RAND

Im Übergang von Stadt und Land

Sa, 1.3. – Sa, 3.5.25 Typ: Ausstellung

Ort:

station urbaner kulturen, Auerbacher Ring 41, 12619 Berlin (Eingang Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e.V.)

Künstler_innen:

Verena Hägler, Nicola Reiter

nGbK-Arbeitsgruppe station urbaner kulturen:

Jochen Becker, Eva Hertzsch, Margarete Kiss, Constanze Musterer, Adam Page, Katharina Ziemke

Im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography

Stadt und Stadtgrenzen, von Urbanität zur Peripherie, von Vorstadtsiedlungen zur Landschaft – RAND vereint zwei Projekte aus dem Bereich der Landschaftsfotografie: SALTROAD von Verena Hägler und Agglomerationen von Nicola Reiter. Beide untersuchen die sich verändernden Landschaftsräume entlang von Münchens Stadtgrenze. Nun ist das Projekt zu Gast in Berlin-Hellersdorf, einem Stadtteil, der gemeinhin als weit draußen, mitten in der Pampa, als Außenbezirk und Peripherie empfunden wird. Was ist ähnlich, was ist anders im Übergang von der Stadt zum Vorort, zum Umland? Die ortsspezifische Installation in der station urbaner kulturen tritt mit Fotografien, Projektionen und Sound sowie mit Texten und Interventionen im Außenraum in Dialog mit der Umgebung und ihren Anwohner_innen. 

Die beiden ausgestellten Sichtweisen auf den Münchner RAND sind von unterschiedlicher Herkunft geprägt und teilweise konfrontativ: Verena Hägler fotografierte für SALTROAD am Münchner Stadtrand einen Transitraum in landwirtschaftlich genutzter Umgebung. Die fotografischen Fragmente bilden ein Mosaik, das auf das Gepräge der Gegend verweist. Ein Textteil gibt in anonymen Interviews mit den Anwohner_innen persönliche Aspekte des Wohnens und der Landschaft wieder. Nicola Reiter untersuchte in Agglomerationen den Rand der Großstadt als Gebiet des Übergangs von urbanen Strukturen zur Landschaft. Mit der Kamera umrundete sie gehend München entlang der Stadtgrenze und ergänzte die eigenen Bildfolgen durch historische Fotos, die Veränderungen sichtbar machen. Sie bilden eine Suche nach Beziehungen ab, die bebauter Raum und Landschaft eingehen.

Die Publikation RAND (Spector Books, 2022) ist im Buchhandel und vor Ort erhältlich.

VERANSTALTUNGSPROGRAMM

Eröffnung

Sa, 1.3.25, 18:00–21:00 Uhr

Fotografieren an den Rändern

Workshop mit Verena Hägler, für alle ab 8 Jahren.

Sa, 22.3.25, 14:00–17:00 Uhr

Ausgehend von der Ausstellung RAND in der station urbaner kulturen wird gemeinsam das Gebiet am Rand von Berlin erkundet. Die Teilnehmenden untersuchen das Verhältnis von Mensch und Natur mit den Mitteln der Fotografie. Wer hat, bringt gerne eine Kamera mit, ansonsten ist ein Handy zum fotografieren ausreichend.

Anmeldung bitte unter: station-urbaner-kulturen@ngbk.de

Verena Hägler studierte Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste und arbeitet als freischaffende Fotografin an der Schnittstelle von dokumentarischer, konzeptueller und subjektiver Fotografie. Seit längerem beschäftigt sie sich mit empirischer Stadtforschung und unterrichtet u.a. an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Wo ist der Übergang?

Sa, 29.3.25, 18:00 Uhr

Verena Hägler und Nicola Reiter im Gespräch mit Florian Wüst

Die Fotografinnen Verena Hägler und Nicola Reiter befragen gemeinsam mit Kurator und Verleger Florian Wüst das Bild der städtischen Peripherie. Was sind Ähnlichkeiten, was Unterschiede zwischen den Transiträumen an den Rändern von München, Berlin und anderen Großstädten? Der Blick richtet sich dabei sowohl auf die Landschaft als auch auf die ansässigen Menschen und nicht-menschlichen Lebewesen. Welche Erzählungen vermittelt die künstlerische Fotografie, welche die autofiktionalen und dokumentarischen Texte, die einen wichtigen Bestandteil der in den öffentlichen Raum erweiterten Ausstellung bilden? Unter Beteiligung des Publikums werden Auszüge aus der bei Spector Books erschienenen Publikation RAND gelesen.

Florian Wüst ist in München geboren und lebt als freischaffender Filmkurator, Verleger und Dozent in Berlin. Er kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen für internationale Kunstinstitutionen, Kinos und Festivals. Wüst schreibt zu Themen rund um Film und Gesellschaft und ist Mitgründer der Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt. Seit 2023 direkt gewähltes KOA-Mitglied der nGbK.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography statt.

Kindheitsmuster & Archivdialoge

Sa, 26.4.25, 17:00 Uhr

Gespräch mit der Künstlerin, Performerin und Sozialwissenschaftlerin Wenke Seemann über ihr Buch- und Ausstellungsprojekt „Utopie Auf Platte“ und dem konzeptuellen Fotografen Arwed Messmer

Moderation: Jochen Becker

Im Rahmen der Ausstellung RAND – Im Übergang von Stadt und Land von Verena Hägler & Nicola Reiter zur Münchner Peripherie wird Wenke Seemann einen kontrastreichen Blick auf die urbanen Peripherien im Norden Deutschlands werfen. Ihre Kindheitserinnerungen an Rostocks Großsiedlungen ­– vom Abenteuerspielplatz Baustelle bis zu den Pogromen in Lichtenhagen – erkunden die Ostmoderne mit postmodernen Methoden.

Im Nachlass ihres Vaters, der als Werbefotograf beim VEB Schiffscommerz gearbeitet und seinen Traum von der Seefahrt in tausende Fotografien „auslaufender Schiffe verbannt“ hat, fand Seemann zehn Umzugskartons mit Fotomaterial. Darin sichtete sie Bilder von der Entstehung der Neubaugebiete im Rostocker Nordwesten in den 1970er und 1980er Jahren: „In diesen Bildern habe ich zum ersten Mal etwas gesehen, das ich zuvor nie mit ostdeutschen Plattenbausiedlungen in Verbindung gebracht hatte: einen Geist von Aufbruch und Erneuerung, ein Versprechen der Moderne an die Generation meiner Eltern.“

Im Projekt ‚Utopie auf Platte’ spürt Wenke Seemann den versprochenen wie gebrochenen Utopien der (Ost)Moderne nach. Ihr Ansatz einer genauen künstlerischen Lektüre familiärer Aufnahmen, die ihr erst posthum und als massiv bearbeitetes Material wieder näher rücken konnte, verfolgt diese Versprechungen.

Im Gespräch mit dem Fotografen Arwed Messmer, der an den „Rändern des Dokumentarischen“ arbeitet, bildet seine künstlerisch-bildarchäologische Praxis ein konkretes Gegenüber zu der Frage nach „Archivdialogen“: Wie kann eine zweckdienliche Fotografie – staatlich beauftragt und in öffentlichen Archiven vorgehalten – beispielsweise zu Grenzanlagen in Berlin, zum West-Berliner Protest bis hin zum Linksterrorismus, zur Staatssicherheit der DDR – heute wieder neu oder auch erstmalig gelesen werden?

Messmer wie Seemann zeichnet ein innovativer und souveräner Umgang mit Archivmaterialien, Erzählungen (u.a. in Kooperation mit Annett Gröschner) und Überführungen in Ausstellung und Buch aus.

Wenke Seemann: Utopie Auf Platte – Archivdialoge #1, Bierke-Verlag, Berlin, 2025

Arwed Messmer: Tiefenenttrümmerung – Der Traum vom Reich, Spector Books, Leipzig, 2023

Verena Hägler & Nicola Reiter: RAND – Im Übergang von Stadt und Land, Spector Books, Leipzig, 2022

Die Ausstellung RAND – Im Übergang von Stadt und Land von Verena Hägler & Nicola Reiter ist noch bis zum 3. Mai jeden Donnerstag und Samstag von 15 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography statt.

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