihr Entwurf für dessen Natursteinboden im Hauptfoyer, die Wandgestaltung für das VEB-Werk Stern-Radio in Berlin-Marzahn sowie zahlreiche Wandbilder für „Kinderkombinationen“ und öffentliche Gebäude. Nach der Wende setzte sie sich u.a. mit dem Verschwinden und der Zerstörung von DDR-Kunst im öffentlichen Raum auseinander.
Miete essen Seele auf
Do, 2.7.26, 16:00 Uhr
16 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Open Archive for Urbanism – Was ist, kann und soll Stadt?“, station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin
17 Uhr: Sektempfang im Foyer der Alice Salomon Hochschule, Alice-Salmon-Platz 5, 12627 Berlin, durch Re:Mensa – solidarisch, lokal, fair
17:30 Uhr: Filmvorführung im Audimax der Alice Salomon Hochschule: „Miete essen Seele auf“ (54 Min./DE 2015) von Angelika Levi und Christoph Dreher
Anschließendes Gespräch mit Antje Schäfer (Kamerafrau und Dramaturgin); Moderation: Studierende aus dem Seminar „Der dokumentarische Essayfilm – Filmische Erzählungen in unruhigen Zeiten“ mit Prof. Dr. Andrea Plöger (Alice Salomon Hochschule Berlin)
All the beauty and the bloodshed
Do, 9.7.26, 16:00 Uhr
16 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Open Archive for Urbanism – Was ist, kann und soll Stadt?“, station urbaner kulturen/nGbK Hellersdorf, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin
17 Uhr: Sektempfang im Foyer der Alice Salomon Hochschule, Alice-Salmon-Platz 5, 12627 Berlin, durch Re:Mensa – solidarisch, lokal, fair
17:30 Uhr: Filmvorführung im Audimax der Alice Salomon Hochschule: „All the beauty and the bloodshed“ (122 Min/USA 2022/OmU) von Laura Poitras.
Anschließendes Gespräch mit Laura Poitras, Moderation: Studierende aus dem Seminar „Der dokumentarische Essayfilm – Filmische Erzählungen in unruhigen Zeiten“ mit Prof. Dr. Andrea Plöger (Alice Salomon Hochschule Berlin)
Im Prisma zweier Gesellschaftssysteme. Kunst im öffentlichen Raum. Gespräch mit Gertraude Pohl
Sa, 11.7.26, 17:00 Uhr
Gertraude Pohl ist bildende Künstlerin und Gestalterin. Sie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und ist eine der wenigen Künstlerinnen, die die Ästhetik der Kunst im öffentlichen Raum in der DDR maßgeblich mitgeprägt haben. Ihre bedeutendsten Projekte waren die kollektive Entwicklung des Farb- und Materialkonzepts für den Palast der Republik und ihr Entwurf für dessen Natursteinboden im Hauptfoyer, die Wandgestaltung für das VEB-Werk Stern-Radio in Berlin-Marzahn sowie zahlreiche Wandbilder für „Kinderkombinationen“ und öffentliche Gebäude. Nach der Wende setzte sie sich u.a. mit dem Verschwinden und der Zerstörung von DDR-Kunst im öffentlichen Raum auseinander.
Finissage
Sa, 11.7.26, 19:00–21:00 Uhr
Gefördert vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf