Viral Intimacies
Ort:
nGbK, Karl-Liebknecht-Str. 11/13, 10178 Berlin
Künstler_innen:
Camilo Acosta & Santiago Lemus, Christa Joo Hyun D’Angelo, Jorge Bordello, Kat Cheairs, Naya de Souza, Pascale Espinosa, Ato Kwamina Hasford, Kia LaBeija, Ivan L. Munuera, Samuel Perea-Díaz, Hanna Schaich, Manuela Solano
nGbK-Arbeitsgruppe:
Madi Awadalla, Pascale Espinosa, Elisabeth Krämer, Samuel Perea-Díaz, Hanna Schaich, Max Schnepf
Mehr als vierzig Jahre nach Ausbruch der HIV/AIDS-Epidemie wurden bei Prävention und Behandlung von AIDS enorme Fortschritte erzielt. Gleichzeitig ist der Zugang zu Medikamenten weltweit ungleich verteilt und Betroffene werden weiterhin stigmatisiert. Die Gruppenausstellung VIRAL INTIMACIES, die im September im Rahmen der Berlin Art Week in der nGbK eröffnet, beleuchtet, wie das Virus bis heute individuelles und gesellschaftliches Leben prägt – über Körper, Grenzen und Communities hinweg. Video-Installationen, Malereien, Soundarbeiten, Performances und Skulpturen von 13 internationalen zeitgenössischen Künstler_innen betrachten HIV/AIDS nicht als abgeschlossenes Kapitel, sondern als gelebte Realität. Mittels Intimität als politischer und ästhetischer Linse rückt die Ausstellung Stimmen und Perspektiven in den Vordergrund, die in Erzählungen über HIV/AIDS bisher wenig Beachtung fanden.
Aller medizinischen Fortschritte zum Trotz bleibt das Leben mit HIV von ungleichen Zugängen zu Gesundheitsversorgung, Stigmatisierung und struktureller Vernachlässigung geprägt. VIRAL INTIMACIES betrachtet HIV/AIDS nicht nur aus medizinischer Perspektive, sondern als gesellschaftliches und politisches Phänomen, das Körper, Beziehungen und öffentliches Leben über verschiedene Orte hinweg prägt. Die Ausstellung lädt ein, darüber nachzudenken, wie das Virus mit Race, Gender, Sexualität, Migration und Klasse verschränkt ist – mittels künstlerischer Praktiken, die Erinnerung, Würde und Handlungsmacht beanspruchen. Damit knüpft sie auch an vergangene nGbK-Projekte wie Vollbild AIDS (1988) und LOVE AIDS RIOT SEX (2013/14) an.
Die zwölf künstlerischen Positionen beleuchten ein breites Spektrum persönlicher und kollektiver Erfahrungen mit HIV. Viele der beteiligten Künstler_innen arbeiten autobiografisch oder gemeinsam mit betroffenen Communities. Die behandelten Themen reichen von individueller und kollektiver Erinnerung über Gesundheitspolitiken, erfahrene Stigmatisierung und erzwungene Sichtbarkeit bis hin zu Intersektionalitäten von HIV.
In einer neu entstandenen Arbeit gedenkt Kia LaBeija mit Poesie, Texten und Fotografien ihrer HIV-positiven Eltern und betrauert deren Tod. Das Projekt Los Amarillos von Camilo Acosta und Santiago Lemus befasst sich mit den physischen und emotionalen Auswirkungen qualitativ minderwertiger HIV-Medikamente in Kolumbien. Kat Cheairs verschränkt Naturaufnahmen mit Stimmen von Women of Color, um die Kriminalisierung von HIV/AIDS-Aktivismus offenzulegen. In ebenso nostalgischen wie provokativen Malereien vermittelt Manuela Solano, wie sich Solanos Wahrnehmung der Welt durch eine HIV-Infektion verändert hat. Christa Joo Hyun D’Angelo zeigt eine Videoarbeit über die Erfahrungen einer Schwarzen Frau, die in Deutschland mit HIV lebt. Weitere Beiträge stammen von Hanna Schaich, die sich mit persönlichen Erinnerungen auseinandersetzt, sowie von Jorge Bordello, Pascale Espinosa und Ivan L. Munuera, die sich mit dem Einsatz von Medikamenten zur Behandlung und Prävention von HIV beschäftigen. Samuel Perea-Díaz untersucht die klanglichen Dimensionen von AIDS-Sterblichkeitsdaten, und Ato Kwamina Hasford entwickelt dekoloniale Perspektiven auf Queerness und Heilung.
Das Begleitprogramm zur Ausstellung widerlegt die weitverbreitete Meinung, die HIV/AIDS-Epidemie sei vorüber. Performances, Filmscreenings, Workshops und Gespräche öffnen Räume für Diskussion, Reflexion und Austausch über Disziplinen und Communities hinweg. Zu sehen sind unter anderem eine Performance von Naya de Souza, eine Dokumentation von Zoe Mavroudi über die Kriminalisierung von HIV in Griechenland und eine Lecture-Performance von Madi Awadalla, die die Entstehungsgeschichte von AIDS bis nach Berlin zurückverfolgt. Weitere Beitragende sind die Performerin Federica Dauri, die Filmemacherin Carla Simón und die Performance ConTatto von Federica Dauri, Hanna Schaich, Luca Della Corta und Alain Nouchy. Eine Workshopreihe mit jungen Menschen und Schulklassen soll Bewusstsein für HIV/AIDS als immer noch aktuelles gesellschaftliches Thema schaffen und zu einem offenen Austausch darüber anregen.
Mit freundlicher Unterstützung der Acción Cultural Española (AC/E) und der Botschaft von Spanien in Deutschland
In Kooperation mit dem Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung, der Fundación “la Caixa” und der Kéré Foundation
Partnerin der Berlin Art Week
VERANSTALTUNGSPROGRAMM
Eröffnung
Mi, 10.9.25, 18:00 Uhr
VIRAL INTIMACIES startet mit einem Abend der Performances: In Why Are You So Negative? bringt Naya de Souza (alias Bundaskanzlerin) eine scharfe Kritik der deutschen Politik und Gesellschaft vor, während das Performance-Duo Los Amarillos (Santiago Lemus und Camilo Acosta) den weltweit ungleichen Zugang zu HIV-Medikamenten thematisiert. Federica Dauri untersucht in der Langzeitperformance LIMEN die Schwelle, an der symbolische und reale Grenzen aufeinandertreffen.
Federica Dauri ist Performancekünstlerin, Choreografin und visuelle Künstlerin. Dauri präsentiert LIMEN („Schwelle“), eine Langzeit-Performance, die einen Durchgangsraum evoziert. Die Arbeit entfaltet sich in einem skulpturalen Umfeld aus Stacheldraht, in dem der nackte Körper der Künstlerin sich mit extremer Langsamkeit, Präzision und Sorgfalt bewegt. Jede Geste verhandelt scharfe Grenzen, gleitet darüber hinweg oder darunter, suchend nach Passagen, in denen Risiko und Möglichkeit aufeinandertreffen. Der Stacheldraht wird zum Symbol für Kontrolle, Zensur, Repression und systemische Regulierung von Intimität, Mobilität und Zugang zu Ressourcen. Diese Schwelle spiegelt ein Anliegen der Ausstellung wider: ein Raum dazwischen, in dem Intimität, Erinnerung und In-Beziehung-Sein leise, aber kraftvoll zirkulieren und einen porösen Raum schaffen, in dem Verletzlichkeit, Mut, Offenheit und Fürsorge koexistieren und das Publikum eigene Wege durch das sichtbar oder offen Gelassene finden kann.
Los Amarillos, gegründet von Santiago Lemus und Camilo Acosta, zwei offen schwule, HIV-positive visuelle Künstler, entstand aus dem Kurzfilm Los Amarillos für Visual AIDS NYC’s Being & Belonging (2022). Mit Stimme, Körper und audiovisueller Kunst untersucht das Kollektiv Gesundheit, Stigma und das Leben mit HIV durch poetische Bildsprache, Performance und kollektive Aktionen. Manifiesto Amarillo erweitert diese Arbeit performativ, indem es 30 politisch-poetische Bilder entfaltet, die Stigma, die Rolle von Kunstinstitutionen und den Platz dissidenter Körper hinterfragen. Wie bei der täglichen Medikamenteneinnahme werden Worte befeuchtet und geschluckt, tragen Forderung, Heiliges, Nostalgie und Utopie in sich.
Naya de Souza arbeitet unter verschiedenen Alter Egos wie LUX VENÉREA und Bundaskanzlerin und bewegt sich zwischen Performance, Comedy/Stand-up und Kochen. Multilingual von Geburt und transdisziplinär geprägt, überschreitet ihr Werk traditionelle Grenzen – zwischen Disziplinen, Ländern oder Institutionen. Sie versteht Kunst als einen fortwährenden Prozess von Migration und Übersetzung. Ihr Online-Projekt Bundaskanzlerin dient als Social-Media-Kritik an Deutschlands ausschließender Politik- und Kunstwelt und nutzt Found Footage, Videocollagen, Fotografie und Memes
Viral Intimacies: Kuratorische Führung
Fr, 12.9.25, 19:00 Uhr
mit Samuel Perea-Díaz, Pascale Espinosa in Dialog mit Jorge Bordello
Samuel Perea-Díaz und Pascale Espinosa nehmen euch mit auf eine intime Führung durch die Ausstellung — mit einem besonderen Fokus auf Jorge Bordello.
Bordellos Arbeiten bewegen sich zwischen Dokument und Fiktion, Familienarchiv und nationaler Erzählung, Körper und öffentlichem Leben. Als Gründungsmitglied von PA, einem Netzwerk von Menschen mit HIV in Tlaxcala, schafft er Räume, in denen Schreiben und Kunst zu kollektiver Ausdruckskraft verschmelzen. Seine Werke wurden unter anderem im New Museum (New York), MOCA, MACBA und Museo Jumex gezeigt. Er erhielt den DocsMX Jury Prize sowie den Tlaxcala State Prize for Visual Arts und präsentierte seine Forschung an der UNAM, der University of York und im MoMA.
Pascale Espinosa (aka Tomas Espinosa) arbeitet zwischen Performance, Video, Skulptur und Installation, um Begegnungen und die Zeit, die sie benötigen — zum Berühren, Sprechen, Teilen — zu reflektieren. Die Praxis setzt sich mit Erinnerung und Gewalt auseinander, besonders in Kolumbien und im Kontext nicht-binärer Identität. Pascale macht verborgene Realitäten sichtbar und erinnert uns: „Wir glauben, zu wissen, was wir sehen. Doch in Wirklichkeit tun wir es nicht.“
Samuel Perea-Díaz, Künstler, Forscher und Dozent, arbeitet an der Schnittstelle von Klang und Kuratieren. Seine Praxis erforscht sonischen Aktivismus, akustische Architektur und die Art und Weise, wie Klang unser Zuhören verändert. Mit einem Hintergrund in Architektur und einem MA in Sound Studies und Sonic Arts untersucht sein PhD die Auswirkungen von HIV/AIDS auf Klangkunst. Durch Installationen, Field Recordings und Listening Workshops verwandelt Samuel Klang in ein Werkzeug von Erinnerung und Widerstand.
Begleitet sie und erlebt die Ausstellung in all ihrer Intimität.
On Poetry, Memories and Loss
Fr, 12.9.25, 17:00 Uhr
Workshop
In einem Schreibworkshop zur Schnittstelle zwischen Strafvollzug und HIV/AIDS-Aktivismus verwendet Kat Cheairs Gedichte und Essays als Schreibanregungen – sowie Interviews von Women of Color vom Anfang der 1990er-Jahre.
Begrenzte Plätze – bitte melden Sie sich per E-Mail an: anmeldung@ngbk.de
Dieser Workshop lädt die Teilnehmenden ein, sich das Video „Voices at the Gate“ anzusehen, gefolgt von einer genauen Auseinandersetzung mit Texten, die von Frauen an der Schnittstelle von Inhaftierung und HIV/AIDS veröffentlicht wurden. Wir reflektieren gemeinsam, was aus diesen Texten hervorgeht, haben die Möglichkeit für stille Schreib- und/oder Zeichenzeit und teilen unsere Erkenntnisse aus unserer gemeinsamen Zeit.
„Voices at the Gate“ ist ein Video, das ursprünglich von Visual AIDS für den Day With(out) Art 2021 in Auftrag gegeben wurde. Aufgezeichnete Minuten aus dem Bedford Hills Correctional Facility for Women in Upstate New York, ist Voices eine Meditation über die Schnittstellen von HIV/AIDS-Aktivismus, Inhaftierung, Landschaften, Erinnerung, Sein, Zugehörigkeit und Gemeinschaftspflege. Besucher*innen sind eingeladen, die natürlichen Materialien auf dem Altar zu betrachten, zu berühren und zu ergänzen, die von Orten in der Nähe Berlins stammen, die mit Geschichten von Eingrenzung, Kontrolle und Inhaftierung verbunden sind.
Katherine “Kat” Cheairs ist eine interdisziplinäre Künstlerin, Kunstverwalterin, Kuratorin, Lehrende und Forscherin. Kat gründete die Makeda School for Art, Media, and Humanities, einen alternativen Bildungs- und spekulativen Lernraum, der auf progressiver Bildung und Schwarzer feministischer Unterrichtspädagogik basiert. Kat arbeitet häufig an Archiv- und Videoprojekten, die AIDS, Kunst und Aktivismus verbinden. Derzeit promoviert Kat in Kunst und Kunsterziehung am Teachers College, Columbia University. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Pädagogik und Praxis Schwarzer Kunstpädagoginnen, untersucht durch die Linse der Schwarzen feministischen Onto-Epistemologie, Black Studies, feministische Pädagogik, Queer-Theorie und Affect Studies. Kat ist Mitglied im Vorstand von Visual AIDS. Kat hat auf Panels am Tribeca Film Institute, Pratt Institute, The New School, NYU, Vassar College, The Studio Museum in Harlem, Poster House, BAM, The Aperture Foundation, Whitney Museum of American Art und UnionDocs referiert.
HIV und die koloniale Gegenwart
Sa, 13.9.25, 18:00 Uhr
Lecture Performance
Wie sind die Geschichte und Gegenwart der Epidemie mit kolonialer Gewalt verflochten? Jorge Bordellos THIS IS NOT A CURE, bringt eine Kritik des ungleichen Zugangs zu HIV-Behandlungen in den öffentlichen Raum. Madi Awadallas Lecture-Performance Where Does Your AIDS Come From? untersucht Mythen über den Ursprung der Epidemie und die darin gefangenen Körper. Gefolgt von einem DJ-Set von Mad Kate mit Klang-Geschichten von Macht und Widerstand.
Die Nacht beginnt um 18 Uhr mit Jorge Bordellos THIS IS NOT A CURE, einer Performance, die den ungleichen Zugang zu HIV-Behandlungen kritisiert. Selbst mit HIV lebend, nimmt Bordello eine ART-Pille und schreibt immer wieder „This is not a cure“, bis die Kreide aufgebraucht und die Tafeln gefüllt sind. Während er ökonomische Daten zu antiretroviralen Medikamenten rezitiert, legt er ein Paradox offen: Diese Medikamente erhalten Leben, bieten aber keine Heilung. Sie machen die alltäglichen Realitäten von HIV sichtbar, die profitorientierten Strukturen der Pharmaindustrie und die Kluft zwischen medizinischem Fortschritt und sozialer Gerechtigkeit. Die Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit der Kreide verkörpern den andauernden Kampf um eine wirkliche Heilung.
Madi Awadallas Where Does Your AIDS Come From? ist eine Lecture-Performance über Mythen zum Ursprung der Epidemie, koloniale Nachwirkungen und die Körper, die dazwischen gefangen sind. Gerahmt als persönliche und politische Ausgrabung verwebt sie medizinische Archive, Migrationsinterviews und intime Begegnungen, um einer trügerisch simplen Frage nachzugehen, die Menschen mit HIV oft gestellt wird: Wie hast du es bekommen? Die Autorin und transdisziplinäre Künstlerin Ahmed „Madi“ Awadalla arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Storytelling und Schreiben, um Fragen von öffentlicher Gesundheit, Sexualpolitik, Vertreibung und den Nachleben des Kolonialismus zu verhandeln.
Ab 20:30 Uhr stimmt Mad Kate mit einem DJ-Set ein. Mad Kate ist keine selbstgemachte Person; viele Sies, Ers und Theys wohnen in ihnen, machen sie, erschaffen sie neu. Sie widmen sich dem Aushalten der Kämpfe, die durch und aus gelebten Erfahrungen am eigenen Körper entstehen, ebenso wie den komplizierten Bündnissen, die es nicht tun. Für Mad Kate bedeutet queer sein nicht nur, wen wir begehren, wie wir uns kleiden oder wie wir drag performen, sondern auch, wie wir Konflikte lösen, unsere Körper positionieren, als Verbündete auftreten, unsere Wünsche in Sprache fassen und uns mit unseren Umwelten ko-regulieren. Der Prozess des Queerings durchzieht ihre Care-Arbeit, ihre Herz-Arbeit und ihre Kunst.
Huren in Action, Minds in Reaktion
Sa, 4.10.25, 18:00 Uhr
Eine Veranstaltung zu Lebensrealitäten von Sexarbeiter_innen im Zusammenhang mit HIV – mit Aktivist_innen und Expert_innen, begleitet von einem Screening des Dokumentarfilms Ruins: Chronicle of an HIV Witch-Hunt (2013, Zoe Mavroudi) über die Kriminalisierung HIV-positiver Frauen in Griechenland.
Paneldiskussion (ab 18:30 Uhr)
Sprache: Englisch & Spanisch
Moderiert von Pascale Espinosa & Hanna Schaich bringt diese Veranstaltung Aktivistinnen, Sexarbeiterinnen und Künstlerinnen zusammen, um offen über die Lebensrealitäten von Sexarbeiterinnen im Kontext von HIV zu sprechen.
Amanita Calderón Cifuentes – Kolumbianische Mikrobiologin, Sexarbeiterin und HIV-Aktivistin mit über 20 Jahren Forschung und Advocacy. Sie hat umfangreich in den Bereichen sexuelle und reproduktive Gesundheit gearbeitet, einschließlich HIV, Mpox sowie den Schnittstellen von SOGIESC, Migration, Rasse und Drogenkonsum. Als HIV Research & Advocacy Officer bei TGEU und NGO-Delegierte bei UNAIDS verbindet sie wissenschaftliche Expertise mit eigenen Erfahrungen, um politische Reformen voranzutreiben, Stigmatisierung zu bekämpfen und sicherzustellen, dass gefährdete trans- und sexarbeiterische Communities auf globaler und europäischer Ebene vertreten sind.
Giovanna Rincon – Trans-, feministische und HIV/AIDS-Aktivistin, Gründerin von Acceptess-T in Frankreich. Geboren in Bogotá, überwand sie Armut und frühe Marginalisierung, um Solidaritätsnetzwerke für trans-migrantische Frauen und Sexarbeiter*innen aufzubauen. Giovanna leitete den Start des ersten trans-spezifischen Wohnprogramms in Frankreich, half bei der Einrichtung des FAST-Notfallfonds für trans Personen und co-leitet Forschungs- und Aktionsprojekte zur Dokumentation von Trans-Lebensverläufen. Sie ist Mitglied in Gremien wie Sidaction und COREVIH Île-de-France Nord, um den Zugang zu Gesundheitsversorgung für trans Personen mit HIV zu verbessern. 2025 wurde sie mit der Senatsmedaille für besondere Verdienste ausgezeichnet.
Naya de Souza – Multidisziplinäre Künstlerin, die mit Alter Egos wie Bundaskanzlerin arbeitet. Ihre Praxis bewegt sich zwischen Performance, Comedy und Online-Kritik, enthüllt Ausschluss und Stigmatisierung und zeigt auf, wie Migration, Körper und Sexualität mit Machtstrukturen verknüpft sind.
Frau Lexi Dark – In Berlin lebende Performerin und Domina, deren Performances Macht, Begehren und Transformation erforschen. Durch ihre Persona The Dark Frau nutzt sie Performance, um Normen rund um Geschlecht, Sexualität und Sichtbarkeit zu hinterfragen.
Filmscreening (ab 20 Uhr): RUINS – Chronicle of an HIV witch-hunt
Sprache: Griechisch & Englisch | Untertitel: Englisch
Ein Dokumentarfilm über einen schockierenden Fall der Kriminalisierung von HIV in Griechenland. Der Film erzählt die Geschichte von HIV-positiven Frauen, die von der Hellenic Police festgenommen, zwangsgetestet, wegen eines Verbrechens angeklagt, inhaftiert und öffentlich bloßgestellt wurden – inklusive Veröffentlichung ihrer Fotos und persönlichen Daten in den Medien vor den nationalen Wahlen 2012.
Regie: Zoe Mavroudi – Autorin, Regisseurin und Performerin aus Athen
Auf Wunsch der Regisseurin werden die Einnahmen der Screening-Gebühr Steps Greece zugutekommen.
Abya Yala+: Cinematic Perspectives from Colombia, Chile, Brazil, and Beyond
Sa, 18.10.25, 17:00 Uhr
Filmscreening: Spanisch + Englisch (mit englischen Untertiteln)
Abya Yala+ zeigt Filme aus ganz Lateinamerika, die die Dominanz des Globalen Nordens in HIV/AIDS-Kulturerzählungen hinterfragen. Die ausgewählten Dokumentarfilme, Kurzfilme und Spielfilme bieten eindrucksvolle Einblicke in die politischen und emotionalen Landschaften von HIV – damals und heute. In einer anschließenden Gesprächsrunde mit den Filmemacher*innen werden Themen wie Erinnerung, Stigma sowie die aktuelle Situation von HIV-bezogener Kunst und Aktivismus diskutiert.
Siemprevivas: Memorias del SIDA en Chile (Everlastings: Memories of AIDS in Chile)
Regie: Víctor Hugo Robles
Bio: Bekannt als „El Che de los Gays“ ist Víctor Hugo ein chilenischer Community-Journalist und queerer Aktivist. Seit den 1990er Jahren ist er ein Pionier des „Artivismus“. Er gründete MOVILH Histórico mit, war Herausgeber von VIVOPOSITIVO, Co-Regisseur von Las Locas del 73 und moderiert die Radioshow Siempre Viva en Vivo, in der er sich mit Geschlecht, Sexualität und HIV/AIDS auseinandersetzt.
El VIH se enamoró de mí (HIV Fell in Love With Me)
Regie: Mariana Iacono & Juan de la Mar
Bio: Mariana Iacono – Feministin, Sozialarbeiterin und Medienaktivistin. Seit über 20 Jahren macht sie das Leben mit HIV sichtbar und legt dabei den Fokus auf Lust, Mutterschaft und Gender. Juan de la Mar – Jurist und Künstler, dessen Kurzfilm De Gris a POSITHIVO auf 52 internationalen Filmfestivals gezeigt wurde. In seinen Performances La Dolorosa und La Unción verbindet er Kunst, Heilung und Aktivismus.
Os Primeiros Soldados (The First Fallen)
Regie: Rodrigo de Oliveira
Bio: Queerer brasilianischer Regisseur, Drehbuchautor und Editor. Gewinner des Brazilian Academy Award für All Paulos in the World (2018), zudem Regisseur von The Vulgar Hours (2011), Tybalt Dead, Romeo in Exile (2015) und All This Water (2023). The First Fallen (2021) ist sein vierter Spielfilm und eine kraftvolle Reflexion über Resilienz und Liebe während der frühen HIV-Krise.
Artist Talk mit Ivan L. Munuera
Sa, 18.10.25, 15:30 Uhr
Begleiten Sie die Kurator*innen Max Schnepf und Pascale Espinosa auf einem persönlichen Rundgang durch die Ausstellung, die Strömungen von Begehren, Erinnerung und Politik nachzeichnet – mit einem besonderen Fokus auf die Arbeit von Ivan L. Munuera, der ebenfalls anwesend sein wird.
Ivan L. Munuera (mit V. Rotie und P. Saiz) PrEP Bread, 2023 Installation – Tisch, achtundzwanzig Drucke, Fotografien, PrEP-Medikamente und Brotskulptur.
PrEP Bread erforscht die chemischen und politischen Netzwerke, die unsere Körper prägen. PrEP – eine HIV-Präventionstherapie – verbindet Biologie und Geopolitik: Eine einzige Brotscheibe, die zusammen mit dem Medikament eingenommen wird, spannt ein globales Netz auf – von Laboren in Kalifornien über Maisfelder in Argentinien, Gas aus Osteuropa, Lithium aus der Atacama-Wüste, Öl aus Kasachstan oder Libyen, Mehl aus Navarra, Latex aus Thailand bis hin zu Gleitmittel aus Almería.
Entwickelt für die 18. Architekturbiennale Venedig, entfaltet sich PrEP Bread als visuelles Forschungsprojekt in Form eines grafischen Romans, mikrobiologischer Kartografien und archäobotanischer Studien, die zeigen, wie Gesundheit, Technologie und Begehren miteinander verflochten sind.
Ivan L. Munuera ist Wissenschaftler, Kritiker und Kurator, der an den Schnittstellen von Kultur, Politik, Technologie und Körperpraktiken arbeitet. Er ist Assistant Professor am Bard College und wurde 2020 mit dem Harold W. Dodds Fellowship der Princeton University ausgezeichnet. Seine Projekte wurden u. a. im Museo Reina Sofía, Centro Andaluz de Arte Contemporáneo, Fundació Suñol, Ludwig Museum und auf der Architekturbiennale Venedigpräsentiert.
Viral Memories
Pandemien erinnern – über HIV, COVID-19 und Mpox
Fr, 24.10.25, 17:00 Uhr
Gespräch
Was hat HIV/AIDS mit der COVID-19-Pandemie und den jüngsten Ausbrüchen von Mpox zu tun? In diesem Gespräch nähern sich Jaime Garcia-Iglesias (University of Edinburgh) und Max Schnepf (Freie Universität Berlin) dem Thema Pandemie an, indem sie sie nicht als isolierte Ereignisse, sondern als miteinander verflochtene Geschichten verstehen. Auf Grundlage ihrer jeweiligen sozialwissenschaftlichen Forschung untersuchen sie, wie gelebte Erfahrungen, Erinnerungen und Affekte Krankheiten verbinden, die zeitlich und epidemiologisch voneinander getrennt erscheinen mögen.
Gemeinsam reflektieren sie über Fragen von Erinnerung, Privileg und biomedizinischer Zukunft: Wer hat die Möglichkeit zu erinnern – und wer das Privileg, vergangene Pandemien zu vergessen? Wie erinnern sich unterschiedliche Generationen schwuler Männer an HIV im Nachhall von COVID-19? Und wie beeinflussen Fortschritte in der HIV-Behandlung und -Prävention, wie wir uns Vergangenheit und Zukunft vorstellen?
Jaime Garcia-Iglesias ist Chancellor’s Fellow am Centre for Biomedicine, Self and Society der University of Edinburgh. Er ist Sozialwissenschaftler mit einem Schwerpunkt auf „viralen Lebenswelten“ – insbesondere HIV, COVID und Mpox. Seine Arbeit bewegt sich zwischen Soziologie, Geisteswissenschaften und Public Health und behandelt Themen wie die Rolle von Erinnerung in den COVID-19-Erfahrungen schwuler Männer, den Einsatz von Dating-Apps zur Förderung des Wohlbefindens während der Pandemie sowie Community-Reaktionen auf den Mpox-Ausbruch. Er ist Autor von The Eroticising of HIV: Viral Fantasies (Palgrave, 2022) und Mitherausgeber von Viral Times: Reflections on the COVID-19 and HIV Pandemics (Routledge, 2024).
Max Schnepf ist Kulturanthropologe an der Freien Universität Berlin und forscht an der Schnittstelle von Medizinethnologie, Queer Studies und Affekttheorie. In der Dissertation untersucht Max die Wirkungen und Affekte von Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP), einem Medikament zur HIV-Prävention. Max’ Arbeit zu HIV-Prävention und sexuellen Kulturen spannt sich über Deutschland, Kolumbien und Australien und verfolgt die Verbindungen zwischen Public Health, Kunst und Aktivismus. Publikationen erschienen u. a. im European Journal of Women’s Studies, in sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung und in Feminist Anthropology. Max ist außerdem einer der Kurator*innen von VIRAL INTIMACIES.
Assembly for Care
Sa, 8.11.25, 18:00 Uhr
Performance, Podiumsdiskussion
Die Nacht beginnt mit ConTatto. ConTatto ist eine Performance, die Intimität durch die reale Liebe zweier Männer erkundet, von denen einer vor einem Jahrzehnt nach einem Rückenmarksinfarkt eine Behinderung erlitt. Aus der genauen Beobachtung, wie sie gemeinsam den Alltag meistern, wie sie sich berühren, unterstützen und füreinander sorgen, entsteht eine Choreografie der Langsamkeit: ein stiller Tanz der „Haltungen der Liebe“, komponiert aus Präsenz, Atem und Aufmerksamkeit für die kleinsten Details. In diesem schwebenden Rhythmus erzählt jeder Kontakt von Vertrauen, Verwundbarkeit und Liebe. Durch verkörperte Forschung werden diese alltäglichen Gesten der Intimität – Halten und gehalten werden, Anlehnen, Geben, Empfangen – in archetypische Formen verdichtet und erhalten eine poetische und zutiefst menschliche Resonanz. Im Zentrum von ConTatto steht ein radikales Verlangsamen. Stillstand und Langsamkeit erlauben der Performance, sich als offenes Wahrnehmungsfeld zu entfalten. Die Arbeit schafft einen schwebenden und ruhigen Raum, der das Publikum einlädt, die eigenen emotionalen Landschaften zu erkunden und über Intimität, Fürsorge und Liebe nachzudenken. Ebenso zentral ist der Abbau visueller und räumlicher Hierarchien. Die Performer bleiben auf dem Boden, auf Augenhöhe des Publikums, nah, gleichberechtigt. Der Rollstuhl ist bewusst nicht präsent – nicht, um Behinderung zu löschen, sondern um die Aufmerksamkeit vom Objekt auf die Beziehung, auf gelebte Verbindung zu lenken. ConTatto entfaltet sich als intimer, kollektiver Raum, in dem Fragilität zu stiller Stärke wird und Nähe zur Präsenz transformiert. Verwurzelt in den Archetypen von Liebe und Fürsorge bietet die Performance eine verkörperte Reflexion darüber, wie der Körper Geschichten erzählt, die sich langsam im Rhythmus des Atems entfalten, in der Sprache von Berührung und Präsenz. Sie erinnert daran, dass Intimität nicht gesprochen wird; sie wird gelebt, gefühlt und in den Räumen zwischen den Körpern gehalten.
Choreografie: Federica Dauri
Dramaturgie: Hanna Schaich
Performer: Luca Della Corte, Alain Nouchy
Mit Unterstützung von: Centro di Residenza della Toscana (ArmuniaCapoTrave/Kilowatt), Comune di Sansepolcro
Produktionsresidenz: Carrozzerie | n.o.t.
DANCE ON TOUR Projekt von Tanzquartier Wien in Kooperation mit dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten.
Die Podiumsdiskussion „Assembly for Care: HIV Justice Today“, moderiert von Madi Awadalla und Teil des Rahmenprogramms von „Viral Intimacies“, ist als gemeinschaftliches Zusammenkommen konzipiert. Die Veranstaltung befasst sich mit der Politik der Fürsorge, wobei der Schwerpunkt auf HIV-Gerechtigkeit und solidarischer Praxis liegt. Sie bringt Dienstleister_innen, Künstler_innen, Aktivist_innen und Mitglieder der Community zusammen, die an den Schnittstellen von Sexualgesundheit, Schadensminderung, Community-Arbeit und Nachtleben tätig sind. Die Diskussion wird von künstlerischen Beiträgen und Performances begleitet.
Referent_innen
Motta / Epidemi.c
Motta lebt in Berlin und wurde in Bogotá geboren. Motta ist Mitglied des Kollektivs LoveLazers, das sich für die Unterstützung der Community und den Kampf gegen die Stigmatisierung von HIV einsetzt. Außerdem engagiert Motta sich für Kinderrechte und Tierrechte und beschäftigt sich kontinuierlich mit Anonymisierung als politischer Praxis.
Carolina Espinoza
Carolina ist eine Latinx-Transaktivistin und Community-Organisatorin, die sich seit über einem Jahrzehnt für Transrechte einsetzt. Derzeit arbeitet sie im Bereich Sensibilisierung und Betreuung innerhalb der sexpositiven Partyszene Berlins, wo sie sich für sicherere Räume und Praktiken zur Schadensminderung einsetzt.
Mati Klitgård
Mati ist Forscher_in, Moderator_in und Community-Organisator_in mit Sitz in Berlin. Mati hat einen Doktortitel in Gender Studies und schreibt über queere (Gegen-)Kulturen, Fürsorge und Intimität, queere Ökologien und politische Theorie. Im Jahr 2022 gründete Mati das Gay Consent Lab, eine Initiative, die sich in Workshops und Community-Veranstaltungen zu queeren Sexkulturen und struktureller Unterdrückung mit Consent, Fürsorge, Lust sowie Gewalt und Einsamkeit beschäftigt.
Artist Talk mit Manuela Solano
Fr, 14.11.25, 19:00 Uhr
Artist Talk mit Manuela Solano
Moderiert von Samuel Perea-Díaz
Seit 2024 produziert Manuela Solano eine Serie von Malereien auf Papier mit dem Titel Blind, Transgender and Wild. Sie begann diese Arbeit als Versuch, Malereien zu schaffen, die verspielter und unmittelbarer sind. Dieser Ansatz hat zu einer Serie von Arbeiten geführt, die sich auf die alltäglichen Erfahrungen der Künstlerin im Berliner Nachtleben, in der Kunstwelt und in ihren Interaktionen mit Männern beziehen und durchweg humorvolle Akzente setzen. Mit diesen Werken vermittelt Solano, wie es ist, sich sozial in sich überschneidenden Ausnahmezuständen zu bewegen und dabei dennoch zu versuchen, eine gute Zeit zu haben. In der Ausstellung Viral Intimacies wird das Gemälde Wanna Party? (2024) aus der Serie Blind, Transgender and Wild präsentiert.
„Manchmal sitze ich in einer Bar oder warte in der Schlange vor der Toilette, und ein fremde Person fragt mich, ob ich wirklich blind bin, als ob es für diesen Menschen schwer zu glauben wäre, dass eine blinde Person wirklich alleine ausgehen und feiern kann. Sie fragen mich, warum ich überall am Körper Narben habe. Sie fragen mich, ob ich einen Schwanz oder eine Muschi habe. Oder sie fragen mich, ob ich von Geburt an blind bin oder ob ich erst blind geworden bin, was dazu führt, dass sie mich fragen, wie ich blind geworden bin, als ob ein so offensichtlich tragisches Ereignis ein akzeptables Thema für Small Talk wäre. Es ist nicht so, dass ich meine Vergangenheit verbergen möchte – aber ich möchte nicht über ernste Dinge sprechen, wenn ich versuche, Spaß zu haben, geschweige denn mich mit Menschen über meinen HIV-Status unterhalten, die in den meisten Fällen nicht einmal wissen, was es bedeutet, wenn die Viruslast einer Person nicht nachweisbar ist. Und weil es mich verblüfft, dass völlig Fremde nichts Unangemessenes darin sehen, mich dazu bringen zu wollen, solche intimen Angelegenheiten öffentlich zu machen, um ihre Neugier zu befriedigen.“ ─ Manuela Solano
Manuela Solano (geb. 1987 in Mexiko-Stadt, MX) schloss 2012 ihr Studium an der Nationalen Schule für Malerei, Bildhauerei und Druckgrafik in Mexiko-Stadt ab, nachdem sie einen Studienaufenthalt an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Lyon absolviert hatte. Im Jahr 2014 verlor sie aufgrund von Komplikationen einer HIV-bedingten Infektion ihr Augenlicht. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Identität, Erinnerung und Humor. Die Arbeiten der Künstlerin wurden weltweit in zahlreichen institutionellen Ausstellungen gezeigt. Ihre wichtigsten Einzelausstellungen fanden im Dundee Contemporary Arts (2022), im Pivô, São Paulo (2021), in der Kunsthalle Lissabon, Lissabon (2021), im Institute of Contemporary Art, Miami (2018) und im Museo de Arte Carrillo Gil, Mexiko-Stadt (2016) statt. Ihre Arbeiten waren in Gruppenausstellungen im Henie Onstad Art Center (2022), im Palais de Tokyo (2019), im New Museum (2018) und im Museo Universitario del Chopo (2014) zu sehen. Vor kurzem wurden ihre Werke in die Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museum in New York aufgenommen. Manuela lebt und arbeitet in Berlin.
Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin „Artistic Responses to HIV/AIDS“ von Samuel Perea-Díaz statt, unterstützt von HU Berlin Perspectives und dem Büro für Wissensaustausch mit der Gesellschaft. Diese Aktivität ist Teil des „Proyecto I+D (PID2024-155474NB-I00) Affektive Prozesse in kollektiven künstlerischen Praktiken: Zwischen Handlungsfähigkeit und Erfahrungswissen (MICIU)“.
Archiving HIV/AIDS
Sa, 15.11.25, 13:00–21:00 Uhr
Performance, Vortrag, Filmscreening
Moderiert von Samuel Perea-Díaz
Die Veranstaltung untersucht künstlerische Ansätze und Forschungen zu HIV/AIDS als Archivierungspraktiken und umfasst eine Performance von Benny Nemer, Vorträge von David Aaron Swartz und Siân Cook, einen Artist Talk mit der Filmemacherin Carla Simón sowie das Screening ihres Films „Estiu 1993” (Summer 1993), einem persönlichen Film, der sich mit Verlust, Erinnerung und AIDS aus der Perspektive eines Kindes auseinandersetzt.
13:00-14:00
PERFORMANCE
„Several Favourable Bodies“ ist eine Performance mit Video, die Benny Nemers Forschungen zum seltsamen Schicksal der Postkartensammlung des französischen Fotografen und Autors Hervé Guibert (1955–1991) nachzeichnet. Auf der Suche nach einer angemessenen und aussagekräftigen Ästhetik für seine künstlerische Auseinandersetzung mit AIDS-Geschichten bedient sich Nemer in seiner Performance queerer Methoden, partizipatorischer Forschungstechniken und eines Prozesses, der die Bildung transhistorischer Verwandtschaftsbeziehungen in den Vordergrund stellt.
Benny Nemer (@benny_nemer) ist ein in Montreal geborener Künstler, Tagebuchschreiber und Forscher, der in Paris lebt. Seine multidisziplinäre Praxis zeichnet oft die affektiven Konturen von Liebe und Sehnsucht nach und fördert gleichzeitig die Verbundenheit zwischen seinem Publikum, historischen Persönlichkeiten und ihm selbst. Dies geschieht in Form von Audioarbeiten, Performances, partizipativen Aktionen, Briefwechseln und Blumenarrangements. Benny ist derzeit Postdoktorand am KASK & Conservatorium, wo er sich mit queerer Verwandtschaft, Postkarten als künstlerischem Medium und dem Archiv des französischen Autors und Fotografen Hervé Guibert beschäftigt. www.nemer.be
14:00-15:00 Pause
15:00-16:30
Archival Practices in Berlin and the UK’s HIV/AIDS Visual Culture
Talk: Archiving HIV/AIDS: Introduction, Berlin Spotlight, and Research Findings, mit David Aaron Swartz
„Archiving HIV/AIDS: Introduction, Berlin Spotlight, and Research Findings“ ist ein Vortrag mit Multimedia-Präsentation von David Aaron Swartz, der über seine intensiven Forschungen der letzten Jahre zu Themen wie queerer Clubkultur, HIV/AIDS-Aktivismus, kulturelle Reaktionen auf die HIV/AIDS-Epidemie und öffentliche Aufklärungskampagnen berichten wird. Er wird einen Überblick über Archivressourcen und -materialien geben, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf seinen persönlichen Erfahrungen mit der umfangreichen Archivlandschaft in Berlin liegt.
David Aaron Swartz (IG: @daswartzy) ist seit Juni 2010 HIV-positiv. Er ist in Los Angeles geboren und aufgewachsen, studierte Soziologie an der University of Colorado in Boulder und lebte anschließend ein Jahrzehnt lang wieder in Los Angeles, bevor er 2015 nach Berlin zog. Er blickt auf eine über zwanzigjährige Karriere in der Musikindustrie (vor allem als Künstlermanager) zurück. Seit er sich vor zwei Jahren aus der Musikindustrie zurückgezogen hat, widmet sich David der Weiterbildung (z. B. Kurse an der NODE Academy for Curatorial Studies und kürzlich Abschluss eines Postgraduierten-Zertifikats für Hochschulbildung am SAE Institute for Creative Media Education) und engagiert sich in der unabhängigen Forschung, Gastkuration und dem Aufbau eines Archivs mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer queerer Clubkultur.
https://linktr.ee/daswartzy || www.queerclubculture.com || www.davidaaronswartz.com
Talk: Take Care (of that archive) mit Siân Cook
„Take Care (of that archive)“ Es ist wichtig, dass grafische Ephemera als Teil des visuellen Kulturerbes von HIV und AIDS berücksichtigt werden. Die Materialien, die von lokalen aktivistischen Organisationen bis hin zu regionalen Gesundheitsbehörden produziert wurden, tragen dazu bei, ein vollständigeres Bild der Epidemie zu zeichnen. Diese greifbaren visuellen Erinnerungen, kombiniert mit gelebten Erfahrungen, zeugen davon, wie wir versucht haben, unsere Freund_innen und Gemeinschaften zu informieren und zu versorgen, insbesondere in der Zeit vor der Digitalisierung. „Take Care“ ist ein Ausdruck, der in unterschiedlicher Weise auf die HIV-Übertragung, Menschen mit HIV, aber auch auf die Archivierungspraxis selbst angewendet werden kann.
Siân Cook ist Grafikdesignerin und Dozentin für Grafik- und Mediendesign am London College of Communication der University of the Arts London. Seit über 30 Jahren engagiert sie sich für britische HIV- und AIDS-Organisationen und hat ehrenamtlich für Terrence Higgins Trust, Red Hot AIDS, National AIDS Trust, National HIV Story Trust und Positively UK gearbeitet und Designs entworfen. In den 2000er und 2010er Jahren half sie bei der Entwicklung zahlreicher Kampagnen für GMFA (ursprünglich Gay Men Fighting AIDS) und war Mitglied des Vorstands dieser Organisation.
Siân begann in den 90er Jahren mit dem Sammeln von Beispielen für grafische Ephemera zum Thema HIV und AIDS in Großbritannien und hat ein Online-Archiv aufgebaut, um dieses Material einem breiteren Publikum zugänglich zu machen:
http://www.hivgraphiccommunication.com
16:30-17:30 Pause
17:30
ARTIST TALK
von der Filmemacherin Carla Simón
Fridas Sommer ist der erste Spielfilm der Filmemacherin Carla Simon (Barcelona *1986). Der Film wurde am 11. Februar 2017 in Berlin uraufgeführt und ebenso wie bei den zahlreichen Vorführungen auf internationalen Filmfestivals begeistert aufgenommen. Fridas Sommer (2017) war ihr autobiografisches Debüt. Er feierte seine Premiere auf der Berlinale 2017, wo er den Preis für den besten Film und den Großen Preis der Jury in der Sektion Generation Kplus gewann. Der Film wurde weltweit mit mehr als 30 Preisen ausgezeichnet und brachte ihr den Goya-Preis für die beste Nachwuchsregisseurin ein. Außerdem wurde er ausgewählt, Spanien bei den Oscars zu vertreten. Simón erhielt 2018 in Cannes den Women in Motion Emerging Talent Award.
Carla Simón (geb. 1986) ist Drehbuchautorin und Regisseurin und wuchs in einem kleinen katalanischen Dorf auf. Als Teil einer großen Familie, die eine unerschöpfliche Quelle für Geschichten ist, beschloss sie, Filme zu machen. Nach ihrem Abschluss in audiovisueller Kommunikation in Barcelona erhielt Carla ein Stipendium für ihren Master an der London Film School. Fridas Sommer (2017) ist ihr autobiografisches Debüt. Der Film gewann den Preis für den besten Erstlingsfilm und den Generation Kplus Grand Prix bei der Berlinale sowie drei Goya-Auszeichnungen, darunter die für die beste Nachwuchsregisseurin. Der Film vertrat Spanien bei den Oscar-Verleihungen 2018, wurde bei den European Film Awards für den Discovery Award nominiert und brachte Carla in Cannes den Kering Emerging Women in Motion Award ein. 2022 veröffentlichte Simón ihren letzten Kurzfilm Letter to my mother for my son, eine Miu Miu-Geschichte, die bei den Giornate degli Autori im Rahmen der 79. Internationalen Filmfestspiele von Venedig Premiere feierte. Ihr zweiter Spielfilm, Alcarràs (2022), gewann den begehrten Goldenen Bären bei der Berlinale. Er wurde für mehr als 90 internationale Filmfestivals ausgewählt und in mehr als 35 Länder verkauft. Er vertrat Spanien auch bei den Oscar-Verleihungen 2023, erhielt drei Nominierungen bei den European Film Awards und gewann sechs Gaudí-Preise der Katalanischen Filmakademie. Im Jahr 2023 erhielt Carla den spanischen Nationalen Filmpreis. Romería, Simóns dritter Spielfilm, wird seine Weltpremiere im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes feiern.
19:00
FILMSCREENING
Fridas Sommer, Originalsprache (Katalanisch) mit englischen Untertiteln (96 Minuten)
Zusammenfassung:
Im Sommer 1993, nach dem Tod ihrer Eltern, zieht die sechsjährige Frida von Barcelona in die katalanische Provinz, um bei ihrer Tante und ihrem Onkel zu leben, die nun ihre neuen Erziehungsberechtigten sind. Das Leben auf dem Land ist eine Herausforderung für Frida – die Zeit vergeht anders in ihrem neuen Zuhause, und die Natur, die sie umgibt, ist geheimnisvoll und fremd. Sie hat nun eine kleine Schwester, um die sie sich kümmern muss, und muss mit neuen Gefühlen wie Eifersucht umgehen lernen. Oft ist Frida naiv davon überzeugt, dass Weglaufen die beste Lösung für ihre Probleme wäre. Doch die Familie tut alles, um ein fragiles neues Gleichgewicht zu erreichen und Normalität in ihr Leben zu bringen. Gelegentliche Familienausflüge zu einem lokalen Fest oder ins Schwimmbad, gemeinsames Kochen oder Jazzhören im Garten bescheren ihnen Momente des Glücks. Langsam wird Frida klar, dass sie dort bleiben wird und sich an die neue Umgebung anpassen muss. Bevor die Saison vorbei ist, muss sie mit ihren Gefühlen zurechtkommen, und ihre Eltern müssen lernen, sie wie ihre eigene Tochter zu lieben.
*Mit Unterstützung des Programms zur Internationalisierung der spanischen Kultur (PICE) von AC/E
Viral Intimacies x Young Intimacies: Traces of Possible Futures
So, 16.11.25, 15:00–22:00 Uhr
Führung, Filmscreenings, Gespräch, DJ-Set
Der letzte Akt von Viral Intimacies gibt Raum für Stimmen, die durch das Ausstellungsprojekt auf unterschiedliche Weise miteinander verwoben wurden: Studierende, die durch ein künstlerisches Outreach-Projekt mit dem Thema HIV/AIDS und Viral Intimacies in Berührung gekommen sind, diskutieren ihre Perspektiven mit Künstler*innen der Ausstellung und präsentieren ihre künstlerischen Interventionen in Form von Skulpturen, Podcasts, Plakaten und Kurzfilmen. Los Amarillos, die die Ausstellung mit ihrer Performance Manifesto Amarillo eröffnet haben, werden in einem Gespräch über ihre zweimonatige Reise durch Europa und das Projekt Frontera Amarilla berichten. Der Abend und das Ausstellungsprojekt werden mit einem letzten Tanz während eines DJ-Sets von Camilo Acosta alias LadyHunter, einem Mitglied von Los Amarillos, sein Ende finden.
15h: Fokus Tour
Bei der Young Intimacies Fokus Tour führen Schüler*innen der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum durch die Ausstellung. Dabei laden sie dazu ein, ihre Projekte und Perspektiven auf das Thema HIV/AIDS kennenzulernen, die sie in Bezug auf die künstlerischen Positionen der Ausstellung entwickelt haben. Ausdruck finden ihre Projekte als künstlerische Interventionen in der Ausstellung. Bei der Tour kommen die Schüler*innen mit Künstler*innen der Ausstellung ins Gespräch.
Die Führung findet auf Deutsch statt (Flüsterübersetzung auf Englisch / Spanisch möglich)
Mit: Hanna Schaich, Los Amarillos, Pascal Espinosa, Christa Joo Hyun D’Angelo und Schüler*innen der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum
17h: Screening
Beim Screening werden Kurzfilme aus dem Ferienworkshop und den Schulprojekt Tagen gezeigt.
18h: Artist Talk
Für den letzten Tag der Ausstellung kommen Los Amarillos zurück nach Berlin, um ihre Erfahrungen aus dem Projekt “Frontera Amarilla” zu teilen. Nach dem Auftakt bei der Eröffnung von Viral Intimacies trafen Santiago Lemus und Camilo Acosta bei ihrer Europa-Tour auf Geschichten, Körper und Realitäten von Menschen, die mit HIV+ und in lateinamerikanischer Migration leben. Im Gespräch mit Pascale Espinosa und Elisabeth Krämer.
19h: DJ Set
Camilo Acosta aka LadyHunter
YOUNG INTIMACIES war ein interdisziplinäres künstlerisches Vermittlungsprojekt im Rahmen der Ausstellung Viral Intimacies an der nGbK Berlin. Es richtete sich an Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren und verfolgte das Ziel, durch künstlerische Mittel Räume zu eröffnen, in denen junge Menschen sich kritisch, kreativ und selbstbestimmt mit den Themen HIV/AIDS, Sexualität, Gesundheit und gesellschaftlicher Ausgrenzung auseinandersetzen können.
Das Projekt umfasste acht Schulprojekt-Tage mit der Max-Beckmann-Oberschule und der Evangelischen Schule Berlin-Zentrum und einen Filmworkshop für queere Jugendliche in den Herbstferien mit Trialog Jugendhilfe GmbH - Bereich Queer Leben und Queerdom - Queeres Jugendzentrum Berlin-Mitte.
Konzeption & Leitung: Madi Awadalla, Pascale Espinosa, Christina Harles
Projektkoordination: Elisabeth Krämer
Das Projekt wurde gefördert von Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung