Dissident Paths: Traces (Tag 2)
Die TRACES-Installation ist ab 12 Uhr für Besucher_innen geöffnet.
Informationen zur Barrierefreiheit: Für individuelle Rückfragen oder besondere Bedarfe zur Barrierefreiheit kontaktieren Sie uns gerne unter: cruisingcurators@gmail.com
18:00–19:00 Uhr
Printing for Abolition with Rüzgâr Buşki
Während der Eröffnung und im Verlauf des dreitägigen Programms wird Rüzgar Buşki live im Siebdruck eine neue Auflage von 400 Drucken herstellen. Die Drucke sind auf das Format der Publikation Walk Notations abgestimmt. Ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizukommen und gemeinsam mit Rüzgar zu drucken und die Blätter anschließend in euer Exemplar der Publikation einzulegen. Versteht dies als ein Ritual – ein Moment, um all jene zu würdigen, die in Berlin standhaft geblieben sind, um ihre grundlegenden Rechte gegen Polizeigewalt auszuüben.
19:00–19:30 Uhr
Harbouring Voices: Rhythms of Transit mit Nour Sokhon
Diese Performance versteht sich als Live-Komposition aus aufgezeichneten Schritten, Gehrouten, körperlichen Gesten und räumlichen Markierungen, die vor Ort gesammelt wurden. Aufgenommene Stimmen und geflüsterte Antworten von Teilnehmenden des Workshopprogramms von Dissident Paths bilden eine stimmliche Ebene innerhalb der Partitur - als Rhythmen, Einsätze und klangliche Auslöser, die die Performance in Echtzeit anleiten. Auch die Anwesenheit des Publikums spielt eine aktive Rolle: Zuhören, Bewegung und stimmliche Reaktionen beeinflussen Timing, Dichte und Verlauf des Stücks. Jede Aufführung bleibt offen und reagiert auf den jeweiligen Ort und die anwesenden Körper. Die 2021 durch eine ortsspezifische Intervention in Beirut initiierte Arbeit ist Teil eines fortlaufenden partizipativen Forschungsprojekts, das sich in Live-Performances entfaltet. Diese frühe Recherche legte den Grundstein für eine umfassendere Werkreihe, die Stimme, Raum und kollektives Zuhören in von Bruch und Transit geprägten Kontexten untersucht. Die aktuelle Work-in-Progress-Version entstand aus einem Sound-Workshop, der im Juni 2025 im Rahmen von Dissident Paths im Berliner Westhafen stattfand. Sie markiert eine Verschiebung von kollektiver Feldforschung hin zu einer performativen Partitur.
Mit Dank an die Teilnehmenden des Workshops Harbouring Voices Westhafen sowie an Augusto Gerardi Rousset für die Unterstützung der Aufnahmen vor Ort.
19:45–20:30 Uhr
Biased noise, aural justice mit Saverio Cantoni und Dana Cermane
Die Performance Biased noise, aural justice von Saverio Cantoni und Dana Cermane überträgt gesprochene Worte und klangliche Improvisation in Gebärdensprache. Die Arbeit verwebt persönliche Erfahrung und gelebte Realität und verhandelt Fragen klanglicher Gerechtigkeit in flüchtiger Improvisation und transtemporalem nächtlichem Erzählen. Aus einer Ästhetik des Zugangs heraus gedacht, wird Klang nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar gemacht: Gesprochene Worte (auf Englisch) werden live untertitelt und von Sound-Captions sowie einem spektralen Visualizer begleitet. Die simultane Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS) wird von Dana Cermane gestaltet. Einige Klänge können laut oder rau sein; Ohrstöpsel und Ballons stehen zur Verfügung, ruhige Bereiche sind zugänglich, und das Publikum kann sich frei bewegen, den Raum verlassen oder sich nach eigenem Wunsch einbringen.
20:30–21:00 Uhr
a-mal-a-malgam mit Yasmeen Al-Qaisi
Anknüpfend an ihre eröffnende Food-Performance wird Yasmeen uns über das gesamte Programm hinweg mit verschiedenen Gerichten und Desserts versorgen, die mit ihrem Konzept von a-mal-a-malgam verbunden sind – einer arabisch-englischen Wortschöpfung, die sowohl für eine Masse (الملغم al-malgham, Amalgam) als auch für eine Mischung aus Hoffnung (أمل amal) steht. Siehe TRACES Tag 1 für alle Details zur Food-Performance.
21:00–22:00 Uhr
The Muscles Are Tense mit Mahshid Mahboubifar
Der aus Archivaufnahmen der Palästina-Proteste in Berlin im Jahr 2024 zusammengesetzte Filmessay rückt die Polizeikamera ins Zentrum – als Instrument der Aufzeichnung und Archivierung protestierender Körper – ebenso wie den Körper der Protestierenden selbst: den leiblichen Kampf darum, sich die Straße anzueignen, und die Ausgesetztheit dieser Körper gegenüber polizeilicher Überwachung und Gewalt. Es entsteht eine Komposition des öffentlichen Raums, in der die historischen Ursprünge der Polizei, ihre Militarisierung und ihre rassifizierende Zielrichtung sichtbar werden.
16 Min., Englisch/Deutsch/Arabisch mit dt. UT
Mit einer Einführung durch die Künstlerin und einem Q&A.
TRACES-Installation
Über das dreitägige Programm hinweg teilen einige Künstler_innen physische Spuren ihrer Spaziergänge in Form einer kollektiven Installation, verbunden mit Forschungsmaterial aus der Bibliothek der Kurator_innen.
Beiträge von: Lucía Alfaro Valencia, Yasmeen Al-Qaisi, Elena Biserna, Mirja Busch, Rüzgâr Buşki, Suelen Calonga, Saverio Cantoni, Gabriel Francisco Lemos, Carolin Genz, Jane Hwang, Mahshid Mahboubifar, Pol Merchan & Sarah Martinus, Harun Morrison, Pitchaya Ngamcharoen, Marlene Oeken & Martha Schwindling, Minh Duc Pham, Liz Rosenfeld, Natthapong Samakkaew, Kaspar Schmidt Mumm, Nour Sokhon, Lauryn Youden, Alternative Monument, Esquina Caliente, hand breast heart kollektiv, House’ it going? (Laura Margarete Bertelt & Uli Kneisl), Project In/Visibility (Samirah Siddiqui & Tasnim Elboute), ssssSssssssss (Ashkan Sepahvand & virgil b/g taylor)
nGbK-Arbeitsgruppe: Clementine Butler-Gallie, Bengisu Çağlayan, Raphael Daibert, Luise Leon Elbern, Eirini Fountedaki, Viviane Tabach